Der BUND fordert
- Sofortige Aufhebung der Transportgenehmigung.
- Verbleib des Atommülls an den Standorten, bis ein Endlager gefunden ist.
- Errichtung von sicheren und modernen Zwischenlagern vor Ort, anstatt hochriskanter Transporte.
Was ist geplant?
Die radioaktiven kugelförmigen Brennelemente sind in etwa so groß wie ein Tennisball.
Nach den Vorstellungen des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) sollen bald etwa
300 000 radioaktive kugelförmige Brennelemente allein aus dem Forschungsreaktor AVR Jülich mit LKW transportiert werden. Das BASE beruft sich dabei auf eine Anordnung des damaligen Ministeriums für Wirtschaft. Nachdem die befristete Genehmigung für das dortige Zwischenlager 2013 ausgelaufen war, hatte das Ministerium in seiner Funktion als atomrechtliche Aufsichtsbehörde beschlossen, das Lager zu räumen. Ziel ist nun das Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus. Aus Jülich führen die LKW bis dahin über rund 170 Kilometer quer durch Nordrhein-Westfalen: durch dicht besiedelte Gebiete, über marode Straßen und Brücken, begleitet von Hundertschaften der Polizei – und das mit einer hochgefährlichen Ladung. Denn die Brennelemente enthalten angereichertes Uran mit einem ursprünglichen maximalen Anreicherungsgrad an Uran-235 von 93 % und Plutonium in Form einer kugelförmigen Matrix aus Graphit. Ursprünglich summierte sich der strahlende Inhalt insgesamt auf maximal 720,7 Kilogramm Uran und maximal 1850 Kilogramm Thorium. Dazu kommen 9,7 Kilogramm Plutonium.
Was geschieht also, wenn eine Brücke absackt oder ein Unfall auftritt? Hinzu kommt das Risiko gezielter Angriffe. Eine Gefahr, die in der heutigen politischen Situation nicht länger nur theoretisch ist. Neben diesen Risiken bringt der Transport gleichzeitig auch keinen Sicherheitsgewinn, im Gegenteil: Das Zwischenlager Ahaus hat die niedrigsten Sicherheitsstandards in Deutschland. Es wurde 1990 fertiggestellt, ist technisch überholt und darf nur bis 2036 betrieben werden. Eine langfristige Lösung? Fehlanzeige. Deshalb kritisieren nicht nur der BUND und zahlreiche Initiativen, Verbände sowie Parteigruppierungen die geplanten Transporte als überflüssig. Auch die Gewerkschaft der Polizei bezeichnete den Aufwand, der mit der enormen Anzahl der Transporte und ihrer hochgefährlichen Fracht verbunden ist, als "unverhältnismäßig".
Auf der Suche nach Alternativen zum geplanten Abtransport der Brennelemente hatte der BUND deshalb bereits im Juli 2025 Bundesumweltminister Carsten Schneider zu einem Vor-Ort-Termin nach NRW eingeladen. Noch vor der Entscheidung über diese Transporte wollte der Verband ihm mögliche Wege aufzeigen, wie eine sichere Lagerung in Jülich ermöglicht werden kann. Zu einem solchen Treffen ist es jedoch nie gekommen. Stattdessen erteilte das BASE am 25. August die Beförderungsgenehmigung – mit Anordnung der sofortigen Vollziehung.
Der BUND reicht Klage ein
Woher diese Eile kommt, nachdem der angeblich so dringlich zu beseitigende Rechtszustand seit zwölf Jahren untätig hingenommen wurde, ist für den BUND allerdings nicht ersichtlich. Der Verband legte direkt am 26. August Widerspruch gegen die Transportgenehmigung ein. Mit dem Widerspruch wurde auch Akteneinsicht in die vom Transportunternehmen Orano NCS GmbH eingereichten sicherheitstechnischen Unterlagen und die der Genehmigung zugrunde liegenden Verwaltungsvorgänge verlangt. Dazu beantragte der BUND, die Vollziehung der Beförderungsgenehmigung auszusetzen. Doch die Bemühungen blieben ohne Erfolg: Das BASE lehnte den Antrag ab.
