Vorhandene Flächen müssen gerecht verteilt werden

30. September 2025 | Lebensräume, Mobilität

Fahrrad- und Umweltverbände appellieren an neue Bürgermeister*innen in NRW

Um die Mobilitätswende in den Städten und Gemeinden auszuweiten, braucht es unter anderem mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer. Fahrrad- und Umweltverbände fordern von den neuen Bürgermeister*innen unter anderem mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer.  (pixabay / pixabay)

Nach den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen rufen Verkehrs- und Umweltverbände die gewählten Bürgermeister*innen dazu auf, die Mobilitätswende in den Städten und Gemeinden auszuweiten, vorhandene Verkehrsflächen gerecht zu verteilen und klimaschädliche Maßnahmen abzubauen. Zu dem Zusammenschluss gehören der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW), der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club NRW (ADFC NRW) und der Naturschutzbund (NABU) NRW.

Annähernd ein Viertel der gesamten Landesfläche Nordrhein-Westfalens sind Siedlungs- und Verkehrsflächen1. Den Großteil der Verkehrsflächen beansprucht in vielen Städten der Autoverkehr, ob als fließender Verkehr, als Stau oder als geparkte Autos. Darüber hinaus ist Autoverkehr durch den CO2-Ausstoß deutlich klimaschädlicher als der Umweltverbund (Radverkehr, Fußverkehr, ÖPNV). Daher braucht es eine Umverteilung der vorhandenen Verkehrsflächen zugunsten des Umweltverbunds. Diese ist eine Voraussetzung zur Transformation hin zu lebenswerteren Städten mit weniger Autolärm, saubererer Luft und mehr Raum für Begegnung.

„Die umweltgerechte und klimawandelangepasste Stadt von morgen entscheidet sich mit den neuen Menschen in den Stadtspitzen. Ein Ende der Neuversiegelung und Raum für Fußgänger und Radfahrer auf bisherigen Autostellflächen sind die Stellschrauben, an welchen jetzt gedreht werden muss", sagt Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW. 

„Die Kommunen sind entscheidend, wenn es um eine nachhaltige Verkehrspolitik geht“, betont die Landesvorsitzende Susanne Niemann vom Fahrradclub ADFC NRW. „Jetzt liegt es an den Bürgermeister*innen, mit klaren Entscheidungen und sichtbaren Projekten zu beweisen, dass Kommunen klimaverträglich, sicher und gerecht gestaltet werden können.“

„Wer heute noch jeden freien Quadratmeter dem Auto opfert, verspielt die Zukunft unserer Städte“, warnt Lukas Stemper, Stv. Vorsitzender des NABU NRW. „Es liegt jetzt in den Händen der Bürgermeister*innen, ob unsere Städte weiter auf heiße Blechflächen oder auf kühlendes Stadtgrün setzen. Wer den Mut zur Umverteilung hat, schafft mehr Lebensqualität, mehr Klimaschutz – und mehr Platz fürs Miteinander.“

Mehr Platz für den Umweltverbund
Für diesen Wandel müssen Kommunen Mobilität als Teil der Daseinsvorsorge verstehen. Wichtig ist, einen attraktiven Umweltverbund zu schaffen, langfristig finanziell zu sichern und multimodale Mobilität zu fördern. Der Umweltverbund muss bei der Aufteilung der vorhandenen Verkehrsflächen priorisiert werden und auf gestiegene Bedarfe beispielsweise im Radverkehr abgestimmt werden. Mobilitätsstationen (z.B. Bahnhöfe mit Bike+Ride, Carsharing, E-Scooter und ÖPNV) erleichtern den direkten Umstieg und erweitern den Einzugsbereich von Haltestellen. Schlüsselfaktoren sind eine gute Ausschilderung, barrierefreie Wege und sichere Abstellmöglichkeiten.

Mehr Ruhe, Erholung und Miteinander 
Vielfältige Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung – etwa Tempo-30-Zonen, Durchfahrtsbeschränkungen, kleine Plätze mit Sitzgelegenheiten oder bauliche Aufwertungen – führen zu sichereren Straßen, geringeren Unfallzahlen, geringerer Lärmbelastung und einer attraktiveren öffentlichen Umgebung. Auch muss sich die Infrastruktur stärker an den Bedürfnissen der aktiven Mobilität orientieren. Breitere Gehwege sorgen für mehr Sicherheit und schaffen Aufenthaltsqualität. Innerhalb verkehrsberuhigter Quartiere entstehen schneller Nachbarschaftskontakte und gerade für Familien mit Kindern und ältere Menschen erhöht sich dadurch die Möglichkeit zur Teilhabe am städtischen Leben.

Mehr Platz für Stadtgrün 
Die Klimafolgenanpassung stellt die dichtbesiedelten Städte und Regionen NRWs vor besondere Herausforderungen. Durch systematische Flächenentsiegelung, die Ausweitung urbaner Grünflächen und die Anwendung des Schwammstadt-Prinzips können Städte nicht nur resilienter gegenüber den zunehmenden Folgen der Klimakrise, sondern auch allgemein attraktiver und lebenswerter werden.

Oberirdische Stellplätze versiegeln 63,6 Mio. Quadratmeter Fläche in NRW2. Dabei stehen Autos im Schnitt 23 Stunden am Tag unbewegt an einem Ort3. Dieses Potenzial müssen Städte nutzen und den Parkraum intelligent und zukunftsorientiert zu verteilen. Auto-Parkplätze auf Bürgersteigen und am Straßenrand können durch Rückbau in entsiegelte Baumplätze und Grünflächen umgewandelt werden. Das so entstandene Stadtgrün kann Regenwasser besser aufnehmen und Hitzebelastung mindern. 

Rückhalt aus der Zivilgesellschaft 
Die Kommunen in NRW können jetzt entscheidend zur Mobilitätswende in NRW beitragen und dafür haben sie viel Rückhalt aus der Gesellschaft. Ein gutes Beispiel dafür ist das Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende NRW, das sich als breiter Zusammenschluss aus Gewerkschaften, Sozial- und Umweltverbänden, Kirche, und zivilgesellschaftlichen Initiativen für eine sozialverträgliche Mobilitätswende in NRW einsetzt4.

Bürgermeister*innen und Stadtverwaltungen in NRW können auf verschiedene Beratungsangebote und Wissenssammlungen zurückgreifen:


[1]www.umwelt.nrw.de/themen/umwelt/umwelt-und-ressourcenschutz/boden-und-flaechen/flaechenverbrauch
[2]www.it.nrw/sieben-prozent-der-nrw-landesflaeche-sind-flaechen-fuer-verkehr-18075
[3]www.mobilitaet-in-deutschland.de/archive/pdf/MiD2017_Ergebnisbericht.pdf
[4]nrw.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/mobilitaetswende/index.html

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