Für die Adler sind ungestörte Nahrungs- und Brutgebiete unverzichtbar.
(Langhoff)
- Seeadler-Population entwickelt sich entgegen des Biodiversitätsschwund positiv
- Seltene Dreierbrut im Ruhrgebiet zeigt Potenzial für weitere Ansiedlungen
- BUND fordert konsequenten Schutz vor Störungen und Entwicklung geeigneter Lebensräume
In diesen Monaten beginnen Seeadler, sich auf die nächste Brutzeit im neuen Jahr vorzubereiten. Und mit Blick auf den Erfolg der vergangenen Brutsaison, erhofft sich der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) weitere Ansiedlungen. Denn 2025 haben erstmals gleich drei Seeadlerpaare in NRW erfolgreich insgesamt sieben Jungvögel großgezogen: zwei Paare am Niederrhein – an der Bislicher Insel bei Xanten (zwei Jungvögel) und drei Junge bei dem Adlerpaar in den Walsumer Rheinauen in Duisburg – sowie ein weiteres Paar mit zwei Jungvögeln im Kreis Lippe. Lediglich das vierte Adlerpaar brach die Brut ab.
Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND: "Die Besiedlung des Seeadlers von Nordrhein-Westfalen ist eine echte Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Sie zeigt, dass mit den richtigen Entscheidungen der Biodiversitätsschwund nach wie vor aufgehalten und eine Trendumkehr bewirkt werden könnte. Akribisch und mit hohem Aufwand haben Expert*innen des BUND Landesarbeitskreises Seeadler Daten zu den ersten Vögeln und Revierbesetzungen erhoben und zusammengetragen, auf diese Weise die Grundlage dafür geschaffen, dass geeignete Schutzmaßnahmen auf den Weg gebracht werden können. Dennoch gibt es nach wie vor viel zu tun, denn der Seeadler könnte eigentlich noch in vielen anderen Gebieten Nordrhein-Westfalens wieder heimisch werden, wenn wir es ermöglichen."
Ingbert Schwinum, Sprecher des Landesarbeitskreises (LAK) Seeadler NRW beim BUND: "Insbesondere die erfolgreich verlaufene Brut in Walsum, einem Vorort von Duisburg, inmitten des Ruhrgebietes, ist schon eine kleine Sensation. Erst recht, dass dort bei diesem vergleichsweise jungen Adlerpaar gleich drei Jungvögel ausgeflogen sind, hat uns positiv überrascht." Solche Dreierbruten sind bei Seeadlern nämlich eher selten. Der Niststandort liegt in einem unzugänglichen und abgesperrten Naturschutzgebiet, das ganzjährig nicht betreten werden darf. Der Horst selbst in einer alten Pappel ist aber von einer kleinen Straße aus sehr gut einsehbar, ohne die Adler zu stören. Das sprach sich schnell herum, und so konnten von Februar bis Juli zahlreiche Interessierte die Seeadler bei der Brut und Aufzucht der Jungen beobachten und fotografieren.
An der Bislicher Insel, dem ersten Brutplatz des Seeadlers in NRW überhaupt, der seit 2017 besetzt ist, baute das dortige Adlerpaar im Herbst 2024 einen neuen Horst in einer Pappel, der ebenfalls von offiziellen Wegen aus gut sichtbar ist. Ein weiteres Paar im Kreis Lippe hatte bereits im vergangenen Jahr erfolgreich gebrütet, und auch 2025 flogen dort wieder zwei Jungvögel aus.
Artenschutz beginnt mit Rücksicht
Für die Adler im dicht besiedelten NRW sind ungestörte Nahrungs- und Brutgebiete unverzichtbar. Unter dem Dach des BUND setzt sich der LAK dafür ein, dass der Seeadler als ein unverzichtbarer Teil unserer Natur und wichtiger, nützlicher Beutegreifer nicht nur wahrgenommen, sondern auch besser geschützt wird. Denn leider gibt es immer noch Menschen, die die Adler stören, vertreiben oder gar töten. Deshalb bemühen sich die Expert*innen mit der Beratung der zuständigen Behörden darum, einvernehmliche Regelungen mit allen Beteiligten wie zum Beispiel den Grundstückseigentümer*innen und Landnutzenden zu finden, um die äußerst sensiblen Horstbereiche der Seeadler nicht zu gefährden. Denn jeder kann durch eigene Rücksichtnahme einen Beitrag zum Schutz und für die weitere Ausbreitung des Seeadlers in NRW leisten.
Hintergrund
Im Sommer 2024 gründeten Mareike Büdding vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V., der Naturfreund und -fotograf Christian Falk, der Experte Michael Jöbges von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), Robert Lücke, Herausgeber des Naturgucker Magazins und langjähriger Adlerfan, sowie Ingbert Schwinum, seit Jahrzehnten im Vogel- und Artenschutz am Niederrhein aktiv, den Landesarbeitskreis Seeadler NRW beim BUND. Sinn und Zweck der Arbeit des LAK ist es, die Besiedlung NRWs mit dem Seeadler als Brutvogel in allen dafür geeigneten Naturräumen sowie die dauerhafte Sicherung stabiler Brutbestände zu unterstützen.
Mehr Informationen:
- Arbeit des LAK: Seeadler in NRW