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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Urananreicherungsanlage Gronau stilllegen

BUND-Protest an der UAA Gronau. © D. Jansen

In Gronau im Kreis Borken befindet sich die einzige Urananreicherungsanlage (UAA) Deutschlands. Mittels Gaszentrifugenverfahren wird dort Uranhexafluorid angereichert, aus dem Brennelemente für Atomkraftwerke hergestellt werden. Die UAA Gronau wird von der Urenco Deutschland GmbH betrieben und ist seit 1985 in Betrieb. Im Jahr 2005 genehmigte die nordrhein-westfälische Landesregierung den Ausbau der Anlage, wodurch die jährliche Uran-Verarbeitungskapazität ab Ende 2012 mehr als verdoppelt wird. Allein die Kapazitäten der neu gebauten Anlagenteile reichen aus, um 21 große Atomkraftwerke permanent mit angereichertem Uran zu versorgen. Der An- und Abtransport des Urans erfolgt mittels Bahn oder LKW, wobei 97 Prozent des in Gronau angereicherten Atommaterials ins Ausland gehen. Auch bei der Zwischenlagerung nuklearen Altmaterials nimmt die UAA Gronau eine bedeutende Stellung ein, da abgereichertes Material bis auf weiteres auf dem Betriebsgelände verbleibt. Allein für die Lagerung von Uranoxid soll ab 2014 eine Lagerkapazität von 60.000 Tonnen zur Verfügung stehen. Als wichtiger Bestandteil des Kernbrennstoffkreislaufs ist die UAA Gronau somit ein Sinnbild für das "Atomland" NRW.

Bereits mehrfach kam es in der Gronauer Anlage zu Zwischenfällen. Erst im Juni 2011 machte die UAA Negativschlagzeilen, als ein Behälter mit angereichertem Uran von einem Gabelstapler fiel. Der bislang schwerwiegendste Vorfall ereignete sich im Januar 2010, als ein Mitarbeiter bei Arbeiten an einem Uranbehälter mit Uranhexafluorid kontaminiert wurde und zur Beobachtung in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Zugleich wurden bei dem Vorfall geringe Mengen des radioaktiven Stoffs in die Umgebung freigesetzt. Insgesamt sind 20 meldepflichtige Ereignisse seit der Inbetriebnahme der UAA Gronau im Jahr 1985 zu verzeichnen.

Das Beispiel Gronau zeigt, dass auch in NRW weiterhin gravierende und ungelöste Atomprobleme existieren. Der BUND sowie zahlreiche andere Verbände und Initiativen fordern deshalb die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, der UAA Gronau die Betriebsgenehmigung zu entziehen. Die Stilllegung dieser Anlage, die den Anfang des fatalen Kernenergiekreislaufs bildet, stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg in eine atom-energiefreie Zukunft dar und ist im Sinne eines zügigen Atomausstiegs zwingend geboten. Nach wie vor kann die Atomindustrie auf eine veritable Infrastruktur an kerntechnischen Anlagen in NRW zurückgreifen, sodass die Landesregierung in Düsseldorf über wichtige Handlungsoptionen zur Beschleunigung des Atomausstiegs verfügt.

Im rot-grünen Koalitionsvertrag heißt es dazu: "Die Landesregierung wird prüfen, inwieweit Genehmigungen für die Urananreicherungsanlage Gronau und für die Konditionierungsanlage GNS in Duisburg als Teil der atomaren Brennstoffkette zurückgenommen oder eingeschränkt werden können. Darüber hinaus wird die Landesregierung notwendige Konsequenzen aus dem Unfall in der UAA Gronau im Januar 2010 ziehen. Eine mögliche Erweiterung beider Anlagen wird abgelehnt." Nach Ansicht des BUND liegen die Voraussetzungen für den Entzug der Betriebsgenehmigung vor.

Unterstützung erhalten die Forderungen des BUND auch aus dem nordrhein-westfälischen Landtag. In einem Rechtsgutachten kommt der Abgeordnete Hans Christian Markert zu dem Ergebnis, dass die notwendigen Voraussetzungen für eine Aufhebung der Betriebsgenehmigung des UAA Gronau durch das Land NRW gegeben sind. Markert weist in diesem Zusammenhang unter anderem darauf hin, dass die UAA Gronau nicht hinreichend gegen Sicherheitsrisiken wie beispielsweise Terrorangriffe geschützt werden könne. Aufgrund des Skandals um die Lagerung von Urenco-Atommüll in maroden russischen Anlagen sei zudem von einem mangelnden Verantwortungsbewusstsein und einer unzureichenden Zuverlässigkeit der Betreibergesellschaft auszugehen, sodass zwei genehmigungsrechtlich relevante Normen des Atomgesetzes verletzt würden. 

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