Protestierende auf der Autobahnbrücke am Autobahn-Rasthof Bottrop-Süd.
(Julia Stratmann)
- 130 Demonstrierende fordern Stopp der Transporte
- Großbaustelle auf der A2 wird zum Nadelöhr
- Organisationen erwarten politische Initiative
Bottrop | Rund 130 Atomkraftgegner*innen trafen sich am Samstag in Bottrop, um gegen die geplanten Atommülltransporte durch NRW zu protestieren. Unter dem Motto „Keine Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus – hochradioaktiver Atommüll gehört nicht auf die Autobahn“. Mit der Demo am Autobahn-Rasthof Bottrop-Süd an der A2 erneuerten die Anti-Atom-Organisationen aus dem Münsterland und dem Rheinland zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW) und dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) ihre Forderung an die Landes- und die Bundesregierung, auf die gefährlichen Atommülltransporte über die maroden Autobahnen und Brücken zu verzichten.
Zuletzt hatte der Umweltverband gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin, welches den Eilantrag des BUND gegen die Genehmigung der CASTOR-Transporte für unzulässig erklärte, Beschwerde eingelegt und eine Zwischenverfügung beantragt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat inzwischen erklärt, dass der Ausgang des laufenden Verfahrens abzuwarten sei.
Kerstin Ciesla, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND: „Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg geht davon aus, dass die CASTOR-Transporte bis zur Entscheidung des Gerichts nicht starten – jetzt wird sich zeigen, ob Politik und Behörden Recht und Sicherheit ernst nehmen. Wir demonstrieren, weil genau das nicht dem stillen Vertrauen überlassen werden darf. Hochradioaktiver Atommüll gehört nicht auf die Straße, solange Gerichte noch prüfen und Sicherheitsfragen offen sind. Unsere Präsenz hier in Bottrop ist der notwendige Druck, damit Verantwortung nicht weggeschoben wird.“
Für die Anti-Atomkraft-Organisationen und den BUND wird immer deutlicher, wie brisant diese Atommülltransporte tatsächlich sind: Marode Autobahnen und Brücken, schwere Unfälle, sicherheitstechnisch brisante Baustellen und allein in 2025 rund 50 Prozent mehr verdächtige Drohnensichtungen in NRW sprechen eine deutliche Sprache. Sich umfassend gegen diese realen Gefahren und Risiken zu wappnen, ist ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Zudem sieht es auch am Zielort Ahaus nicht besser aus, da die Genehmigung dort auch schon 2036 ausläuft. Diese Castor-Transporte sind eine Reise ohne Ziel.
„Wir freuen uns sehr, dass sich jetzt in Bottrop an der 170 Kilometer langen Autobahnstrecke zwischen Jülich und Ahaus Protest regt. Hochradioaktiver Atommüll gehört nicht auf die Autobahn und jahrelange Castor-Transporte bringen keine Lösung der Atommüllprobleme. Deshalb fordern wir erneut nachdrücklich ein politisches Umdenken, das zu einer Weiterlagerung des Atommülls in Jülich führt. Dort muss vor Ort eine angemessene Lagermöglichkeit für die nächsten Jahrzehnte geschaffen werden“, erklärten Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und Jens Dütting von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“.
„Mit der Demo in Bottrop wollen wir sowohl die Anwohner*innen über die erheblichen Gefahren durch die Atommülltransporte informieren, aber auch auf das offensichtliche, sicherheitstechnische Nadelöhr auf der A2 aufmerksam machen. Die Großbaustelle zwischen Oberhausen und Bottrop führt zu Fahrbahnverengungen, sodass ein seitlicher Schutz der Castor-LKW nicht möglich ist. Weiträumige und personalintensive Absperrungen sind zu erwarten. Von daher sind wir mit der Gewerkschaft der Polizei einer Meinung, dass die Castor-Pläne auf den Autobahnen ‚Wahnsinn‘ und eine ‚sinnlose Mammutaufgabe‘ sind“, ergänzte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.
Aktuell haben die Anti-Atomkraft-Organisationen zudem an NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) sowie Innenminister Herbert Reul (CDU) geschrieben, weil sie von der NRW-Landesregierung eine neue politische Initiative zur Verhinderung der Castor-Transporte fordern. Antworten stehen noch aus
Hinweis: Für den 7. März bereiten die Anti-Atomkraft-Organisationen bereits die nächste Demo in Ahaus vor.