Mindestens 25 Wildkatzen im Siebengebirge nachgewiesen

22. August 2025 | Naturschutz, Naturschutz, Tiere und Pflanzen, Wildkatze, Wälder

BUND-Untersuchung belegt: Im Siebengebirge schleichen mehr Wildkatzen herum als bisher gedacht.

Wildkatze reibt sich am Lockstock und hinterlässt Haare zur genetischen Identifikation. Foto: Helmut Weller.

  • Nachweis von mindestens 21 männlichen und 3 weiblichen Wildkatzen 
  • Hinweis auf weitere Individuen – tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen
  • "Wildkatzenwälder von morgen": Gemeinsames Projekt fördert artenreichen, naturnahen Wald

Die Europäische Wildkatze ist zurück im Siebengebirge – und das offenbar in größerer Zahl als bislang angenommen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung im Rahmen des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ vom nordrhein-westfälischen Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Demnach konnten mindestens 25 Wildkatzen in der Region nachgewiesen werden, darunter 21 Männchen (Kuder), drei Weibchen sowie ein weiteres Tier mit unbekanntem Geschlecht. Das Monitoring erfolgte in enger Kooperation mit den Förster*innen des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft.

Katharina Stenglein, NRW-Projektkoordinatorin des BUND NRW: "Gemeinsam mit dem Regionalforstamt setzten wir mehrere Maßnahmen zum Schutz der Wildkatze im Siebengebirge um. Danach war es uns wichtig, wissenschaftlich zu überprüfen, ob und wie viele Tiere davon profitieren. Das Ergebnis übertrifft unsere Erwartungen, der Lebensraum ist attraktiv für die Wildkatze."

Die genetischen Analysen der an Lockstöcken gesammelten Haarproben zeigen: Die Wildkatze ist im Siebengebirge nicht nur präsent, sondern bildet mit den nachgewiesenen 25 Individuen offenbar eine stabile Population. Die tatsächliche Anzahl könnte sogar noch höher sein. Weitere 14 Proben konnten zwar eindeutig der Wildkatze zugeordnet werden, eine individuelle Zuordnung war jedoch nicht möglich.

Jens Merzbach, Förster im Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft: "Aus Gesprächen mit Kolleginnen und eigenen Beobachtungen wussten wir, dass sich Wildkatzen in unserem Gebiet aufhalten. Es ist nun interessant, wissenschaftlich begleitet etwas über die Dichte zu erfahren, die wir bereits recht hoch vermuteten. Das zeigt: Der strukturreiche, naturnah bewirtschaftete Wald im Siebengebirge bietet ideale Bedingungen für diese heimliche Art."

Anspruchsvoller Lebensraum – großer Naturschutzerfolg

Wildkatzen bevorzugen artenreiche Wälder mit dichtem Unterholz, Totholzstrukturen und ungestörten Rückzugsorten. Das Siebengebirge bringt selbst bereits ideale Voraussetzungen für die Wildkatze mit. Die bewegte Topographie mit vielen Einschnitten, Felsen und Blockschutthalden sorgt für viele Rückzugsmöglichkeiten. Das Forstamt gestaltete gemeinsam mit dem BUND unter anderem Waldränder neu, um Nahrungshabitate für die Wildkatze zu schaffen. Außerdem legten sie Totholzhaufen an, die als Versteckmöglichkeit für die Art dienen. Offene Flächen mit ausreichender Deckung sind ideal für die Mäusejagd und runden den Lebensraum ab.

Die nun nachgewiesene Dichte von etwa einem Individuum pro Quadratkilometer im Untersuchungsgebiet auf den Staatswaldflächen im Siebengebirge ist ein starkes Indiz für die gute Qualität des Lebensraumes. Sie ist zugleich ein klarer Auftrag zum Schutz und zur weiteren Förderung der Wildkatze. 

Einige Ungewissheiten gibt es noch zu klären

Trotz der nun belegten guten Lebensraumqualität des Siebengebirges für Wildkatzen wirft die Untersuchung Fragen auf. Zum einen erstaunt der geringe Anteil an Weibchen. Ohne sie kann sich langfristig keine stabile Population halten. Zum anderen gibt es vier Verdachtsfälle auf mögliche Hybridisierung (Verpaarung) mit Hauskatzen. Diese Proben werden derzeit durch das Senckenberg-Institut genauer analysiert. Die Vermischung mit Hauskatzen stellt eine gewisse Gefahr für Randvorkommen von Wildkatzen dar. Auf Dauer könnte so ein Wildkatzenvorkommen wieder erlöschen. Der BUND hält deswegen die Entwicklung des scheinbar momentan florierenden Wildkatzenvorkommens weiterhin genau im Auge. Zudem ruft er alle Menschen, die freilaufende Hauskatzen halten, dazu auf, diese zu kastrieren. Das ist der beste Schutz, um eine Verpaarung mit Wildkatzen zu vermeiden.

 

Hintergrund:

Das sechsjährige Projekt "Wildkatzenwälder von morgen" wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und in Nordrhein-Westfalen durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr gefördert. Das Projekt setzen der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um. Ziel ist die langfristige Sicherung und Vernetzung geeigneter Wildkatzenlebensräume und die Förderung strukturreicher Wälder, die auch anderen bedrohten Arten zugutekommen. 

Die Europäische Wildkatze ist als Art Nationaler Verantwortlichkeit nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und gilt laut Roter Liste der gefährdeten Arten Deutschlands bundesweit als "gefährdet". In Deutschland ist sie aber im Aufwind. Sie konnte in den letzten Jahrzehnten vielerorts wieder nachgewiesen werden, wo sie lange als ausgestorben galt. Doch noch immer fehlt sie in weiten Regionen Deutschlands und Mitteleuropas. 

Die Chance, selbst eines der Tiere zu sehen, ist allerdings gering, denn Wildkatzen leben sehr zurückgezogen. Ihre Beute sind vor allem Mäuse. Menschen müssen vor den kleinen Katzen keine Angst haben. Im Gegenteil stellt der Mensch eine Gefahr für die Wildkatze dar. Störungen sollten vermieden werden: Wer einen Hund hat, sollte sein Tier im Wald möglichst anleinen und wer spazieren geht, sollte auf den vorgesehenen Wegen bleiben.

Die Wildkatze ist vor allem in der Eifel und im Eggegebirge und dem östlich angrenzenden Bereich zur Weser beheimatet. Vermehrte Meldungen gibt es auch aus den Wäldern des Rothaargebirges, um Arnsberg und Brilon sowie im Siebengebirge und Kottenforst-Ville. Nachweise können mittels Lockstockmethode erbracht werden. Lockstöcke sind Holzpflöcke, welche mit Baldrianlösung besprüht werden. Die Tiere reiben sich am rauen Holz und hinterlassen dabei Haarproben, die abgesammelt werden können. Diese Haare werden genetisch analysiert und die Art und das Geschlecht somit bestimmt.

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