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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Speichertechnologien im Einklang mit Natur- und Umweltschutz

Im Listerkraftwerk (Sauerland) werden jährlich etwa 4,6 Mio. kWh Strom erzeugt.

Die Stromversorgung in Deutschland und Europa wird und muss sich in den nächsten Jahrzehnten grundlegend verändern. Der Stromverbrauch muss deutlich effizienter erfolgen und gesenkt werden. Die Erzeugung von Strom muss von Atom- und Kohlekraftwerken auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Nachhaltigkeit bedeutet hier Minimierung von Risiken, der Umwelt- und Gesundheitsbelastung und Klimaschutz.

Die künftige Stromversorgung wird einen hohen Anteil von Strom aus Windenergie und Solarenergie aufweisen – beides sind erneuerbare Energiequellen deren Angebot natürlichen Schwankungen unterliegt. Entsprechend sind Speichermöglichkeiten für Strom erforderlich. Welche Größe diese Speicher aufweisen müssen, welche Art von Energie gespeichert wird und wie diese Speicher mit neuen Hochspannungsleitungen ins Stromnetz integriert werden müssen – dies sind aktuelle Fragestellungen der Energiepolitik.

Oberste Priorität hat für den BUND die Energieeffizienz. Hierdurch können viele Umweltauswirkungen der Stromerzeugung deutlich reduziert werden. Auch der Bedarf an Stromspeichern und neuen Leitungen kann hierdurch gesenkt werden. Bei der Stromspeicherung wie auch generell gibt der BUND lokalen und regionalen Energiekonzepten den Vorrang. Beim Ausbau von Energiespeichern sind vorrangig der Natur- und Umweltschutz und die Gesamteffizienz der Speicherung zu prüfen. Bei räumlich übergreifenden Plänen ist eine strategische Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich.

Die Transparenz der Verfahren und die Beteiligung der Öffentlichkeit haben hohe Bedeutung. In allen Konzepten und Planungsverfahren ist zu prüfen, inwieweit das Vorhaben dem Ausbau der erneuerbaren Energien dient oder für den besseren Betrieb von Atom- und Kohlekraftwerken geplant wird.

Umstrittene Pumpspeicher

Klassische Pumpspeicherkraftwerke sind seit Jahrzehnten technisch etabliert. Die Speicherung in Pumpspeicherwerken liegt mit ca. 80% Gesamtwirkungsgrad deutlich vor Druckluftspeicherkraftwerken (40-60%), neuen adiabatischen Druckluftspeicherkraftwerken (60-70)15 und Wasserstoff (30-40%). Die relativ neuen Konzepte der Erzeugung von „Wind- und Solar-Methan“ und der Nutzung vorhandener Erdgasspeicher stellen eine interessante Option dar, dürften aber auch noch Verluste von 50% -70 % aufweisen.

Neue Pumpspeicherwerke zeigen allerdings auch deutliche Eingriffe in den Naturhaushalt, durch Eingriff und Aufstauung zuvor freier Bach- oder Flussläufe oder durch Neuanlegen von großen Speicherbecken. Auch die Netzanbindung kann zu Konflikten führen.  Sind erhebliche Beeinträchigungen der Naturschutzbelange oder von  von NATURA2000-Gebieten und prioritären Arten zu befürchten, sind Alternativen gefordert. Energieeffizienz und dezentrale Speicherung sind solche Alternativen. Naturschutz ist eine Zielgröße und darf nicht nur ein Beiwerk im Planungsprozess sein.

Planungen in NRW

Im Auftrag des NRW-Umweltministeriums hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) eine Potenzialstudie erstellen lassen, die geeignete Flächen für Pumpspeicherkraftwerke identifiziert und entsprechende Potenziale angibt. In der Potenzialstudie wurden 23 Vorzugsstandorte (davon vier an bestehenden Talsperren) und vier derzeit im Planungsprozess befindliche Standorte identifiziert. Daraus ergibt sich ein technisch-machbares Speicherpotenzial von 56 Gigawattstunden (GWh) beziehungsweise neun Gigawatt (GW) installierbare Leistung. Dieses technisch erschließbare Potenzial sagt aber noch nichts darüber aus, ob die Vorhaben auch im Einklang mit den Vorgaben des Natur- und Gewässerschutzes realisiert werden könnten.

Momentan liegen allerdings alle Planungen auf Eis, da die ökonomischen Rahmenbedingungen einen Bau neuer Pumpspeicherkraftwerke verhindern.

Bergwerke zu Kraftwerken

Eine spannende Option für die untertägige Errichtung von Speicherkraftwerken stellen die Steinkohlen-Bergwerke im Ruhrgebiet dar. Das NRW-Umweltministerium hatte 2012 den Startschuss für ein solches Pilotprojekt und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. In der Studie wurden die Standorte Auguste Victoria in Marl und Prosper Haniel in Bottrop mithilfe von geologischen Untersuchungen auf eine mögliche Nutzung als Speicherkraftwerk untersucht. Die Machbarkeitsstudie ergab, dass der Standort Prosper Haniel von seinen Rahmenbedingungen grundsätzlich technisch und geologisch geeignet ist, die Akzeptanz von unterirdischen Pumpspeicherkraftwerken hoch ist und die Kosten von UPSW mit 600-2400 €/kW mit oberirdischen Pumpspeicherwerken vergleichbar sind.

Speicheroptionen bei Tagebauen

Auch die gigantischen Außenkippen und Restlöcher des Braunkohlenbergbaus am Niederrhein bieten Möglichkeiten zur Errichtung von Speicherkraftwerken. So soll zum Beispiel das Restloch des Tagebaus Hambach ein Tiefe von mehr als 400 m unter Flur erreichen, während die Außenkippe (Sophienhöhe) eine Höhe von mehr als 200 m erreicht. Der Niveauunterschied von 600m könnte genutzt werden.

Wasserspeicherkraftwerk Rur

Die Firma TRIANEL plant(e) in der Eifel ein Pumpspeicherkraftwerk mit 640 Megawatt Leistung. Der BUND begrüßt ebenso wie die übrigen NRW-Naturschutzverbände grundsätzlich diese Planung. Gleichzeitig müssten aber auch die Nachteile für empfindliche Schutzgebiete, insbesondere den Nationalpark Eifel, berücksichtigt werden. Neben dem Bau des Oberbeckens ist v.a. die erforderliche Netzanbindung mit Eingriffen in den Natur- und Gewässerhaushalt verbunden. Auch die potenziellen Einflüsse auf den Rursee und seine empfindlichen Tierarten bedürfen einer genauen Prüfung.

Die beiden ersten Planungsschritte waren die Änderung des Regionalplans und das Raumordnungsverfahren für die Höchstspannungsleitung.

Die anerkannten Naturschutzverbände haben zu beiden Planverfahren Stellung genommen und Forderungen an die Planung gestellt, damit die Stromspeicherung den sensiblen Raum des Nationalparks Eifel schont.  Nach intensiven Gesprächen sollte das geplante Wasserspeicherkraftwerk  durchgängig mit unterirdisch verlegten Kabeln an das Hochspannungsnetz angeschlossen werden.

Die Planung befand sich auf einem guten Weg, bis der Regionalrat Köln das Vorhaben stoppte. Die CDU hatte gegen die Regionalplanänderung mobil gemacht. In der gleichen Sitzung machte der Regionalrat allerdings den Weg frei für ein neues Braunkohlenkraftwerk in Bergheim-Niederaußem.

Trianel-Waasserspeicherkraftwerk Nethe

Auch im Weserbergland, auf dem Gebiet der Städte Beverungen und Höxter, sollte ursprünglich bis Ende 2020 ein Trianel-Wasserspeicherkraftwerk entstehen. Mit einer Leistung von 390 Megawatt bei einem Speichervolumen von 4,2 Millionen Kubikmetern sollte das Kraftwerk rund 280.000 Haushalte mit Strom versorgen können.

Im Planverfahren hatten die Naturschutzverbände erhebliche Defizite ausgemacht. Das geplante Pumpspeicherkraftwerk sei mit massiven, nicht ausgleichbaren Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden. Die langjährige Bauzeit von circa 5 Jahren führe zudem zu erheblichen baubedingten Störungen. Trotzdem befürworteten die Verbände die Planung, wenn im weiteren Verlauf des Verfahrens wesentliche Verbesserungen umgesetzt würden. Dies aber nur, wenn und soweit die Energiewende hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung der Volkswirtschaft im Vordergrund stehe und durch Energieeffizienzmaßnahmen und Einsparung der Energieverbrauch deutlich gesenkt wird. Weitere Voraussetzung sei, dass die Eingriffe, soweit technisch möglich, minimiert werden, und unvermeidbare Eingriffe in vollem Umfang kompensiert werden.

 

 

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