BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Schnelles Aus für das Kohlekraftwerk Lünen?

09. Dezember 2020 | Energiewende, Klima & Energie, Kohle, Kohlekraftwerk Lünen

Stilllegungsausschreibung überzeichnet

Das Trianel Kohlekraftwerk Lünen ist ein Millionengrab. [Foto: Dirk Jansen]

Wann kommt das Aus für das Trianel Kohlekraftwerk Lünen? Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten Runde der Steinkohle-Ausschreibung gemäß Kohleverstromungsbeendigungsgesetz am 1. Dezember kamen Spekulationen auf, der vom BUND seit Jahren gerichtlich angefochtene Meiler im Lüner Stummhafen könnte als nächstes auf der Abschaltliste drankommen. Für Trianel wäre das sicherlich ein vorteilhafter "Notausstieg" aus dem Verlustobjekt. Für den Schutz des Klimas und des FFH-Gebiets Cappenberger-Wälder wäre das ein Gewinn. Doch es bliebe ein Wermutstropfen dabei, denn der/die Steuerzahler*in würde letztendlich dem Betreiber das Ende dieser Fehlplanung mit Millionen Euro versüßen.

Nach den von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Ergebnissen war die ausgeschriebene Menge der für eine Stilllegung vorgesehenen Steinkohlenkraftwerke von 4 Gigawatt deutlich überzeichnet. 11 Gebote mit einer Gebotsmenge von insgesamt 4.788 MW haben einen Zuschlag erhalten. Das größte bezuschlagte Gebot hat eine Leistung von 875 MW und das kleinste liegt bei 3,6 MW. Die Anlagen, die einen Zuschlag erhalten haben, dürfen ab dem 1. Januar 2021 die durch den Einsatz von Kohle erzeugte Leistung oder Arbeit ihrer Anlagen nicht mehr am Strommarkt vermarkten.

Unter den acht Steinkohlekraftwerken, die den Zuschlag erhielten und bald stillgelegt werden, entfielen mit Moorburg A und B sowie Westfalen E drei Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 2,4 GW, die erst ab 2014 in Betrieb gegangen sind. Spätestens jetzt sollte allen klar sein, dass das häufig gebrachte Argument, neue Kraftwerke würden die alten vom Markt verdrängen, ins Reich der Legenden gehört.

Insgesamt wurden nach Angaben der BNetzA Zuschläge in Höhe von 317 Mio. € erteilt. Dabei ist klar: Alle bezuschlagten Kraftwerksblöcke haben in den vergangenen Jahren erhebliche Verluste produziert. Nach Analysen der Nichtregierungsorganisation EMBER haben die in der ersten Ausschreibungsrunde erfolgreichen größeren Kraftwerke (ab 350 Megawatt Leistung) allein in den vergangenen zwei Jahren zusammen mehr als 200 Millionen Euro Verluste erlitten. Für alle Steinkohlekraftwerke summierten sich die Verluste demnach auf über eine Milliarde Euro. 93 Prozent der Steinkohlekraftwerke in Deutschland waren den Berechnungen zufolge in dieser Zeit insgesamt in den roten Zahlen. Zudem gehen die Betriebszeiten der Steinkohlekraftwerke seit Jahren deutlich zurück und lagen 2020 (bis einschließlich Oktober) nur noch bei 20 Prozent.

Auch das 1,4 Milliarden Euro teure Trianel Kohlekraftwerk Lünen mit einer Leistung von 746 MW fährt seit seiner Inbetriebnahme 2013 Jahr für Jahr Verluste im dreistelligen Millionenbereich ein. In 2020 kommt der Meiler nach Angaben von energy-charts.info auf einen Anteil an der prozentualen Volllast von 24,8 Prozent. Es liegt also nahe, dass Trianel versuchen könnte, in einer der nächsten Ausschreibungsrunden zum Zuge zu kommen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass wegen der anhängigen Klagen des BUND gegen das Kraftwerk eine entschädigungslose Stilllegung droht.

Die nächste Ausschreibung mit 1,5 GW wird nach Angaben der BNetzA am 04.01.2021 stattfinden. Das Ausschreibungsvolumen für die dritte Ausschreibung (30.04.2021) wird im Zeitraum vom 22.01.2021 bis zum 19.02.2021 veröffentlicht.

In die Zuschlagsentscheidung fließen der Gebotswert und der CO2-Ausstoß der Anlage ein. Da in die nächsten Auktionsrunden auch der sogenannte Netzfaktor für diejenigen Anlagen gebildet wird, welche die Übertragungsnetzbetreiber auf Basis einer Systemanalyse für die Versorgungssicherheit als erforderlich eingestuft haben, ist wahrscheinlich, dass süddeutsche Kraftwerke eher nicht zum Zuge kommen. Betrachtet man dann die übrig bleibenden Kraftwerke, so wird klar, dass das Trianel Kohlekraftwerk Lünen aufgrund seiner im Zeitraum von 2017 bis 2019 gemittelten höchsten spezifischen CO2-Emissionen gute Chancen hätte, den Zuschlag zu bekommen.

Klar ist aber auch: Steinkohlekraftwerke sind heute weniger denn je rentabel zu betreiben. Auch ohne das Kohleausstiegsgesetz würden sie in einem absehbaren Zeitraum aus dem Energiemarkt verdrängt werden. Dass wir Steuerzahler*innen das Ende der Kohlemeiler den Betreibern jetzt auch noch finanziell versüßen, ist eine bittere Pille.

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