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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Atomland NRW

Auch wenn in NRW schon lange kein Atomkraftwerk mehr läuft, unser Land bleibt wichtiger Standort der Atomindustrie.

Auch wenn die Atomkraftwerke Würgassen und Hamm-Uentrop schon vor mehr als zehn Jahren abgeschaltet wurden - Nordrhein-Westfalen ist nach wie vor "Atomland".

Mit dem Brennelemente-Zwischenlager Ahaus, der Urananreicherungsanlage Gronau und der GNS Atommüll-Konditionierungsanlage in Duisburg Wanheim sind wichtige Betriebe der Atomwirtschaft in NRW beheimatet.

Und der Versuchsreaktor Jülich wird uns als strahlende Altlast wohl noch lange gefährden.

Einzig der "Schnelle Brüter" in Kalkar ging nie in Betrieb und erfreut sich heute einer Nutzung als Freizeitpark.

Atomanlagen in NRW

UAA Gronau. © D. Jansen

Urananreicherungsanlage Gronau

In Gronau steht die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage. Mittels Gaszentrifugenverfahren wird dort Uranhexafluorid zur Verwendung in Atomkraftwerken angereichert. Die Anlage wird von der Urenco Deutschland GmbH betrieben. Sie ist seit 1985 in Betrieb, im Jahr 2005 genehmigte die nordrhein-westfälische Landesregierung den Ausbau auf die mehr als doppelte Kapazität.

Vor der Erweiterung hatte die UAA eine Kapazität von 1.800 Tonnen "Urantrennarbeit" und konnte damit 14 Atomkraftwerke mit Brennstoff versorgen. SPD-Energieminister Axel Horstmann setzte 2005 eine Jahreskapazität von 4.500 Tonnen durch, das entspricht der Verarbeitung von etwa 7.000 Tonnen Natururan. 2012 soll die erweiterte Anlage voll einsatzfähig sein. Seit Jahren sorgt die UAA durch Störfälle für Aufsehen. mehr

 

 

Zwischenlager Ahaus. ©Stahlkocher/CC BY-SA 3.0

Zwischenlager Ahaus

1984 begann der Bau des Brennelemente-Zwischenlagers Ahaus (BZA), 1992 ging es in Betrieb. Das zentrale Gebäude auf dem Zwischenlagergelände ist die 196 m lange, 38 m breite und 20 m hohe Lagerhalle, in dem die Transportbehälter aufbewahrt werden. Zur Zeit lagern dort 323 Castor-Behälter, unter anderem aus dem stillgelegten Atomkraftwerk in Hamm-Uentrop. Zuletzt kamen im Jahr 2005 drei Castor-Transporte aus dem sächsischen Rossendorf in Ahaus an. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens beim Bundesamt für Strahlenschutz soll geprüft werden, ob die zurzeit im Forschungszentrum Jülich lagernden 152 Behälter vom Typ CASTOR® THTR/AVR künftig auch im Zwischenlager Ahaus aufbewahrt werden können.

AnwohnerInnen und Umweltschützer protestieren seit dem Planungsbeginn vor fast 30 Jahren gegen das Zwischenlager.

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Schneller Brüter 2004. © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Schneller Brüter Kalkar

In den 70er-Jahren entstand im niederrheinischen Kalkar ein Prestigeprojekt der Atomwirtschaft, der Schnelle Brüter. Er sollte nicht nur Strom erzeugen, sondern auch zusätzliches Brennmaterial erbrüten. Die Nettoleistung sollte 1380 MWel. betragen. Bereits 1977 demonstrierten Zehntausende gegen das Vorhaben, doch am Brüter wurde weiter gebaut. 1991 ereilte den Brüter das endgültige Aus, ohne dass er jemals in Betrieb war. Durch die gewaltigen Kosten beim Bau und der anschließenden Bereithaltung für einen eventuellen späteren Betrieb wurde das Kraftwerk eine der größten Investitionsruinen Deutschlands - 3,6 Milliarden Euro wurden dort "versenkt". Heute befindet sich auf dem Gelände mit dem "Wunderland Kalkar" ein Freizeitpa

 

 

 

 

Rückbau des AKWs Würgassen 2001. © Puschel62/CC BY-SA 3.0

AKW Würgassen

Das Atomkraftwerk Würgassen in Beverungen (Kreis Höxter) war ein Siedewasserreaktor der ersten Generation mit einer elektrischen Nettoleistung von 640 MW. 1971 ging es als das erste rein kommerziell genutzte Atomkraftwerk hierzulande in Betrieb. Nachdem 1993 erstmals  60 mm lange Haarrisse in einem Stahlzylinder am Reaktorkern festgestellt wurden, wurde das AKW im August 1994 wegen erheblicher Sicherheitsmängel abgeschaltet und am 14. April 1997 endgültig stillgelegt. Bis Ende 2014 wurde das AKW für mehr als eine Milliarde Euro rückgebaut, entkernt und von radioaktiver Strahlung befreit. Von 455.000 Tonnen Rückbaumasse fielen etwa 5.000 Tonnen radioaktiver Abfall an. Ein Abriss der verbliebenen Gebäude ist noch nicht möglich, weil sich auf dem Gelände ein Zwischenlager für den schwach- und mittelradioaktiven Abfall befindet.

