Wärmepläne im BUND-Check: Gasausstieg muss abgesichert werden

11. Mai 2026 | BUND, Energiewende, Klima & Energie, Ressourcen & Technik, Wärmewende

  • Wärmeplanung in NRW nimmt Gestalt an: 10 von 30 Großstädten untersucht
  • Wärmenetze und dezentrale Wärmepumpen als tragende Säule der Wärmeversorgungen geplant
  • Geplantes Gebäudemodernisierungsgesetz der Bundesregierung sorgt für Unsicherheit und gefährdet Umsetzung der Pläne

Das Heizen mit Erdgas bleibt ein großes Klimaproblem und wird zunehmend zur Kostenfalle. Auch in NRW ist fossiles Gas der dominante Energieträger in der Wärmeversorgung von Gebäuden. Mit dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz will die Bundesregierung den Einbau privater Gasheizungen weiter erlauben, statt den Umstieg auf erneuerbare Energien abzusichern. Das gefährdet die Klimaziele im Gebäudesektor und konterkariert die Planungen für die Wärmewende vor Ort.

Bis Ende Juni sind Großstädte dazu verpflichtet ihre kommunalen Wärmepläne vorzulegen. Der BUND hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) 38 Wärmepläne der insgesamt 80 deutschen Großstädte untersucht. In NRW haben bislang erst rund ein Drittel der Großstädte einen Wärmeplan verabschiedet. Die Befunde zeigen aber bereits erste Trends und kritische Punkte für die noch ausstehenden Pläne.

Zielszenarien: Weitgehender Gasausstieg geplant - Schlupflöcher bleiben

In den Zielszenarien für 2045 (teilweise 2040) zeichnen die zehn NRW-Wärmepläne ein deutliches Bild: Erdgas soll im dezentralen Bereich keine Rolle mehr spielen. Alle untersuchten Städte planen, vollständig auf Erdgas im Heizungskeller zu verzichten. Stattdessen sollen Wärmepumpen rund die Hälfte des Wärmebedarfs decken, der Anteil der Wärmenetze soll von 8 auf 26 Prozent wachsen. Insgesamt rechnen die Kommunen mit einem Rückgang des Wärmebedarfs um etwa 30 Prozent, wesentlich getragen durch ambitionierte Annahmen bei der Gebäudesanierung. 

Allerdings halten fünf der zehn NRW-Städte gasförmige Energieträger im Zielszenario weiter offen und planen mit dem Einsatz von Wasserstoff oder Biomethan - eine klimaschutzpolitisch fragwürdige und teure Angelegenheit. Aus Sicht des BUND ist der Einsatz von Wasserstoff oder Biomethan in privaten Heizungen keine zukunftsfähige Lösung: Grüner Wasserstoff bleibt auch mittelfristig ein knappes und teures Gut. Er wird vorrangig in der Industrie für Prozesse benötigt, die nicht anders dekarbonisiert werden können. Auch die Verfügbarkeit von Biomethan in nennenswertem Umfang ist fraglich, zumal der Energieträger nicht als klimaneutral betrachtet werden kann. Strategien, die auf den Ersatz von Erdgas durch vermeintlich „grüne“ Gase setzen, verlängern faktisch den Betrieb fossiler Heizungen und verzögern die Transformation.

Stilllegung der Gasnetze verbindlich umsetzen - Planungssicherheit für Verbraucher*innen gewährleisten

Studien zeigen, dass mit dem Umstieg auf klimafreundliche Heiztechniken bis 2045 etwa 90 Prozent der heutigen Gasverteilnetze nicht mehr benötigt werden. Umso wichtiger ist, dass die Kommunen den Abschied von der Gasheizung vor Ort auch mit konsequenten und verbindlichen Gasnetzstillegungen absichern. Hier besteht in NRW erheblicher Nachholbedarf: Neun der zehn ausgewerteten NRW-Städte kommunizieren bislang keine aktiven Stilllegungsabsichten. Einziger Lichtblick ist Aachen: Dort wurde im Auftrag des Netzbetreibers eine Bedarfsanalyse zu den Gasinfrastrukturen angefertigt, die als Basis für eine differenzierte Transformations- und Stilllegungsstrategie dient. Auch die Stadt Moers liefert im Plan einen plausiblen Pfad mit einer linearen Abnahme bis 2040, ohne dies allerdings als formale Stilllegungsstrategie zu kommunizieren. Mönchengladbach, Bergisch Gladbach und Neuss gehen dagegen einen klimapolitisch bedenklichen Weg in die Gegenrichtung: Sie planen das Gasnetz teils oder vollständig als künftige Wasserstoffinfrastruktur weiter.

Darüber hinaus bleibt vielerorts für Bürger*innen noch unklar, ob in ihrem Quartier überhaupt ein Wärmenetz zur Verfügung stehen wird oder wann Gasnetzte vollständig zurück gebaut werden. Das Wärmeplanungsgesetz erlaubt Kommunen, Prüfgebiete auszuweisen, wenn die zukünftige Versorgungsoption noch nicht abschließend geklärt ist. Sinnvoll sind Prüfgebiete dann, wenn sie räumlich begrenzt sind und mit klaren Zeitplänen und Maßnahmen hinterlegt werden. Das ist jedoch nur in wenigen Plänen vorzufinden: Stattdessen weisen viele Kommunen großflächige Prüfgebiete aus, die vielerorts 10 bis 30 Prozent des Plangebiets ausmachen. In Bonn und Solingen liegt der Anteil sogar noch darüber. Mit solchen Planungen haben Eigentümer*innen kaum Orientierung und greifen mitunter erneut zu dezentralen Lösungen, was die Effizienz von möglichen Wärmenetzen schmälert.

BUND appelliert an Kommunen: Fossilfreie Wärmeplanung weiter vorantreiben

Die kommunale Wärmewende wird in NRW zunehmend konkret. Die bislang veröffentlichten Wärmepläne setzen überwiegend auf Wärmepumpen, Wärmenetze und sinkenden Energieverbrauch. Sie halten sich jedoch vielerorts eine Hintertür offen, indem sie die Nutzung von Wasserstoff im privaten Heizungskeller nicht explizit ausschließen. Das von der Bundesregierung geplante Gebäudemodernisierungsgesetz durchkreuzt nun diese Planungen. Es ermöglicht den weiteren Einbau von Öl- und Gasheizungen und setzt noch nicht mal ein Enddatum für fossiles Heizen. Dieser mangelhafte Gesetzentwurf verunsichert Kommunen ebenso wie Verbraucher*innen und gefährdet Investitionen in eine erneuerbare Wärmeversorgung.

Angesichts dieser bundespolitischen Fehlschritte appellieren wir umso mehr an die Kommunen, vor Ort für einen klaren Ausstieg aus dem Heizen mit Gas zu sorgen. Das heißt: Klartext statt Hintertüren für Biomethan oder Wasserstoff! Umsetzungsstrategien müssen jetzt vielmehr mit konkreten Meilensteinen, klaren Verantwortlichkeiten und Finanzierungskonzepten unterfüttert werden. Dazu gehört untrennbar, den Ausstieg aus der fossilen Fernwärme konsequent voranzutreiben und die Stilllegung der Gasverteilnetze frühzeitig zu planen. Damit dieser Kraftakt gelingt, ist eine ehrliche und bürger*innen nahe Kommunikation unerlässlich, um teure Kostenfallen und Fehlinvestionen zu vermeiden.

Mehr Informationen

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb