Wärmepläne im BUND-Check: Gasausstieg muss abgesichert werden

04. November 2026 | BUND, Energiewende, Klima & Energie, Ressourcenschutz, Wärmewende

Großstädte in NRW planen den Abschied vom Gas im Heizungskeller, doch die Bundesregierung bremst

  • 25 Wärmepläne in NRW ausgewertet
  • Wenige Städte haben Stilllegungsabsichten für ihr Gasnetz kommuniziert
  • BUND fordert Nachbesserungen im Landeswärmeplanungsgesetz

Düsseldorf | Während die Bundesregierung die Wärmewende ausbremst und weiter an der Gasheizung festhält, sind die Großstädte in Nordrhein-Westfalen bereits einen Schritt weiter: Sie planen die künftige Wärmeversorgung weitgehend ohne Erdgas in den Heizungskellern. Das zeigt die heute vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veröffentlichte Auswertung der Wärmepläne von 25 NRW-Großstädten auf Basis von Daten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu).
Erdgas ist in den NRW-Großstädten der bestimmende Energieträger im Wärmesektor: Gut zwei Drittel der Wärme stammen heute aus Gasheizungen in den einzelnen Gebäuden. Den Zielszenarien der Städte zufolge soll künftig fast die Hälfte des Wärmebedarfs mit Wärmepumpen und knapp ein Drittel über Wärmenetze gedeckt werden. Gasheizungen haben nach den Plänen der untersuchten Großstädte keine Zukunft mehr. 

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND NRW: „Die Großstädte haben die Richtung vorgegeben: Wärmepumpen und Wärmenetze statt Gas im Heizungskeller. Jetzt müssen die Pläne zügig umgesetzt werden, und dazu gehört ein geordneter Ausstieg aus dem Gasnetz, damit am Ende nicht wenige Verbraucher*innen die Kosten für ein überdimensioniertes Netz tragen. Wenn die Bundesregierung mit neuen Gasheizungen Fehlanreize setzt, muss die Landesregierung gegenhalten und die Wärmewende vor Ort absichern.“

Pläne brauchen Verbindlichkeit

Ein genauer Blick in die Wärmepläne offenbart gleichzeitig Lücken und Unsicherheiten. Obwohl Gas in der dezentralen Versorgung kaum noch eine Rolle spielen soll und die Gasverteilnetze damit weitgehend überflüssig werden könnten, haben bislang nur wenige Großstädte in NRW Stilllegungsabsichten kommuniziert. Fast die Hälfte der Städte lässt zudem für größere Teile des Stadtgebiets offen, wie diese künftig versorgt werden sollen. Bürger*innen bleiben dort möglicherweise über Jahre im Ungewissen, ob in ihrem Quartier ein Wärmenetz kommen soll oder nicht. Einzelne Pläne lassen zudem Hintertüren offen: Krefeld, Hagen und Essen stellen Wasserstoff auch für Wohngebäude in Aussicht, obwohl grüner Wasserstoff auf absehbare Zeit knapp und teuer bleibt und vor allem in der Industrie benötigt wird. Darüber hinaus übersteigt in rund einem Dutzend Plänen die eingeplante Biomasse das selbst ermittelte lokale Potenzial deutlich.
Dabei will die Kommunalpolitik vielerorts schneller klimaneutral werden, als die Wärmepläne es abbilden. Aachen, Bielefeld und Münster haben per Ratsbeschluss 2030 als Ziel gesetzt, sechs weitere Städte 2035, und rund die Hälfte der untersuchten Städte hat den Klimanotstand erklärt. Die meisten Wärmepläne rechnen dennoch erst 2045 mit einer klimaneutralen Wärmeversorgung, nur Bielefeld und Moers legen 2040 zugrunde.

Dario Deilmann, Referent für Klimaschutz beim BUND NRW: „Das Landeswärmeplanungsgesetz geht bislang kaum über die Vorgaben des Bundes hinaus, eine verbindliche Perspektive für die Stilllegung der Gasnetze verlangt es von den Wärmeplänen nicht. Wie andere Bundesländer es bereits vormachen, muss auch Nordrhein-Westfalen das Zieljahr für die klimaneutrale Wärmeversorgung deutlich vorziehen. Viele Städte im Land wollen ohnehin schneller sein. Nachdem die Bundesregierung neue Gas- und Ölheizungen wieder erlaubt hat, ist das Land nun in der Pflicht, diese klimapolitischen Irrwege zu korrigieren: Neue Heizungen müssen zu einem Mindestanteil mit erneuerbaren Energien betrieben werden.“

Unterstützung der Kommunen gefordert

Bis Mitte 2028 legen auch die übrigen Kommunen in Nordrhein-Westfalen ihre Wärmepläne vor. Damit sich die Schwächen der Großstadtpläne dort nicht wiederholen, fordert der BUND, Prüfgebiete räumlich zu begrenzen, alle Wärmepläne fachlich zu prüfen und Wasserstoff sowie Biomasse über den Landesleitfaden aus dem Heizungskeller herauszuhalten. Die Stilllegung der Gasnetze muss die Landesregierung gemeinsam mit Kommunen und Netzbetreibern vorbereiten. Bislang erstattet das Land den Kommunen nur die Kosten der Planung, für die Umsetzung der Wärmepläne braucht es ebenfalls Unterstützung.

Hintergrund:

Der BUND-Check NRW umfasst die Wärmepläne der Großstädte, die bis zum 15. Juli 2026 beim Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) als veröffentlicht verzeichnet waren. Ausgewertet wurden 25 der 30 Großstädte in Nordrhein-Westfalen, in denen 6,85 Millionen Menschen leben, 38 Prozent der Landesbevölkerung. Siegen und Mülheim an der Ruhr haben ihre Pläne nach dem Stichtag veröffentlicht. Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen haben die gesetzliche Frist zum 30. Juni 2026 verfehlt, Bochum hat seinen Plan inzwischen beschlossen. Grundlage ist eine Analyse des ifeu im Auftrag des BUND, die bundesweit 73 der 80 Großstädte umfasst und die der BUND parallel veröffentlicht. Die Auswertung legt den Fokus auf die dezentrale Versorgung, da die meisten Pläne den künftigen Energiemix der Wärmenetze kaum beziffern. Die Zielszenarien setzen zudem voraus, dass der Wärmebedarf um knapp ein Viertel sinkt. Dafür unterstellen viele Pläne Sanierungsraten von 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr, heute liegt die Rate unter einem Prozent.
 

Mehr Informationen

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb