- Prävention statt Reaktion: Herdenschutz ist der nachhaltige Weg im Umgang mit Wolfskonflikten
- Politik braucht Weitblick: NRW setzt mit der Ausweitung des Herdenschutzes ein deutliches politisches Zeichen
- Förderkulisse ist Chance: Land muss nun unbürokratisch und praxisnah unterstützen
Düsseldorf | Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die heute vom Landesumweltministerium veröffentlichte Information, wonach die Herdenschutzförderung im Zusammenhang mit Wolfsübergriffen landesweit gilt: Tierhalter*innen von Schafen, Ziegen und Gehegewild können nun in allen Regionen NRWs finanzielle Unterstützung für wolfsabweisende Schutzmaßnahmen beantragen. Der BUND sieht darin „einen Schritt in die richtige Richtung“. Denn bisher war die Förderung auf bestimmte Förderkulissen begrenzt, die zusammen etwa die Hälfte des Landes umfassten. Der konsequente Schutz von Weidetieren ist jedoch der entscheidende Schlüssel, um das Zusammenleben von Mensch und Wolf langfristig konfliktarm zu gestalten.
Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND: „Dass das Land NRW nun den flächendeckenden Herdenschutz fördert, ist ein gutes Signal. Es zeigt, dass nachhaltiger Artenschutz nur mit präventiven Lösungen gelingt und nicht mit populistischen Abschussforderungen. Der Abschuss von Wölfen ist reine Symptombekämpfung und löst keine strukturellen Probleme.“Ab sofort werden investive Herdenschutzmaßnahmen, wie wolfsabweisende Zäune oder Herdenschutzhunde, zu 100 Prozent in der Anschaffung finanziert. Auch Entschädigungen für Wolfsrisse an Haus- und Nutztieren werden weiterhin landesweit garantiert. Eine wichtige Neuerung: Innerhalb eines Jahres wird ein Grundschutz Voraussetzung für Entschädigungszahlungen sein.
Der BUND hatte sich bereits in der Vergangenheit für eine großzügige Ausweitung der Förderkulissen ausgesprochen. In der Praxis hatte sich gezeigt, dass viele Tierhalter*innen in Regionen ohne offizielle Wolfsgebiet-Ausweisung keine staatliche Unterstützung für Herdenschutzmaßnahmen beantragen konnten; ein Zustand, der nun behoben wird.Förderrichtlinie muss überarbeitet werden
Die flächendeckende Förderkulisse ist auch ein Signal für einen dringend notwendigen Kurswechsel in der politischen Debatte: Weg von symbolischen Schnellschüssen hin zu konkreten, wirksamen Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren. Zwar ist die Forderung nach Wolfsabschüssen nach wie vor Teil des politischen Diskurses, doch die landesweite Förderung zeigt, dass der Weg über den Herdenschutz hoffentlich zunehmend als zielführender und nachhaltiger erkannt wird.
„Die Diskussion um Abschüsse bleibt präsent, doch sie greift zu kurz“, betont Sticht. „Nur wer bei den Ursachen ansetzt, wird langfristig tragfähige Lösungen finden und schafft so Vertrauen, Sicherheit und Akzeptanz. Herdenschutz ist kein Nebenschauplatz, sondern der Schlüssel für ein konfliktarmes Miteinander mit dem Wolf. Daher ist es unbedingt notwendig, dass die Förderrichtlinie inhaltlich überarbeitet wird, um so auch laufende Kosten, die durch Mehraufwand entstehen, übernehmen zu können.“
Jetzt käme es darauf an, dass NRW diesen Wandel solide fortsetzt: Die Förderkulisse müsse unbürokratisch und praxisnah umgesetzt werden, damit die Unterstützung konkret bei den Tierhalter*innen ankommt.