BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Gefahr durch Hochwasser am Rhein und den Nebenflüssen: Politik muss Umsteuern

04. Februar 2021 | Flüsse & Gewässer, Landesplanung, Wasser

Anhaltende Niederschläge und die Schneeschmelze ließen den Wasserpegel am Rhein und seinen Nebenflüssen steigen. Hochwasser ist ein natürliches Ereignis, aber es wird durch Menschen gemachte Probleme weiter verschärft. Der BUND fordert ein Umsteuern.

4. Februar 2021 Rheinhochwasser in Düsseldorf. [Foto: Dirk Jansen]

Neben dem Klimawandel sind die zunehmende Versiegelung der Landschaft, eine verfehlte Forst- und Landwirtschaftspolitik sowie die Naturferne unserer Fließgewässer ursächlich für die Überflutungen. Auch sind in den letzten zwanzig Jahren bei der Reaktivierung von natürlichen Überflutungsarealen nur geringe Fortschritte erzielt worden. Der BUND kämpft deshalb, wo immer möglich, für die Revitalisierung der Auen. Aktuelles Beispiel ist der Himmelgeister Rheinbogen in Düsseldorf. Aber auch in anderen Bereichen läuft einiges schief.

Es erscheint paradox:Während der Dürremonitor des Helmholzzentrums noch immer für weite Landesteile extreme Trockenheit im Unterboden anzeigt, rauschen gerade mehrere Hochwässer die Nebenflüsse in den Rhein hinab. Regenwasser wird hier abgeleitet, welches die Städte, Siedlungen und die Landschaft zu schnell verlässt und uns und der Natur im Sommer als Wasservorrat im Boden fehlt.

Ursachen für den schnellen Wasserabfluss sind auch durch schwere Maschinen und Humusabbau verdichtete und zerstörte Böden in der Landwirtschaft sowie Kahlschläge im Forst mit Rückegassen, die das Niederschlagswasser wie Drainageleitungen effektiv aus dem Wald abführen.

In den Siedlungen wird Dachwasser noch immer fast vollständig gesammelt und in Kläranlagen oder Fließgewässer abgeleitet und eben nicht direkt auf dem Grundstück oder im Quartier versickert. Das führt z.B. auch zu Überlastungen der Kläranlagen, die Ihr Schmutzwasser dann ungeklärt in die Fließewässer „abschlagen“.

Zu viele Flächen werden nur der Ordnung wegen versiegelt, so dass dort ebenfalls kein Regen in den Boden eindringen kann.

Der BUND fordert daher die Politik auf, angesichts des laufenden Klimawandels endlich umzusteuern und zu einer behutsamen und vorsorgenden Denk- und Wirtschaftsweise zurückzufinden:

  • Ein Maßnahmenprogramm zum Wasserrückhalt in der Landschaft fehlt vollständig. Entwässerungsgräben und Drainagen werden eher instandgesetzt, um den Abfluss zu beschleunigen, anstatt einen stärkeren Rückhalt auf der Fläche planerisch vorzubereiten. Denkbar sind z.B. kleinere Schläge bei der Bewirtschaftung, die Reduktion der Folienlandwirtschaft und die Anlage zusätzlicher Stillgewässer in der Landschaft. Gezielte Vernässungskonzepte sind noch immer die Ausnahme.
  • Kahlschläge werden auch in der Forstwirtschaft negativ bewertet. Anstatt alternative Konzepte der Bewirtschaftung ohne Vollflächenräumung und schwere Maschinen durchzusetzen, gibt es aktuell aber mehr Kahlschläge als je zuvor und werden immer größere Maschinen verwendet. Der Wald trocknet mehr und mehr aus und die Forstwirtschaft beschleunigt diesen Prozess, wenn sie mit Kahlschlägen darauf reagiert. 
  • Spurenwege in der Landschaft sind deutlich besser als asphaltierte Wege. Trotzdem werden aktuell immer mehr Feldwege vollflächig asphaltiert und ausgebaut, oft aus reinen Freizeitgründen, anstatt Asphaltwege im großen Stil zu Spurenwegen zurückzubauen.
  • Das Wasserrecht erlaubt es den Kommunen, Versickerungssatzungen zu beschließen und Dachwasser vor Ort zu versickern. Doch dieses Instrument wird viel zu selten genutzt. Breit angelegte Förderprogramme für den Bau von Regenwasserzisternen für die Gartenbewässerung lassen auf sich warten. Die Aufgabe, kein Regenwasser mehr in den Schmutzwasserkanal oder Fließgewässer abzugeben, ist noch nicht einmal als politisches Ziel formuliert. 
  • Anstatt noch bestehende Baulücken für quartiersbezogene Versickerungsflächen und neue Stadtbäume, die wirksame Stadtklimaanlagen sind, zu nutzen, werden diese mit zusätzlichen Gebäuden „nachverdichtet“. Diese Flächen fehlen dann beim Umbau hin zu einer klimagerechten Stadt, der „Schwammstadt“.
  • Dachwasser kann durch Dachbegrünungen zurückgehalten werden. Trotzdem sind Dachbegrünungen noch immer kein verbindlicher Grundstandard bei Neubauvorhaben und für den Gebäudealtbestand fehlt der politischer Mut für mehr Dachbegrünungen völlig.

Diese Maßnahmen richten sich vor allem an die Kommunen. Aber auch die Landesregierung ist in der Pflicht. Anstatt das Landeswassergesetz auszuhöhlen und die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu verzögern, brauchen wir dringend eine vorsorgende Gewässerschutzpolitik. Auch muss die Landesregierung den Flächenfraß stoppen. Dazu bedarf es der Wiedereinführung der Flächensparziele im Landesentwicklungsplan.

 

 

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