Der BUND fordert die Priorisierung von natürlicher Waldentwicklung.
- Förderung von Aufforstungen statt natürlicher Waldentwicklung
- Notwendige Wiedervernässung wird gänzlich ignoriert
- Grundlegendes Umdenken in der Waldpolitik gefordert
Düsseldorf | Der Umweltausschuss des Landtags berät am Mittwoch, 23. September, über eine Novelle des Landesforstgesetzes, das erstmalig in „Landeswaldgesetz“ umbenannt werden soll. Im Hinblick auf den Schutz des Waldes sieht der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) darin jedoch keine Verbesserung – im Gegenteil: Der Verband kritisiert den von der Landesregierung vorgelegten Gesetzesentwurf als Rückschritt bei der Anpassung der Wälder an die Klimaveränderung.
Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND NRW: „Der Entwurf trägt zwar bald den Namen 'Landeswaldgesetz' – doch mit echtem Waldschutz hat er wenig zu tun. Stattdessen schützt er weiterhin vor allem eine Forstwirtschaft, die sich als nicht zukunftsfähig erwiesen hat. Hier betreibt die Landesregierung nicht nur Etikettenschwindel, sondern versagt auch kolossal bei der Bewältigung zentraler Zukunftsaufgaben.“
Waldschutz beginnt bei der Definition
Ein grundlegendes Problem: die Definition eines Waldes. Aus Sicht des BUND braucht es eine Aufweitung auf alle Lebensräume, die es in Waldflächen gibt, darunter Lichtungen, Bachläufe oder Moorflächen. Diese bleiben im Entwurf weiterhin außen vor und damit schlechter geschützt.
Hinzu kommt die geplante Änderung beim Ersatz für Waldverlust. Wird Wald etwa für ein Bauprojekt gerodet, kann der Verlust bislang auch durch natürliche Waldentwicklung an anderer Stelle ausgeglichen werden. Der Gesetzentwurf sieht künftig als Ersatz aber nur noch Aufforstungen vor. Doch mit dem Pflanzen von Bäumen entsteht nicht automatisch ein neues Waldökosystem. Ein künstlich angelegter Forstbestand gleicht vielmehr einer Plantage, die ökologisch deutlich weniger wertvoll ist, Flächen sogar über Jahrzehnte dauerhaft entwertet. Gerade in Zeiten der Biodiversitätskrise ist das aus Sicht des BUND fatal. Der Verband fordert deshalb, die natürliche Waldentwicklung beim Ersatz für Waldverlust künftig zu priorisieren.
Klimaanpassung braucht Wiedervernässung
Besonders scharf kritisiert der BUND, dass der Entwurf die Wiedervernässung entwässerter Waldflächen komplett ausspart. „Wir haben gerade erst wieder einen heißen Sommer mit Waldbränden hinter uns. Nasse Waldböden und naturnah wachsende Wälder machen den Wald widerstandsfähiger gegen Hitze und Hochwasser und senken die Brandgefahr erheblich. Dass der Gesetzentwurf dazu kein Wort verliert, ist eine grandiose Fehlleistung“, sagt Sticht.
Waldpolitik braucht einen Kurswechsel
Spätestens das großflächige Fichtensterben seit 2018 hätte nach Ansicht des BUND zu einem grundlegenden Umdenken führen müssen. Statt auf möglichst intensive forstliche Nutzung müsse die Waldpolitik stärker auf natürliche Waldentwicklung, biologische Vielfalt und Klimaanpassung setzen. Der BUND fordert daher eine umfassende Überarbeitung des Gesetzentwurfs. Konkret fordert der Verband eine gesetzliche Pflicht zur Wiedervernässung in den landeseigenen Wäldern, die Priorisierung von natürlicher Waldentwicklung gegenüber der Anlage von Aufforstungsflächen sowie eine Ausweitung der Walddefinition auf alle streng geschützten Lebensraumtypen.
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