BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Gefahren für die Wildkatze

Es ist nicht lange her, da lebten Wildkatzen fast überall in Europa. Heute sind sie von vielen Orten ihrer ursprünglichen Heimat verschwunden.

 (BUND Projekt "Wildkatzensprung/Thomas Stephan)

Lange Zeit wurden die Wildkatzenbestände vor allem durch die Jagd dezimiert. Jäger verwechselten sie mit verwilderten Hauskatzen und schossen sie ab. Aber auch Schlagfallen und freilaufende Jagdhunde bei der Nachsuche setzten ihnen zu. Heute sind die Verluste durch die Jagd vergleichsweise gering, außerdem steht die Wildkatze inzwischen unter ganzjähriger Schonzeit.

Heutzutage sind die Hauptgefährdungsursachen für Wildkatzen sind lebensraumzerstörende oder -isolierende Maßnahmen durch Forst- und Landwirtschaft sowie der Ausbau von Verkehrswegen (einschließlich Forststraßen und Wanderwege im Wald). Neben Verkehrstod und direktem Lebensraumverlust wirkt sich vor allem die Zerschneidung und Isolation von Lebensräumen auf viele Arten negativ aus. Dies kann zu geringer Individuenzahl, genetischer Verarmung und zuletzt auch zu lokalem Aussterben von Populationen oder sogar Arten führen.

Man schätzt heutzutage, dass etwa 10% aller Wildkatzen in Deutschland jährlich überfahren werden. Der Straßentot ist die häufigste nicht natürliche Todesursache. Leider gibt es bisher in Nordrhein-Westfalen noch kein offizielles Totfundmonitoring, wie etwa im Land Rheinland-Pfalz.

Wenn Sie eine überfahrene Wildkatze sehen, melden Sie diese hier.

Gefahren für Wildkatzen

Nben dem Straßenverkehr haben ausgewachsene Wildkatzen zu kämpfen mit

  • Zerschneidungswirkungen/Barrieren (Verkehrswege, Zäune) und Zerstörung oder Umgestaltung von Wanderkorridoren (Waldsäume, Gehölzstreifen in der Agrarlandschaft, naturnahe Gewässerufer) führen zur teilweisen oder vollständigen reproduktiven Isolation von Vorkommen
  • Reduzierung oder Zerstörung alter, lichter Laubmischwälder, Beeinträchtigung reich gegliederter Waldsäume und Beseitigung anderer besonderer Lebensraumelemente im Wald (Felsnasen, Holzstubben etc.) führen zum Verlust von Jagdgebieten, Sonnen- und Ruheplätzen und Wanderrouten
  • Übertragung von Hauskatzen-Krankheiten auf Wildkatzen
  • Bastardisierung (Verpaarung) mit Hauskatzen tritt in Deutschland in recht selten auf. Nur in Gebieten, in denen wenige Wildkatzen leben kommt eine solche Verpaarung häufiger vor.
  • Zäune aus Knotengittern können für Wildkatzen zur Todesfalle werden, da sich die Tiere beim Überklettern mit den Krallen verfangen oder mit den Läufen „einfädeln“ können .

Wildkätzchen im Wald lassen

Besonders während der Jungenaufzucht wirken sich zudem folgende Faktoren stark negativ auf Wildkatzenpopulationen aus:

  • Fehlen geeigneter Wurforte (v.a. Baumhöhlen) führt zu erhöhter Jungensterblichkeit
  • Maschinelle Räumung von Windwurfflächen (Stämme, Kronen, Wurzeln) kann Verstecke zerstören und Jungtiere verletzen oder töten
  • Fehlbejagung bei, Bau- und Fallenjagd (Totschlagfallen) und das Ausmähen (die Katze versteckt sich im Gras und wird durch die Mähmaschine getötet) von Wildkatzen auf Wiesen im waldnahen Bereich können zum Verlust des Muttertieres und damit des gesamten Wurfes führen
  • Störungen durch eine intensive Freizeitnutzung (insbesondere wenn Hunde in Wildkatzengebieten nicht angeleint werden) können zur Aufgabe des Wurfes oder einer schlechten Nahrungsversorgung der Jungtiere führen
  • Spaziergänger*innen „entführen“ kleine Wildkatzen aus dem Wald, entweder aus Unwissenheit oder weil sie glauben, die jungen Kätzchen seien zurückgelassen worden. 

Was zu tun ist, wenn eine kleine Wildkatze eingesammelt wurde, lesen Sie hier.

Foto: Manfred Trinzen

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