Wildkatzen breiten sich weiter aus

23. Juli 2026 | Wildkatze, Wälder, Tiere und Pflanzen, Naturschutz, Naturschutz, Lebensräume

Der BUND verzeichnet 333 Nachweise und verbessert Lebensräume

Die Rückkehr der Wildkatze gilt als Erfolg des Natur- und Artenschutzes.  (Marco Demmerle)

  • Vorkommen erholen sich weiter
  • Neue Nachweise auch in NRW
  • Wildkatzenlebensräume brauchen Vernetzung

Berlin/Düsseldorf | Das BUND-Großprojekt „Wildkatzenwälder von morgen“ verzeichnet einen stetigen Anstieg an Wildkatzen-Nachweisen: Seit dem Projektstart im Oktober 2022 konnten bundesweit 333-mal Wildkatzen genetisch nachgewiesen werden! Gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen untersucht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Bestände der Europäischen Wildkatze in zehn Bundesländern. Auch in Nordrhein-Westfalen konnten in den letzten vier Jahren so 88 Nachweise für Wildkatzen erbracht werden.

Katharina Stenglein, Projektkoordinatorin des BUND NRW: „333 Nachweise, die eindeutig der Wildkatze zugeordnet werden konnten, sind eine gute Nachricht für den Artenschutz. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass viele geeignete Lebensräume noch immer voneinander getrennt sind. In vielen Gebieten Deutschlands, die sich für Wildkatzen eignen, weisen wir keine Wildkatzen nach. Umso mehr freut es uns, die scheue Jägerin dabei zu beobachten, wie sie die von uns in Nordrhein-Westfalen errichteten ‚Wildkatzenburgen‘ begutachtet.“

Die Ergebnisse fließen direkt in Maßnahmen zur Verbesserung und Vernetzung ihrer Lebensräume ein, beispielweise in den Bau von „Wildkatzenburgen“ – größere Haufen aus Totholz, die der Art als sichere Verstecke dienen.
Besonders erfreuliche Ergebnisse gab es in Nordrhein-Westfalen im Rhein-Sieg-Kreis und im Hochsauerlandkreis. Dort gelangen dem BUND auch Erst-Nachweise von Wildkatzen. „Dass wir um Eitorf und Medebach die Wildkatze an Orten nachweisen konnten, wo bislang das Vorkommen der Art unbestätigt war, freut uns sehr. In der Hoffnung, dass in den nächsten Jahren dort die ersten Wildkatzen auftauchen, haben wir in den letzten drei Jahren mit den ansässigen Förstern den Wald Wildkatzen-freundlich gestaltet. Nun hoffen wir, dass sie sich dort zu Hause fühlen kann“, sagt Stenglein.

Die Rückkehr der Wildkatze gilt als Erfolg des Natur- und Artenschutzes. Dennoch fehlen vielerorts geeignete Lebensräume und sichere Wanderkorridore zwischen den Waldgebieten. Deshalb setzt das Projekt auch auf die Entwicklung strukturreicher Waldränder. Davon profitieren nicht nur Wildkatzen, sondern zahlreiche weitere Arten sowie der Wald selbst.
In Nordrhein-Westfalen richtet der BUND am 11. September 2026 in Bad Honnef ein Seminar für alle Waldbesitzenden aus, egal ob privat, kommunal oder staatlich, bei dem die wildkatzenfreundliche Waldgestaltung an Beispielen erläutert wird. Das Seminar soll zum Nachahmen anregen. Denn Wildkatzenschutz ist auch Waldschutz! Der BUND lädt weitere Waldbesitzende, Forstbetriebe und Kommunen ein, sich an der Gestaltung naturnaher und klimastabiler Wälder zu beteiligen.

Hintergrund:
Das sechsjährige Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Das Projekt setzen der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um. Der BUND setzt bei seinen Maßnahmenumsetzungen auf gezielte Strukturverbesserungen im Wald und am Waldrand. Beispielsweise bieten stufig aufgebaute Waldränder einer vielfältigen Pflanzenwelt und zahlreichen Tierarten Lebensraum. Gleichzeitig wirken sie als natürliche Puffer: Sie bremsen Wind und schützen das Innere des Waldes vor Stürmen und Bodenerosion. Zusätzlich puffern sie den Schadstoffeintrag aus angrenzenden Nutzflächen ab.

Beim Lockstock-Monitoring werden in ausgewählten Waldgebieten mit Baldrian präparierte Holzstäbe, sogenannte Lockstöcke, aufgestellt. Reiben sich Wildkatzen daran, bleiben Haare hängen, die anschließend genetisch untersucht werden. So lässt sich feststellen, wo die Tiere leben und welche Wanderungen sie unternehmen. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise für den Schutz und die Vernetzung ihrer Lebensräume. 


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