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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Kläranlage Engelskirchen belastet die Agger mit Arzneimitteln und Keimen

06. Mai 2019 | Wasser

Ein "Offenen Brief" an den Vorstand des Aggerverbandes, Herrn Prof. Lothar Scheuer mit unserer Stellungnahme und Forderungen zu den Ergebnissen aktueller Analysen auf Veranlassung des BUND NRW.

Die Belastung der Agger mit Antibiotika und anderen Arzneimitteln durch die Kläranlage Engelskirchen ist hoch und befördert u.a. das Auftreten antibiotikaresistenter Bakterien im Gewässer. Das ist das Ergebnis von Analysen auf Veranlassung des BUND NRW. In einem offenen Brief an Prof. Lothar Scheuer, den Vorstand des Aggerverbandes, kritisiert BUND Gewässerexperte Paul Kröfges, der die Naturschutzverbände beim Aggerverband vertritt, bisherige Versäumnisse. Bereits im Vorjahr hatte der BUND unterhalb des Kläranlageneinlaufes Coli-Bakterien nachgewiesen, die Resistenzen gegen 11 von 12 getesteten Antibiotika und alle Reserveantibiotika (4 MRGN) zeigten. Der BUND hatte Aggerverband und das Gesundheitsamt des oberbergischen Kreises aufgefordert, dies mit weiteren Untersuchungen zu überprüfen und den Ursachen auf den Grund zu gehen, ohne Erfolg.

Die aktuellen Untersuchungen belegen Rückstände von Antibiotika, Blutdrucksenkern, Epilepsie-, Herz- und Kreislaufmitteln verschiedenster Art im Ablauf der Kläranlage. Besonders problematisch sieht der BUND diese Einleitung in das alte Aggerbett bei Ehreshoven. Die Agger wird hier während der Wasserkraftnutzung nur mit 500 Litern Wasser pro Sekunde gespeist, während der weitaus größere Wasseranteil nebenan kanalisiert in die Turbinen der Aggerkraftwerke geleitet wird. Der Rest im ehemaligen natürlichen Flussbett muss mit dem keim- und spurenstoffbelasteten Abwasserstrom fertig werden. "Kein Wunder, dass sich unter diesen Bedingungen unterhalb des Kläranlagenablaufes antibiotikaresistente Bakterien vermehren können, u.U. regelrecht gezüchtet werden", so der BUND Wasserexperte Paul Kröfges.
     
Der BUND fordert, in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt ein zielgerichtetes Untersuchungsprogramm aufzulegen, um die Eintragspfade von Arzneiwirkstoffen und antibiotikaresistenten Bakterien in die Agger aufzuklären, z.B. den Einfluss der an die Kläranlage angeschlossenen Kliniken. Ziel muss es sein, zu sinnvollen und wirksamen Maßnahmen zu kommen, um die Belastung zu verringern. Obwohl nicht als Badegewässer ausgewiesen, wird die Agger zur Naherholung, zum Angeln und auch zur gelegentlichen Erfrischung an heißen Sommertagen genutzt– und gerade dann ist die Gefahr von Infektionen oder der Übertragung solcher Keime auf andere Menschen hoch.

Nach Ansicht von BUND Vertreter Kröfges ist es unverantwortlich, nur auf die vom Umweltministerium angekündigten Untersuchungen in ganz NRW zu warten.
Diese werden ihre Zeit brauchen, können nur einen groben Überblick über die landesweite Problematik geben und helfen im konkreten Fall nicht weiter.

Kröfges verweist mit Blick auf mögliche strafbare Versäumnisse auf den § 41 des Bundes – Infektionsschutzgesetzes: "Die Abwasserbeseitigungspflichtigen haben darauf hinzuwirken, dass Abwasser so beseitigt wird, dass Gefahren für die menschliche Gesundheit durch Krankheitserreger nicht entstehen." 

Kontakt: Paul Kröfges, paul.kroefges@bund.net, 0173-2794489 

Zum Offenen Brief: Antibiotika und andere Arzneimittel in der Agger 

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