Die politische Geschäftsführerin Simone von Kampen und der Landesvorsitzende Holger Sticht haben in der Landespressekonferenz die Forderungen des BUND NRW an die Regierung vorgetragen.
(Julia Stratmann)
- Erfolge reichen vom Kohleausstieg bis zum Nationalpark
- Schlechtes Zeugnis für aktuelle Landesregierung
- Mehr Priorität für Natur- und Klimaschutz notwendig
Düsseldorf | Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Nordrhein-Westfalen freut sich anlässlich seines 50-jährigen Bestehens über die erzielten Fortschritte im Natur- und Umweltschutz. Gleichzeitig sieht der Verband aktuell aber erhebliche politische Defizite. Ein Jahr vor der Landtagswahl formuliert der Verband klare Erwartungen an die Landesregierung.
Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND NRW: „Anlässlich unseres 25-jährigen Jubiläums im Jahr 2001 verkündete Ministerpräsident Wolfgang Clement den ersten und bisher einzigen Nationalpark Nordrhein-Westfalens. Sicher ein Meilenstein des Naturschutzes, über den heute alle froh sind und zu ihrem Projekt gemacht haben, den es aber ohne den BUND wahrscheinlich nicht gegeben hätte.“
Zu den größten Erfolgen zählen außerdem Fortschritte im Artenschutz – etwa bei der Wildkatze – sowie der Erhalt des Hambacher Waldes. Darüber hinaus wurden wichtige gesetzliche Initiativen wie das Klimaschutzgesetz und das Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz maßgeblich durch den Verband angestoßen. Genau wie der vorgezogene Kohleausstieg und die Perspektiven für das Rheinische Revier, die eng mit dem langjährigen Engagement des BUND verbunden sind.
Um solche Erfolge auch in Zukunft verzeichnen zu können, braucht es aus Sicht des BUND aber eine deutlich ambitioniertere Landespolitik und eine Kurskorrektur.
Simone von Kampen, politische Geschäftsführerin des BUND NRW: „Der aktuelle Koalitionsvertrag ließ keine großen Verbesserungen im Natur- und Umweltschutz erwarten. Sogar die geplante Einrichtung eines zweiten Nationalparks ist bislang gescheitert. Und statt die EU-Vorgaben zur Wiederherstellung von Ökosystemen als Chance für den Ausbau des Flächenschutzes zu nutzen, soll der Flächenverbrauch für die Wirtschaft noch weiter begünstigt werden. Das ist der vollkommen falsche Ansatz, der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen muss deutlich mehr Gewicht bekommen.“
Der Ausbau der Wildnisgebiete ist positiv zu bewerten. Um dem gravierenden Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken, braucht es aber wesentlich größere Anstrengungen. Wie das gelingen kann, zeigt der Verband in Projekten wie der Wiedervernässung von Mooren auf der Bergischen Heideterrasse.
„Auch in den für Naturschutz zentralen Bereichen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft tut sich viel zu wenig“, so von Kampen. „Wir brauchen konkrete und verpflichtende Reduktionsziele für den Pestizid- und Düngemitteleinsatz, der oft einen wirksamen Naturschutz gefährdet. Auch die neue Wasserstrategie des Landes bleibt zu vage, um Probleme wie Dürre, Überflutung und Wasserverschmutzung anzugehen.“
Positiv bewertet der BUND hingegen den Ausbau der erneuerbaren Energien in NRW, wobei der Artenschutz dabei zu großen Teilen und ohne Not auf der Strecke geblieben ist. Die Einführung der Solarpflicht sowie Fortschritte bei der Windenergie setzen wichtige Impulse für den Klimaschutz. Für die Naturverträglichkeit sieht der Verband jedoch großen Nachbesserungsbedarf.
„Wir werden uns auch in den kommenden Jahrzehnten mit voller Kraft dafür einsetzen, dieses Land lebendiger und lebenswerter zu gestalten“, betont Sticht. „Die zunehmende Klima- und Biodiversitätskrise zeigt, wie dringend diese Aufgabe ist – es bleibt viel zu tun.“
Hintergrund:
Der BUND NRW wurde 1976 in Neuss gegründet und ist heute mit rund 40.000 Mitgliedern sowie mehreren tausend Aktiven in über 100 Gruppen landesweit aktiv. Als ehrenamtlich geprägter Verband finanziert sich der BUND ganz überwiegend aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.