In diesem Europa werden Lebensmittel ökologisch und regional produziert. Sie stammen nicht aus Agrarfabriken, sondern von Bauernhöfen. Die Landwirte werden entsprechend ihrer Leistungen für ihre Produkte angemessen bezahlt. Dieses Europa ist frei von Genmais, frei von Massentierhaltung und soweit wie möglich auch von Pestiziden. Mein Europa macht sich für eine global gerechte Ernährungspolitik stark, die aggressive exportorientierte Agrar- und Fleischproduktion ist längst Vergangenheit.
In meinem Traum hat sich Europa auch von der Atomkraft verabschiedet und den CO2-Ausstoß drastisch gesenkt. Durch eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz und des Ausbaus der erneuerbaren Energien konnte Europa dazu beigetragen, die weltweite Erwärmung auf unter zwei Grad zu halten.
Und wenn ich von Europa träume, leben da Tiere und sprießen da Pflanzen, die wir schon fast verloren glaubten. Da fühlt sich der Eisvogel wohl in unversehrten Flussauen, Wildkatzen und Luchse streifen durch miteinander verbundene Wälder und ich sehe Wildbienen auf Wiesen, die nicht mehr der intensiven Landwirtschaft zum Opfer fallen.
Und dann mache ich die Augen auf und sehe: mein Traum ist bedroht. Europaskeptiker zeichnen ein schiefes Bild von der EU als Regelungsmonstrum, das sich vor allem von Banken und Konzerninteressen leiten lässt. Sicher läuft einiges schief, auch in der EU. Das zeigen die Zulassung des Gentechnik-Mais „Pioneer“ oder die umstrittenen Verhandlungen zwischen den USA und der EU über ein Freihandelsabkommen, das unsere gemeinsam erkämpften Standards gefährden könnte.
Doch viel deutlicher sehe ich die Erfolge der EU: Gemeinsame Umwelt- und Verbraucherstandards, mehr Bürgerbeteiligung sowie grenzüberschreitende Naturschutzgebiete und das "Grüne Band Europa" – ein BUND-Projekt entlang des früheren Eisernen Vorhangs. Europäische Kooperation kann einen großen Mehrwert für Mensch und Natur bedeuten. Dieses Europa darf kein Traum bleiben.