 

 

Trockenkühlturm des THTR-300 (1991 abgerissen). © Rainer Knäpper, Free Art License

Thorium-Hochtemperaturreaktor Hamm-Uentrop

Die Arbeiten an dem Thorium-Hochtemperaturreaktor in Hamm/Uentrop begannen 1970. Erst 1983 startete dann der Probebetrieb. Abermals fünf Jahre später wurde die Anlage jedoch wegen zahlreicher Pannen abgeschaltet und 1989 endgültig stillgelegt. Der Kühlturm wurde abgerissen, die Brennelemente wurden ins Zwischenlager Ahaus transportiert. Der Reaktor selbst kann erst abgerissen werden, wenn die Radioaktivität abgeklungen ist, frühestens in 20 Jahren.

Bis 1985 als die vorläufige Betriebsgenehmigung erteilt wurde, hatte der Bau des THTR anstatt der geplanten 0,69 Milliarden DM Baukosten etwa 4 Milliarden DM verschlungen und ein Ende dieser Verschwendung von Steuergeldern ist bis heute nicht in Sicht.

Die Kosten für den Erhaltungsbetrieb und den "sicheren Einschluss" des THTR belaufen sich auf 5,1 Millionen Euro jährlich, die zu je 50% von Bund und Land getragen werden. Weitere 0,5 Millionen EUR Endlagervorausleistungen jährlich teilen sich zu je einem Drittel Bund, Land NRW und die Betreibergesellschaft HKG.

Die Finanzierung der Phase seit Stilllegungsbeschluss im September 1989 bis Ende 2004 umfasst in Summe 391,8 Mio EUR die sich auf den Bund mit 112,1 Mio EUR das Land NRW mit 131,0 Mio EUR und die Gesellschafter der HKG mit 148,7 Mio EUR aufteilen.

 

 

 

AVR Jülich. © BUND-Archiv.

Versuchsreaktor Jülich

Im Forschungszentrum Jülich stehen seit 20 Jahren drei still gelegte Forschungsreaktoren. 1962 liefen in den Forschungsreaktoren "Merlin" und "Dido" die ersten sich selbst erhaltenden Kettenreaktionen ab. Wenig später kam ein dritter Versuchsreaktor, ein Hochtemperaturreaktor, hinzu. Zwei der drei Reaktoren wurden in den 80er Jahren abgeschaltet, die Abschaltung von "Dido" erfolgte am 2. Mai 2006. Einer der Versuchsreaktoren hat sich dabei als besonders brisant und gefährlich erwiesen. Im Rahmen des "bestimmungsgemäßen Betriebs" traten wegen systemimmanenter Mängel starke radioaktive Kontaminationen auf.

Die Brennelemente Brennelemente des AVR-Reaktors (Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH) werden vor Ort in Transport- und Lagerbehältern vom Typ CASTOR® THTR/AVR gelagert. Die Genehmigung für die Lagerung der Brennelemente aus dem AVR-Reaktor in Jülich ist bis Mitte 2013 befristet. Weil bis 2013 kein annahmebereites Endlager für bestrahlte Brennelemente seitens des Bundes zur Verfügung stehen wird, soll die Zwischenlagerung der AVR-Brennelemente durch das Forschungszentrum und seine Gesellschafter, den Bund und das Land Nordrhein-Westfalen, neu geregelt werden. Im Oktober 2009 haben daher die GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS) und die Brennelement-Zwischenlager Ahaus GmbH (BZA) auf Veranlassung des Forschungszentrums Jülich einen Antrag auf Änderung der bestehenden Aufbewahrungsgenehmigung für das Zwischenlager Ahaus gestellt. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens beim Bundesamt für Strahlenschutz soll geprüft werden, ob die zurzeit im Forschungszentrum Jülich lagernden Castoren künftig auch im Zwischenlager Ahaus aufbewahrt werden können.

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Die GNS in Duisburg. © D. Jansen

GNS-Konditionierungsanlage Duisburg

Aus der 1974 gegründeten Gesellschaft für Nukleartransporte wurde 1977 die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS). Zu den Aufgabenfeldern des Unternehmens gehören Abfall-Service-Leistungen für Atomkraftwerke, Wartung, Reparatur und Stilllegung kerntechnischer Anlagen, Brennstoffentsorgung sowie der Betrieb von Zwischenlagern für radioaktive Abfälle.

In der Betriebsstätte in Duisburg-Wanheim  - einem von vielen Standorten wie beispielsweise Essen, Jülich, Mülheim oder Ahaus – betreibt die GNS eine Konditionierungsanlage. Dort werden radioaktiv kontaminierte Stoffe gereinigt und für das Zwischenlager in Gorleben und ­auch Ahaus aufbereitet, d.h. lagerfähig verpresst. Die GNS nutzt u. a. auch so genannte Mosaik II-Behälter, in die hochverstrahlter Atommüll aus dem Core der Reaktorkerne verpackt wird. Inzwischen wurde auch bekannt, dass in Duisburg Anfang 2009 indischer Atomschrott für "ein halbes Jahr" eingelagert wurde. Zudem darf die GNS ihren verpressten Atommüll auf dem Werksgelände laut Rheinischer Post für "zwei bis vier Jahre" zwischenlagern. Zahlreiche Atomtransporte rollen wegen der GNS nach und von Duisburg - mitten durch dicht bewohntes Gelände. Nach Protesten von BUND und BIs kündigte die GNS Ende 2013 an, den Standort aufgeben zu wollen. Dies soll bis 2019 geschehen.

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