STADTWald-Wildkatzen

Wie können die scheuen Wildkatzen in unseren stark genutzten Stadtwäldern Ruhe finden und ihre Jungtiere großziehen ohne von Menschen gestört zu werden? Dieses Projekt soll das Zusammenleben von Mensch und Wildkatze näher beleuchten.

STADTWald-Wildkatzen

Die Europäische Wildkatze. Foto: Stefan Eschweiler.

Worum geht es?

Zum Erhalt der biologischen Vielfalt spielen auch Stadtökosysteme eine wichtige Rolle. Wie kann eine Koexistenz von Menschen und Wildtieren in diesen Lebensräumen geschaffen werden? Dieses Konfliktfeld wird durch das Projekt STADTWald-Wildkatzen genauer beleuchtet und nachhaltige Lösungen werden skizziert.

Die Europäische Wildkatze wird als scheue und empfindliche Waldbewohnerin angesehen. Doch die großflächigen Untersuchungen des BUND der letzten Jahre ergaben mehrere Nachweise von Wildkatzenvorkommen in neuen und unerwarteten Gebieten. Besonders bemerkenswert dabei sind einige Stadtwälder, wie die Kottenforst-Ville-Wälder bei Bonn und der nördliche Auwald bei Leipzig, mit sehr vielen menschlichen Aktivitäten und Störungen. Der stadtnahe Naturraum wird immer wichtiger als Naherholungsziel. Dabei gehen Störungen vom Menschen selbst sowie von seinen Aktivitäten aus. Im Projekt STADTWald-Wildkatzen laufen die Untersuchungen bundesländerübergreifend aufgrund einer methodisch gleichen und synchronen Datenaufnahme in den Kottenforst-Ville-Wäldern und im Leipziger Auwald über einen Zeitraum von zwei Jahren. Daraus ergeben sich belastbare, vergleichbare und aussagekräftige Ergebnisse, die eine Übertragung auf andere Stadtwälder ermöglichen.

Was wird gemacht?

Mit Hilfe von Halsbandsendern sollen die Wildkatzen in ihrem Verhalten und ihrem Lebensraum untersucht werden. Wie, wann und wo bewegen sich die scheuen Tiere durch die viel genutzten Wälder? Bekommen sie erfollgreich Nachwuchs und können sie diesen sicher großziehen? Aus diesen Erkenntnissen lässt sich ein Konzept erstellen, wie stadtnahe Wälder von Menschen genutzt und gleichzeitig die Bedürfnisse der Tiere nach Schutz und Nahrung befriedigt werden können.

Projektziele

  • Beurteilung der Stadtwälder als Lebensraum und potentielle Bestandteile eines Biotopverbun-des für Wildkatzen.
  • Erfassung eines eventuell kritischen Mensch-Wildkatze-Konflikt in den stadtnahen Wäldern.
  • Erstellung eines forstlichen Maßnahmenkatalogs zum Schutz und zur Förderung der Wildkatze in stadtnahen Wäldern.
  • Erkenntnisse über Gesundheitszustand sowie Reproduktionsverhalten und -erfolg der Wildkatzen in stadtnahen Wäldern.
  • Einsichten in den Einfluss von Hauskatzen auf die Wildkatzen.

Neben der Untersuchung des Habitats selbst, sollen das Raumzeitverhalten, Reproduktionsversuche und -erfolge sowie der Gesundheitszustand und Populationsstruktur der Wildkatzen untersucht werden. Eine gute Habitatqualität lässt sich durch eine erfolgreiche Reproduktion nachweisen, da dies auf gutes Nahrungsangebot sowie ausreichende Versteckmöglichkeiten für die Aufzucht der Jungen belegt. Des Weiteren gilt es die Überschneidung von Wild- und Hauskatzenstreifgebieten zu untersuchen. Sowohl die Verpaarung mit Hauskatzen, als auch die Übertragung typischer Krankheiten auf die Wildkatze stellen eine Gefahr für eine gesunde Wildkatzenpopulation dar.

Kenntnisse über diese Problemfelder ermöglichen wiederum effektive Schutzmaßnahmen und Handlungsempfehlungen. So können aus den forstlichen Maßnahmenkatalogen zum Schutz und zur Förderung der Wildkatze, die bereits vorhanden sind, Prioritätenlisten hervorgehen, um so den Wildkatzenschutz und die wertvolle Arbeit der Forstbetriebe in dieser Hinsicht optimiert werden. Zusätzlich kann eine Anpassung des Wegenetzes in den Stadtwäldern dafür sorgen, das Konfliktpotential in besonders störungsanfälligen Räumen zu minimieren. Auch verbessert sich grundsätzlich das Verständnis über ihre Anpassungsfähigkeit an stark genutzte, störungsintensive Lebensräume.

Das Projekt "STADTWald-Wildkatzen" wird von der HERING-Stiftung Natur und Mensch gefördert.

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