Wohnungsbau contra Freiraumschutz

Neu ausgewiesene Baugebiete sind eine wichtige Ursache für den Flächenfraß. Dabei gibt es umweltschonende Alternativen.

Der Bau von Eigenheimen auf der "grünen Wiese" muss gestoppt werden. [Foto: Dirk Jansen] Der Bau von Eigenheimen auf der "grünen Wiese" muss gestoppt werden. [Foto: Dirk Jansen]

In NRW sind im Jahr 2021 fast 50.000 neue Wohnungen entstanden – viele davon im bisher unbebauten Freiraum. Das geht zu Lasten von Natur und Landschaft. Die Folgen sind immens. Trotzdem ist eine sozial-ökologische Wohnungsbauwende noch nicht in Sicht.

Bodenzerstörung durch Neubau

Die Nutzung vor allem landwirtschaftlicher Böden als Bauland und Infrastruktur führt zu deren Versiegelung, der Zerschneidung größerer Gebiete und der Zerstörung des Lebensraums wildlebender Tier- und Pflanzenarten. Zunehmende Hitzesommer und Hochwasserfluten erfordern aber ausreichende Freiraumflächen mit Kaltluftentstehungsgebieten und Frischluftschneisen. Bereits 2002 hatte die Bundesregierung einen täglichen Verbrauch von maximal 30 Hektar bis 2020 vorgegeben. Ein Ziel, das mit derzeit 54 ha ebenso wie der Stopp des Verlustes biologischer Vielfalt krachend verfehlt wurde. Nun soll das 30 ha-Ziel bis 2030 erreicht werden. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen und der BUND fordern hingegen: Netto-Null-Hektar.

Die alte CDU/FDP-Landesregierung nahm mit der Streichung der bisherigen landesplanerischen Vorgaben zur Reduktion der Flächeninanspruchnahme vauf maximal 5 Hektar/Tag und ihrer überholten Methodik bei der Bedarfsberechnung im Landesentwicklungsplan weiteren Flächenverbrauch in Kauf. Aber auch Schwarz-Grün will die 5 Hektar-Grenze nicht als verbindliches landesplanerisches Ziel, sondern wieder nur als unverbindlicheren Grundsatz im neuen Landesentwicklungsplan verankern.

Statt Vorgaben zur Nutzung von Innenraumpotenzialen und Konversionsflächen zu machen, wird auch in den neuen Regionalplänen der Bau weiterer Einfamilienhausgebiete für mehrere Jahrzehnte fortgeschrieben. Einfamilienhäuser benötigen aber doppelt so viel Grundfläche je Wohneinheit wie Wohnungen in Geschossgebäuden.

Großes Aufstockungspotenzial

Der Wohnungsneubau verbraucht viel Sand und Kies. Ihr Abbau belastet die Natur und die Zementherstellung ist äußerst klimaschädlich. Daher sollten vorrangig vorhandene Gebäude saniert, umgebaut und der bisherige Anstieg der Wohnfläche pro Nutzer von 20 auf über 47 Quadratmeter umgekehrt werden. Weiterer Vorteil: Die erheblichen Bauabfälle würden verrringert.

Die Studien der TU Darmstadt und des Pestel Instituts Hannover ermittelten ein bundesweites Potenzial von 2,3 bis 2,7 Millionen Wohnungen durch Aufstockungen in Mehrfamilienhäusern, Nichtwohngebäuden und Umnutzungen leerer Büro- und Verwaltungsgebäude.

Vorrang für das Gemeinwohl

Bezahlbare Wohnungen setzen eine kommunale Bodenbevorratungspolitik, die Vergabe von Baugrundstücken im Erbbaurecht für öffentlich geförderten Wohnungsbau sowie eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung mit einem wirksamen kommunalen Vorkaufsrecht voraus. Zudem ist der Bodenmarkt zu regulieren und Baukosten durch serielles Bauen einzudämmen.

Die Instrumente für eine ökologische Wohnungsbauwende sind also vorhanden. Jetzt muss die Politik handeln.

BUND-Position "Wohnungsbauwende in NRW"

Die Bodenzerstörung durch Wohnungsneubau ist eines der größten Umweltprobleme. Mit verheerenden Folgen: Die Versiegelung begünstigt Hochwasserextreme, forciert den Verlust an biologischer Vielfalt und beseitigt wertvollen landwirtschaftlich zu nutzenden Boden. Deshalb bedarf es einer Wohnungsbauwende. Der BUND hat dafür konkrete Vorschläge erarbeitet.

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