Bis zum 19. April können die Bürger*innen in den 17 betroffenen Kommunen entscheiden: Stimmen sie für oder gegen eine Bewerbung um die Olympischen Spiele?
(Julia Stratmann)
- Bürger*innen sollen ohne Faktenlage entscheiden
- Neuversiegelung in Köln geplant
- Verband fordert Umweltprüfung und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Düsseldorf | In vielen Haushalten der 17 beteiligten Kommunen sind am Wochenende die letzten Unterlagen für den Bürgerentscheid für oder gegen eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 eingetroffen. Aus Sicht des nordrhein-westfälischen Landesverbands des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist eine demokratietaugliche Abstimmung zu Köln/Rhein-Ruhr allein auf der Basis bunter Werbung aber nicht möglich. Es fehlt an belastbaren Informationen über die konkreten Chancen und Risiken dieses Mega-Events.
Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND: „Die Menschen sollen über Olympische Spiele entscheiden, ohne dass wesentliche Fakten bekannt sind. Weder die ökologischen Folgen noch die finanziellen Risiken liegen transparent auf dem Tisch. So entsteht kein Vertrauen. Wer die Olympiade will, muss zuerst ehrlich darlegen, welche Konsequenzen das für Umwelt, Städte und kommunale Haushalte hat.“
Drohender Flächenverbrauch im Freiraum
Auch in ökologischer Hinsicht sieht der BUND erhebliche Defizite. Insbesondere in der als „Leading City“ vorgesehenen Stadt Köln drohe zusätzlicher Flächenverbrauch im Freiraum. Der Verband fordert, sämtliche olympiadebedingten Neubauten – etwa für das olympische Dorf, Sportstätten oder Medienzentren – ausschließlich auf bereits versiegelten Flächen und im bestehenden Siedlungsbereich zu realisieren. Neue Projekte „auf der grünen Wiese“ darf es nicht mehr geben. Deshalb lehnt der BUND die Planungen für die Spiele in Köln ab.
Umweltprüfung ist zwingend erforderlich
Angesichts der Dimension des Mega-Events ist aus Sicht des Verbands außerdem eine umfassende strategische Umweltprüfung zwingend notwendig. Die Auswirkungen von Bau- und Sanierungsmaßnahmen, zusätzlichen Verkehrsströmen sowie den erwarteten Millionen von Besucher*innen müssten systematisch erfasst, bewertet und öffentlich gemacht werden. Nur so kann der Einfluss der Spiele auf die gesamte Region realistisch eingeschätzt werden. „Bislang wird Nachhaltigkeit behauptet, aber nicht belegt. Ohne eine strategische Umweltprüfung fehlt die Grundlage, um negative Folgen überhaupt erkennen und vermeiden zu können“, so Sticht.
Finanzielle Risiken bleiben offen
Gleichzeitig warnt der BUND auch vor erheblichen wirtschaftlichen Risiken. Der französische Rechnungshof hatte die Kosten der letzten olympischen Sommerspiele in Paris auf 6,6, Milliarden EUR beziffert, während die wirtschaftlichen Impulse überschaubar geblieben waren. „Bis heute liegt keine belastbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vor. Es ist völlig unklar, wie die ohnehin angespannten Haushalte der Kommunen die Kosten tragen sollen“, kritisiert Sticht. Weitere Kürzungen bei Klima- und Naturschutz, Kultur und Sozialem könnten die Folge sein. Diese Informationen seien jedoch zentral, damit die Bürger*innen eine fundierte Entscheidung treffen können.