Der Rheinisch-Bergische Kreis hat ein eigenes Biber-Management ins Leben gerufen

31. Januar 2026 | Biber

Letzte Woche fand in Bensberg-Moitzfeld das Auftakt-Treffen der vom Rhein-Berg-Kreis berufenen Biber-Pat:innen statt.

Hier geht's lang - für Biber-Pat:innen Hier geht's lang - für Biber-Pat:innen  (Justus Siebert)

Der Biber kehrt zurück, an immer mehr Stellen in NRW taucht er auf. Entlang der Rur in der Nordeifel ist er schon seit den 1980er Jahren ansässig, seit 2002 auch am Niederrhein. In den letzten Jahren finden sich immer mehr Spuren auch in den rechten Zuflüssen des Rheins, an der Lippe, Sieg, Ruhr, Wupper und Dhünn. Letztere durchfließt größtenteils den Rheinisch-Bergischen Kreis, die ersten Biber-Fraßspuren tauchten 2023 im Kreisgebiet auf. Das ist gut so, für die Ökosysteme in Rhein-Berg, zu erwarten ist jedoch, dass früher oder später auch Konflikte auftauchen werden, etwa wenn durch Dammbau-Tätigkeiten landwirtschaftliche Flächen unter Wasser gesetzt werden, oder der vielgeliebte Apfelbaum im Garten vom Biber gefällt wird. 

Um diesen Konflikten frühzeitig vorzubeugen, hat der Rhein-Berg-Kreis jetzt die Initiative ergriffen und ein eigenes Biber-Management ins Leben gerufen, wie auch der KSTA berichtete. Das wäre eigentlich Aufgabe des Landes NRW, und das LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW) für die Planung und Umsetzung zuständig. Und tatsächlich liegt seit rund 10 Jahren ein entsprechender, noch nicht fertiger Plan in den Schubladen des Landesamtes, zuletzt hat man im April 2025 von NRW-Umweltminister Krischer in den Medien gehört, dass dieser Plan nun fertig gestellt und umgesetzt werden soll. Danach nichts mehr. Deshalb nun der Vorstoß der Vertreter:innen des Rhein-Berg-Kreises, die nicht länger warten wollen (so Kreistierarzt Dr. Thomas Mönig) auf etwas doch nicht kommt.

Die Möglichkeiten des Kreises, v.a. die finanziellen, sind zwar überschaubar, verglichen mit denen des Landes, entscheidender ist jedoch der Wille, die positiven Effekte des Ökosystem-Ingenieurs Biber in den Vordergrund zu rücken und ein Netzwerk von Behörden, Naturschutzverbänden und Ehrenamtlern einzurichten, damit beim Auftauchen eines Bibers schnell und effektiv reagiert werden kann. Denn das haben die Erfahrungen z.B. an der Rur gezeigt, dass es für die Akzeptanz des Bibers wichtig ist, dass die Interessen und Bedenken der Bevölkerung vor Ort ernst genommen und schnelle Maßnahmen eingeleitet werden. Manchmal sind diese recht einfach: der Apfelbaum kann mit einem Drahtgeflecht oder Gitter geschützt werden. Nur wenn diese Akzeptanz erreicht wird, wird die Rückkehr des Bibers, dieses Ureuropäers, gelingen.

Um Konfliktpotentiale einschätzen zu können, muss man erstmal wissen, wo der Biber denn bereits ansässig ist, und diese Stellen dann auch im Blick behalten. Zu diesem Zwecke sind vom Kreis nun offizielle Biber-Pat:innen benannt worden, denen ein bestimmtes Gebiet oder Fluß-/Bachabschnitt zugewiesen wurde. Um sich kennen zu lernen fand letzte Woche ein Auftakt-Treffen statt. Start war eine Exkursion zu einer von Bibern angestauten Wasserfläche, auf einer Wiese, die sich praktischerweise in einem Naturschutzgebiet befindet, Konflikte sind hier deshalb nicht zu erwarten, im Gegenteil, wie Tobias Mika von der Biologischen Station Rhein-Berg vor Ort erläuterte: man freue sich auf die zu erwarteten positiven Effekte, z.B. für die Amphibien, denn mit dem vom Biber aufgestauten Teich bietet sich den Grasfröschen nun die Chance, hier abzulaichen.

Weiter ging es dann mit dem theoretischen Teil in Bensberg-Moitzfeld. Frau Wolpers und Frau Wildenhues (Amt für Artenschutz des RBK) stellten den aktuellen Stand zu den Biber-Vorkommen im Rheinisch-Bergischen Kreis vor (u.a. Diepental und Rösrath) und was sonst noch zum Biber-Management dazu gehört. Nicht zuletzt die rechtliche Ausstattung der Pat:innen, v.a. Genehmigungen für das Betreten von Naturschutzgebieten. Nicht zu unterschätzen auch die Möglichkeit, Haarproben, z.B. im Falle eines Totfundes, genetisch untersuchen zu lassen, um Aufschluss über die Herkunft eines Tieres zu erhalten. Highlight der Vortragsreihe war die von Frau Wolpers vorgestellte App, welche mit dem Wupper- und dem Aggerverband eigens für das Biber-Monitoring im Kreis entwickelt wurde, um die erfassten Daten effektiv und zentral speichern zu können.

Fazit: die eigeninitiative Einrichtung eines Biber-Managements von Vertreter:innen des Rheinisch-Bergischen Kreises zeigt den Willen, von behördlicher Seite, die Rückkehr des Bibers nicht nur zuzulassen sondern auch zu fördern. Ein von unserer Seite (BUND NRW) begrüßenswerter Auftakt, verbunden mit der Erwartung, dass im Rheinisch-Bergischen Kreis beim nächsten aufgestauten Biber-Teich (außerhalb des Naturschutzgebietes), unter dem Druck von Anwohnern und/oder Landwirten, nicht sofort eine Ausnahmegenehmigung zum Abbau des Damms erteilt wird. Wie in anderen Kreisen, am Niederrhein, bereits geschehen. Aber zunächst einmal: steht die Wiederbesiedlung des Rheinisch-Bergischen Kreises durch den Biber noch am Anfang, doch dieser ist hoffnungsvoll.

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