Untersuchung von Trinkwasser auf Ewigkeits-Chemikalien

03. September 2025 | Chemie, Flüsse & Gewässer, Ressourcen & Technik, Technischer Umweltschutz

NRW-Umweltminister Oliver Krischer nimmt Wasserprobe für bundesweite PFAS-Testaktion des BUND

Trinkwassertest mit NRW-Umweltminister Oliver Krischer heute in Düsseldorf. Mit dabei sind der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht (Mitte) sowie BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen (l.) und BUND-Wasserexperte Paul Kröfges (r.). [Foto: Julia Stratmann] Trinkwassertest mit NRW-Umweltminister Oliver Krischer heute in Düsseldorf. Mit dabei sind der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht (Mitte) sowie BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen (l.) und BUND-Wasserexperte Paul Kröfges (r.). [Foto: Julia Stratmann]

  • Verbot besonders langlebiger Chemikalien notwendig
  • Hersteller stärker in Verantwortung nehmen
  • Landeswasserstrategie als wichtiger Baustein

Mit einem Trinkwassertest in Düsseldorf hat der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute den bundesweiten Trinkwasser-Ressourcen-Test fortgesetzt. NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) nahm dafür zusammen mit dem BUND eine Wasserprobe in der Landeshauptstadt. Diese wird nun auf Ewigkeits-Chemikalien (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS) untersucht. Der BUND fordert, dass diese besonders langlebigen Chemikalien verboten werden.

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND: „Trinkwasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage. Ewigkeits-Chemikalien können nicht natürlich abgebaut werden. Ihre Konzentration im Wasserkreislauf steigt stetig weiter an. Unsere Gesundheit und die Umwelt sind dadurch langfristig gefährdet. Der BUND unterstützt daher den von Deutschland und vier weiteren EU-Staaten vorgelegten Vorschlag für einen geordneten Ausstieg aus der PFAS-Produktion und -Verwendung und begrüßt den vorsorgenden Ansatz der Politik.“PFAS sind Industriechemikalien, die etwa in Pestiziden, Outdoor-Kleidung, Kosmetik, Verpackungen, Löschschäumen und F-Gasen vorkommen. Sie sind wasserlöslich, kaum abbaubar und weltweit verbreitet. Bereits im Jahr 2023 wies der BUND in einer Testaktion in neun von zehn Leitungswasserproben PFAS nach – besonders häufig Trifluoressigsäure (TFA). Dieses ist potenziell fortpflanzungsschädigend und lässt sich mit herkömmlichen Methoden nicht aus dem Wasser entfernen. Zuletzt sorgte die fortdauernde Einleitung von PFAS in den Rhein durch den Chempark Leverkusen für Schlagzeilen. Daher fordert der BUND, endlich strenge Grenzwerte in der  Abwasserverordnung für alle PFAS festzusetzen, so wie dies z.B. in den Niederlanden inzwischen der Fall ist. 

„Die Wiederaufbereitung des Wassers zu Trinkwasserzwecken wird immer aufwendiger und teurer. Nicht wie bisher die Verbraucher*innen, sondern die Industrie soll die Kosten für Reinigung und Sanierung tragen. Wir müssen die Hersteller in die Verantwortung nehmen und das Verursacherprinzip im EU-Chemikalienrecht festschreiben“, so Sticht weiter.Neben PFAS belasten auch Nitrat, Pestizide und andere Industriechemikalien unsere Gewässer. Zum Schutz unserer Trinkwasser-Ressourcen hat der BUND einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt. Darin fordert er gesetzliche Vorgaben für einen sparsameren Umgang mit der wertvollen Ressource. Zudem muss der natürliche Klimaschutz gestärkt werden, um wieder mehr Wasser in der Natur zu speichern. Neben einem Ausstieg aus der PFAS-Produktion und -Verwendung ist es wichtig, den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft deutlich zu reduzieren und wasserschonende Maßnahmen zu fördern. Der BUND hofft, dass die in Erarbeitung befindliche Landeswasserstrategie hierzu die notwendigen Lösungen vorgibt.

Die Testaktion ist Teil eines Projekts des BUND-Bundesverbands, das bundesweit rund 50 Wasserproben mit Politiker*innen nimmt. Die Ergebnisse werden im Herbst 2025 in Form einer PFAS-Karte für Deutschland veröffentlicht. Die Karte macht sichtbar, wie weit verbreitet langlebige Chemikalien bereits in unseren Trinkwasserressourcen sind.Hintergrund PFAS:
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) werden wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten eingesetzt. Diesen technischen Vorteilen stehen außerordentlich gefährlichen Eigenschaften für den Menschen und die Umwelt gegenüber. Allen PFAS ist gemein, dass sie unter natürlichen Bedingungen kaum abgebaut werden und über Jahrhunderte in der Umwelt verbleiben.  Einige PFAS sind nachweislich gesundheitsgefährdend: Sie können unter anderem Organschäden, erhöhte Fehlgeburtenraten und Krebs verursachen. Sie können auch zu Schilddrüsenerkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen führen und die Wirksamkeit von Regelimpfungen mindern. Je mehr PFAS in die Umwelt gelangen, umso stärker können sie sich im menschlichen Körper anreichern. Menschen nehmen die Chemikalien zum Beispiel über Trinkwasser und Nahrung auf.

Neben der Langlebigkeit (Persistenz) ist der Umfang der Stoffgruppe mit inzwischen mehr als 10.000 Einzelverbindungen ein Problem. Die allermeisten PFAS-Verbindungen auf dem Markt sind kaum oder nur unzureichend untersucht.
 

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