Tagebauseen: BUND fordert „Plan B“ für die Befüllung

11. August 2026 | Braunkohle, Flüsse & Gewässer, Garzweiler, Hambach, Klimawandel, Wasser

Zunehmende Dürre stellt geplante Entnahme des Rheinwassers infrage

Der Rhein führt historisch wenig Wasser – auch bei Rheinkilometer 712,6, wo RWE ein gigantisches Entnahmebauwerk zur Wasserentnahme errichten will.  (Dirk Jansen)

  • Niedrigwasser verschärft Zweifel an Befüllung der Tagebauseen
  • Rheinwasser wird zum Ausgleich der Tagebaufolgen benötigt
  • Überprüfung der wasserwirtschaftlichen Planungen nötig

Der Rhein führt derzeit so wenig Wasser wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zahlreiche Städte, darunter auch Köln und Düsseldorf, meldeten Ende Juli historische Niedrigwasserstände. Zugleich soll der Rhein künftig gigantische Mengen Wasser für die Befüllung der Tagebaurestseen im Rheinischen Revier liefern. Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht deshalb die bisherigen Planungen zunehmend infrage gestellt und fordert einen belastbaren „Plan B“ angesichts der zunehmenden Trockenperioden.

Dirk Jansen, BUND-Landesbeauftragter für das Rheinische Revier: „Die aktuelle Dürre ist ein Weckruf. Häufigere und längere Niedrigwasserphasen werden zur neuen Realität. Deshalb muss jetzt geklärt werden, was passiert, wenn die Rheinwasserentnahme über längere Zeit nicht möglich ist. Einen solchen Plan B darf man nicht erst entwickeln, wenn das Wasser fehlt.“

Die RWE Power AG plant eine 45 Kilometer lange Rheinwassertransportleitung (RWTL) vom Rhein bei Dormagen in die Tagebaue Hambach und Garzweiler. Bis zu 18 Kubikmeter Wasser pro Sekunde sollen bei entsprechendem Rheinabfluss entnommen werden – und das über mehrere Jahrzehnte. Nach der derzeitigen Planung soll die Befüllung ab 2030 (Tagebau Hambach) bzw. 2036 (Tagebau Garzweiler) starten und nach frühestens 40 Jahren beendet sein.
Zwar sieht die wasserrechtliche Genehmigung eine gestaffelte Entnahme vor. Bei Niedrigwasser darf die Entnahme auf maximal 1,8 Kubikmeter pro Sekunde sinken. Was aber fehlt, ist ein Konzept für den Fall, dass der Rhein über längere Zeit nicht einmal diese Wassermenge zuverlässig bereitstellen kann. Langfristig wird nämlich das Schmelzwasser aus den Schneegebieten und Gletschern im Einzugsgebiet des Rheins als stabilisierender Faktor gerade im Frühsommer und Sommer wegfallen. Zwar wurden den Zukunftsprognosen für die RWTL die aktuellen Worst-Case-Klimaberechnungen zugrunde gelegt, diese müssen aber fortlaufend angepasst werden und können die tatsächliche Situation vor Ort nicht genau abbilden.

Rheinwassertransportleitung dient nicht nur zur Seebefüllung

Das Rheinwasser soll künftig aber nicht nur für die Befüllung der Tagebaurestseen genutzt werden, sondern auch dazu beitragen, die wertvollen Feuchtgebiete im Bereich von Schwalm und Nette zu erhalten und die Grundwasserkörper beschleunigt aufzufüllen. Für die Feuchtgebiete ist die Leitung lebensnotwendig. Denn das Wasser, das bislang zur Trockenlegung der Tagebaugruben stetig abgepumpt wird, dient aktuell zur Versorgung dieser Gebiete. Entfällt diese Quelle, trocknen die Feuchtgebiete aus. Deren Erhalt war aber eine Genehmigungsvoraussetzung für den Tagebau Garzweiler II. „Die Wasserbereitstellung für die Feuchtgebiete muss absolute Priorität vor der Befüllung der Tagebaugruben bekommen. Ob die Restlöcher in 40 oder 60 Jahren voll sind, ist demgegenüber nachrangig“, so BUND-Experte Jansen.

Der BUND fordert vor diesem Hintergrund nicht nur einen „Plan B“ für den Fall, dass für längere Zeit kein Rheinwasser entnommen werden kann. Es braucht auch eine grundlegende Überprüfung der wasserwirtschaftlichen Planungen. Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels und damit verbundener Trockenheitsphasen wird eine regelmäßige Aktualisierung der Bewertung der Genehmigungen für die Rheinwassertransportleitung notwendig. Dabei müssen die Entwicklung der Niedrigwasserstände, die tatsächliche Verfügbarkeit von Rheinwasser, die Verdunstungsverluste in den Tagebaulöchern sowie die ökologischen Auswirkungen der Wasserentnahme und die Qualität des einzuleitenden Wassers berücksichtigt werden.

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