Deshalb folgte kurzerhand ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht Berlin gegen die Genehmigung für die Castortransporte. Damit wollte der BUND erreichen, dass die aufschiebende Wirkung seines ersten Widerspruchs gegen den Beförderungsgenehmigungsbescheid wiederhergestellt wird. Und tatsächlich konnte der Verband so verhindern, dass die Castortransporte schon im November rollen. Entgegen der Argumentation des BASE, welches auf das überwiegende öffentliche Interesse sowie das private Interesse der Genehmigungsinhaberin, auf einen komplexen Planungsprozess der Transporte und die erheblichen finanziellen Aufwendungen der öffentlichen Hand verweist, beharrt der BUND darauf, dass entscheidende Sicherheitsaspekte fehlen. Und damit ist der Verband nicht allein: Denn auch die Gewerkschaften der Polizei in NRW fordern ein ganzheitlich abgestimmtes Strahlenschutzkonzept. Bis zur Klärung der Sicherheitsfrage im Hauptsacheverfahren müsse deshalb die Genehmigung außer Vollzug gesetzt werden.
Castortransporte vorerst gestoppt
Das Verwaltungsgericht Berlin hat dem BASE mitgeteilt, dass es davon ausgehe, dass eine Durchführung des Transports nicht vor der erbetenen Stellungnahme und Aktenübersendung erfolgt und dem Gericht vorab angekündigt wird. Mittlerweile liegen dem BUND
22 000 Seiten Verfahrensunterlagen vor. Die vielen Schwärzungen darin erschweren eine umfangreiche Stellungnahme jedoch erheblich. Nichtsdestotrotz versucht der BUND immer noch, die Transporte gerichtlich zu stoppen, und hat dafür am 18. November eine vorläufige Begründung des Eilantrags eingereicht. Um aber alle wesentlichen Punkte prüfen und bewerten zu können, hat der Verband noch einen weiteren Antrag gestellt: Darin fordert er, die Schwärzungen der von der Genehmigung umfassten Beförderungsstrecken auf ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen und die im Ergebnis dessen freizugebenden Unterlagen zur Einsichtnahme zu erhalten.
Doch damit nicht genug: Der BUND hat auch eine Zwischenverfügung beantragt, damit dem Genehmigungsinhaber auferlegt wird, nicht mit dem Transport zu starten, ehe das Gericht entschieden hat. Orano hat inzwischen gegenüber dem VG Berlin erklärt, keinen Transport von bestrahlten Brennelementen "vor einer Entscheidung der erkennenden Kammer im Dezember durchzuführen". Gleichzeitig weist Orano aber auch darauf hin, dass sich die Beigeladene "vorbereitende Transporte der unbeladenen Schwerlastfahrzeuge je nach weiterem Verlauf der Terminabstimmungen mit den Sicherheitsbehörden" vorbehält. Ein Zuwarten über den Dezember hinaus könne angesichts der Befristung der Genehmigung und des öffentlichen Interesses an der Räumung des Bestandslagers der JEN in Jülich nicht zeitlich unbegrenzt zugesagt werden, wie das Transportunternehmen mitteilt. Orano kommt damit nicht der Bitte des Verwaltungsgerichts nach, klar zu bestätigen, dass vor einer endgültigen Gerichtsentscheidung – den Zeitraum für ggf. eingelegte Rechtsmittel inbegriffen – kein Transport stattfinden wird.
Für den BUND steht weiterhin fest: Es gibt keinen Grund für den Sofortvollzug. Stattdessen braucht es sichere, moderne Zwischenlager vor Ort. Eine Forderung, die der BUND auch im Rahmen von Demonstrationen deutlich macht. Allein im Oktober mobilisierte der Verband mit 40 weiteren Initiativen, Verbänden und Parteigruppierungen über 500 Menschen. Gemeinsam zogen sie unter lautem Trommeln und Pfeifen in Ahaus vom Rathaus bis zur möglichen Transport-Route für die Castoren.
Und auch im Dezember wird wieder demonstriert: Am 14. Dezember, 14 Uhr, wird es am Zwischenlager in Ahaus einen großen Sonntagsspaziergang der Anti-Atom-Bewegung geben.
Auf der Demonstration in Ahaus setzte der BUND ein deutliches Zeichen gegen die Castortransporte.
Aktuelles
- Tschernobyl mahnt: Proteste in Jülich und Ahaus gegen Atommülltransporte
- Atombericht der NRW-Landesregierung: „Keine Zukunftsperspektiven aufgezeigt“
- Energie- und Wärmestrategie NRW
- Unnötige Atomtransporte - für ein Zwischenlager in Jülich
- RWE startet Genehmigungsverfahren für Gaskraftwerk am Standort Weisweiler