Erste BUND-Moortagung auf der Heideterrasse

01. September 2025 | Moore, Moore, Naturschutz, Naturschutz

„Moorwiedervernässung praktisch“ – unter diesem Motto veranstaltete das Moorprojekt des nordrhein-westfälischen Landesverbands des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom 28. bis 29. August eine Fachtagung in Bergisch Gladbach.

Rund 50 Expert*innen und Interessierte aus ganz Deutschland trafen sich auf der Moortagung des BUND.  (Pia Ringel)

Bergisch Gladbach | Rund 50 Expert*innen und Interessierte aus ganz Deutschland waren der Einladung des BUND-Projektteams gefolgt. Gemeinsam diskutierten sie nicht nur über konkrete Maßnahmen zur Wiedervernässung, sondern auch deren Umsetzung. Darüber hinaus wurden auch Beratungs- und Fördermöglichkeiten für Moorprojekte thematisiert. Das Wochenende begann mit einer Exkursion: Nach der Begrüßung durch Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND, führte das Team die Teilnehmer*innen in die nahe gelegene Schluchter Heide, eines der aktuellen Projektgebiete des BUND.

Die Schluchter Heide (Naturschutzgebiet Gierather Wald) beherbergt Relikte von Moorlebensräumen – darunter Moor- und Bruchwälder mit vielen typischen Pflanzenarten. Jedoch wird das Gebiet schon seit Langem durch zahlreiche künstlich angelegte Gräben entwässert. Um die verbliebenen wertvollen Biotope zu erhalten und zu fördern, hat der BUND 2024 damit begonnen, diese Entwässerungsgräben zu verschließen. Dabei ist die Schluchter Heide nur ein Beispiel von vielen: Denn es gibt weitaus mehr Gebiete auf der Bergischen Heideterrasse, in denen zahlreiche Moorlebensräume zu finden sind. Deren Renaturierung muss dringend vorangetrieben werden – und zwar durch eine aktive Wiedervernässung. Denn nur so können diese wertvollen Biotope und ihre wichtigen Ökosystemleistungen wie Hochwasser- und Dürreschutz, Refugium für gefährdete Arten, Klimaschutz und Grundwasserneubildung erhalten werden.

Fachvorträge und Austausch 

Im Anschluss an das gemeinsame Mittagessen startete der Vortragsblock mit insgesamt sechs Beiträgen. Diese boten einen umfassenden Überblick über verschiedene Aspekte der Moorwiedervernässung und spannte dabei den Bogen von der praktischen Umsetzung über wissenschaftliche Grundlagen bis hin zu Fördermöglichkeiten.

Den Auftakt machte Dr. Martin Grund (Koordinator des BUND-Moorprojekts), der die Planung und Durchführung der Umsetzungsmaßnahmen in den Moorlebensräumen der Bergischen Heideterrasse vorstellte. Er erläuterte die einzelnen Arbeitsschritte der Wiedervernässung, speziell den Bau von Verschlüssen in Entwässerungsgräben. Daran anschließend gaben auch Urla Ewender und Lutz Rohland vom Bergwaldprojekt e.V. einen Einblick in ihre Arbeit: Sie berichteten über die unterschiedlichen Weisen, eine Sperre zum Verschließen von Entwässerungsgräben zu bauen. Denn im Bergwaldprojekt werden – je nach Zweck - verschiedene Verschlüsse eingesetzt, um das Wasser gezielt zurückzuhalten. 

Philipp Küchler und Maria Aljes von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt stellten wiederum die Möglichkeiten der Moorberatung an ihrer Einrichtung vor – angefangen vom Vorgehen bei der Erfassung von Waldmooren bis zur Erfolgskontrolle. 

Und Dr. Dirk Bieker vom RVR Ruhr Grün berichtete Aktuelles von dem Eigenbetrieb des Regionalverbands Ruhr (RVR), welcher für zahlreiche Hektar Wälder, Grünflächen und Halden im Ruhrgebiet verantwortlich ist und dort unter anderem künstliche Entwässerung zurückbaut.

Wie der Bodenwasserhaushalt von Eichen-Hainbuchenwäldern im Kottenforst bei Bonn optimiert werden kann, erklärte Klaus Striepen (Wald & Holz NRW), bevor Andreas Herrmann von der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft gGmbH im letzten Vortrag des Tages die Fördermöglichkeiten der 1000 Moore-Förderrichtlinie thematisierte. 

Teilnehmer*innen vertiefen Erlerntes in Workshops  
Im weiteren Verlauf der Tagung standen Workshops zu verschiedenen Themen auf dem Programm, in denen die anwesenden Expert*innen unterschiedliche Themen vertieften. Klaus Striepen widmete sich der Vernässung von Feuchtwäldern, Fragen des Projektmanagements, und der forstlichen Perspektive auf das Thema Wiedervernässung.

Urla Ewender und Lutz Rohland beleuchteten praktische Aspekte der Umsetzung, die Arbeit mit Freiwilligen, die Planung eines solchen Projekts sowie den Einsatz geeigneter Werkzeuge, während Alexander Herrmann alle Fragen rund um das Thema Fördermittel beantwortete. 

Darüber hinaus drehten sich zwei weitere Workshops um die planerischen Aufgaben, die hinter einem solchen Projekt stecken: Dr. Martin Grund erläuterte die Schritte von der Projektantragsstellung über die Evaluation bis hin zur praktischen Umsetzung und Maria Aljes und Philipp Küchler stellten unter anderem die Methoden des Monitorings, Aspekte der Planung sowie die konkrete Durchführung vor. 

Praktische Anwendung im Gelände 

Am zweiten Tag der Fachtagung stand das praktische Arbeiten im Mittelpunkt. Ausgestattet mit Werkzeug und Material machten sich die Teilnehmer*innen auf den Weg ins Gelände, um unter fachlicher Anleitung Entwässerungsgräben zu verschließen. Dabei erhielten sie die Gelegenheit, die vorgestellten Techniken zum Bau von Verschlüssen in Entwässerungsgräben selbst auszuprobieren und deren Anwendung im Gelände unmittelbar nachzuvollziehen. 

Die ausgebuchte Moortagung spiegelt das Interesse am Thema wider, genau wie die Auswertung der vom Projektteam verteilten Feedbackbögen, welche eine große Zufriedenheit mit der Veranstaltung ergab. Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Teilnehmer*innen bedanken.

Hintergrund: Das Projekt wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Zusätzliche Mittel werden vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen bereitgestellt. Diese Website gibt die Auffassung und Meinung des Zuwendungsempfängers des Bundesprogramms wieder und muss nicht mit der Auffassung des Zuwendungsgebers übereinstimmen.

 

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