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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Brennende Bergbauhalden

Flöz- und Haldenbrände sind vor allem aus Indien und China bekannt. Recherchen des BUND aber zeigen: Auch in Nordrhein-Westfalen brennen Bergbau-Halden. Dabei werden schädliche Gase freigesetzt. Die genauen Mengen sind unbekannt.

Sieht harmlos aus, schwelt aber vor sich hin: Die Bergehalde Großes Holz in Bergkamen. [Foto: Reinhard Hunscher, CC BY-SA 2.0

Beim Abbau von Steinkohle fällt unvermeidbar taubes, d. h. nicht kohleführendes Nebengestein an. Nur ein Bruchteil dieses Materials wurde in der Vergangenheit wieder unter Tage eingebaut, der Großteil wurde übertägig aufgehaldet. Vor allem in der Vergangenheit enthielt das Bergematerial noch hohe Anteile an Steinkohle. Diese aber kann sich unter Zufuhr von Luftsauerstoff unter bestimmten Bedingungen selbst entzünden. Daraus können langandauernde und mitunter nicht zu löschende Schwelbrände entstehen.

In der Vergangenheit wurde solche Haldenbrände auch für Nordrhein-Westfalen immer mal wieder bekannt. Der BUND wollte es genau wissen und hat bei der zuständigen Bergbehörde eine  Anfrage gemäß Umweltinformationsgesetz NRW gestellt und um Auskunft zu den folgenden Fragen gebeten:

  1. Wie hoch ist der Gehalt an Kohle in den einzelnen Bergehalden NRWs (bitte aufschlüsseln nach einzelnen Halden und deren Kohlegehalt)?
  2. Ab welchem Kohle-Gehalt besteht prinzipiell die Gefahr von Bränden?
  3. Welche Bergehalden weisen historisch oder aktuell solche Schwelbrände oder „Warmstellen“ auf (bitte aufschlüsseln)?
  4. Welche Bergehalden unterliegen einer ständigen Kontrolle auf Brände, wie sieht diese Kontrolle aus, was wird gemessen?
  5. Welche Temperaturen werden dabei erreicht?
  6. Wie hoch sind jeweils die CO2- und CO-Emissionen (t/a)? Werden zusätzlich andere Stoffe emittiert?
  7. Welche Maßnahmen werden umgesetzt, solche Brände zu verhindern bzw. existierende Brände zu stoppen?

Nach der Antwort der Bezirksregierung Arnsberg stellt sich die Situation wie folgt dar:

10 schwelende Halden in NRW

In 2018 weisen insgesamt 10 Bergehalden des NRW-Steinkohle-Reviers so genannte „Warmbereiche“ auf. Dort werden derzeit Maximaltemperaturen von bis zu 260 °C erreicht.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Halden:

Halde Maximaltemperatur
Bergehalde Norddeutschland (Neukirchen-Vluyn) 88 °C
Bergehalde Wehofen-West (Dinslaken) 198 °C
Bergehalde Graf Moltke (Gladbeck) 260 °C
Bergehalde Rheinelbe (Gelsenkirchen) 60 °C
Bergehalde Rungenberg (Gelsenkirchen) 66 °C
Bergehalde Großes Holz (Bergkamen) 100 °C
Bergehalde Westhalde Westfalen 1/2 (Ahlen) 59 °C
Bergehalde Anna 1 (Alsdorf) 55 °C
Bergehalde Anna 2 (Alsdorf) 66 °C
Bergehalde Hopstener Straße (Ibbenbüren) ?

Verantwortlich für Schwelbrände ist die auf der Halde verkippte Restkohle. Laut Bezirksregierung Arnsberg ist der Gehalt an Kohle in den einzelnen Bergehalden nicht bekannt. Bei Halden aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand teilweise bis zu 50 Prozent des geschütteten Bergematerials aus Kohle. Heutzutage befindet sich danach nahezu keine Kohle mehr in dem aufbereiteten Bergematerial.

Neben dem Kohlegehalt ist auch die Art der Schüttung von Bedeutung. Denn nur bei Zufuhr von Luftsauerstoff kann es zur Selbstentzündung kommen. Temperaturen von über  500 °C sind möglich. Die sich immer weiter selbst entzündenden Brände können abhängig vom Materialvorrat ähnlich wie bei Kohleflözbränden über 100 Jahre andauern. [1].

Erst seit den 1980er Jahren wird das Bergematerial verdichtet eingebaut, um den Luftzutritt zu minimieren. Dadurch kann die Gefahr der Selbstentzündung minimiert werden.

Gefahr durch Schwelgase?

Schwelt die Halde langsam vor sich hin, bilden sich unvermeidlich Schwelgase, die freigesetzt werden. Neben Methan (CH4) sind das Kohlenmonoxid (CO), Wasserstoff (H2) und Kohlendioxid (CO2). Diese werden zwar durch regelmäßige Messungen oberflächennah und in verschiedene Tiefen erfasst, eine Bestimmung der Gesamtemissionen einer Halde erfolgt jedoch nicht. Dabei tragen Methan, Kohlendioxid und Wasserstoff als Treibhausgase maßgeblich zur anthropogenen bedingten Erderwärmung bei. Von Kohlenmonoxid geht gar eine tödliche Gefahr aus. Allerdings dürften die Konzentrationen im Umfeld der Halden wegen der existierenden Luftzirkulation in der Regel unkritisch sein.

Kontrolle und Gegenmaßnahmen

Auch die Bergehalde Rheinelbe in Gelsenkirchen schwelt bei Temperaturen bis 60 °C vor sich hin. [Foto: Henry Tünte]

Wegen des Gefahrenpotenzials unterliegen die Halden einer ständigen Kontrolle. Neben den Schadstoff-Messungen, Gas- und Temperaturmessungen werden auch bodennahe Infrarotaufnahmen, letztere zuweilen auch aus der Luft, durchgeführt. Ergänzt werden die Messungen durch organoleptische Beobachtungen im Rahmen von Kontrollgängen.

An zwei der vorgenannten Berghalden wurden im Sommer 2018 Maßnahmen zur Brandbekämpfung durchgeführt:

Die Halde Wehofen-West in Dinslaken  wird mit einer zwei Meter mächtigen Schicht abgedichtet, die Westhalde Westfalen 1/2 in Ahlen wird abgetragen.

Die Warmstellen auf der Bergehalde Hopstener Straße in Ibbenbüren sollten im Herbst 2018 beseitigt werden, indem das brennende Material ausgehoben, mit Wasser gelöscht, verdichtet wieder eingebaut und anschließend mit Bodenmaterial überdeckt werden sollte.

Auch an der Halde Graft Moltke in Gladbeck fanden Sanierungsmaßnahmen statt. Der Warmbereich wurde abgedichtet, und Baustoff eingepresst. Gelöscht werden konnte der Brand dadurch nicht.

Im Zuge der Endgestaltung der Bergehalde Großes Holz (Bergkamen) soll diese abgedichtet und damit die Luftzufuhr unterbunden werden.

Fazit

Flöz- oder Haldenbrände sind der breiten Öffentlichkeit in der Regel nur aus Indien und China bekannt. Dabei gibt es auch vor unserer Haustür dauerhaft brennende bzw. schwelende Halden. Sie belasten die Umwelt und bedürfen dauerhaft einer aufmerksamen Kontrolle und Nachsorge. Wo immer möglich, sollten die Brandstellen saniert bzw. beseitigt werden. Gelegentlich wurde vorgeschlagen, auch eine energetische Nutzung in Betracht zu ziehen. Der BUND sieht das  skeptisch, weil dadurch die Gefahr einer zusätzlichen Belüftung bestünde. Dies würde die Schwelbrände zusätzlich befeuern.

Mehr Infos zu Kohlebränden: https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlebrand   

Die Antwort der Bezirksregierung Arnsberg auf die BUND-Anfrage gem. UIG. 

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