Sandoz-Chemieunfall: BUND fordert strengere PFAS-Regelungen

31. Oktober 2026 | Chemie, Wasser

Zum 40. Jahrestag der Katastrophe mahnt der Umweltverband weitere Anstrengungen im Gewässerschutz an

Auch in Nordrhein-Westfalen war die Auswirkungen des Chemieunfalls messbar: Unter anderem in Köln, wo Giftstoffe im Rhein nachgewiesen werden konnten.  (pixabay)

Am 1. November 1986 geriet eine Lagerhalle des Chemieunternehmens Sandoz in Basel in Brand. Bei der Brandbekämpfung gelangten mit dem Löschwasser Hunderte Tonnen giftiger Pestizide, Quecksilber und andere Chemikalien in den Rhein. Eine durch das Löschmittel rot gefärbte Giftwelle löste ein verheerendes Fischsterben aus. Auch in Nordrhein-Westfalen war die Katastrophe messbar: Zwischen dem 6. und 8. November passierte die Giftwelle Köln. Zahlreiche Wasserwerke entlang des Rheins schalteten vorsorglich Brunnen ab, um das Trinkwasser zu schützen.

Der Chemieunfall führte drastisch vor Augen, welche Folgen unzureichende Sicherheitsvorkehrungen und der Umgang mit gefährlichen Chemikalien für unsere Gewässer haben können. Deshalb fordert der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) weitere Anstrengungen im Gewässerschutz – insbesondere im Umgang mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS).

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND NRW: „Bei PFAS haben wir die Folgen eines jahrzehntelangen, weitgehend unkontrollierten Umgangs mit gefährlichen Stoffen noch immer nicht im Griff. Die Hersteller müssen stärker in die Verantwortung genommen werden, und die Politik muss endlich konsequent handeln. Es fehlen verbindliche Abwassergrenzwerte, die den Aufsichtsbehörden strengere Vorgaben für die Abwasserreinigung ermöglichen. Wir fordern ein umfassendes Verbot dieser Stoffgruppe, damit nicht noch mehr PFAS in die Umwelt gelangen. Es darf nicht erst wieder eine Katastrophe passieren, bevor wirksame Regeln greifen.“

Bei der Brandbekämpfung kam in großen Mengen PFAS-haltiger Löschschaum zum Einsatz. Diese sogenannten Ewigkeitschemikalien, die auch bei vielen anderen Großbränden und Löschübungen verwendet wurden, waren damals als Umweltgefahr noch kaum im Blick. Die langfristigen Folgen des Umgangs mit PFAS zeigen sich jedoch bis heute in zahlreichen belasteten Standorten und Gewässern.

Paul Kröfges, Wasserexperte des BUND NRW, war damals im Labor der Kölner Wasserwerke tätig und erinnert sich: „In Köln war die Katastrophe nicht unmittelbar sichtbar, aber messbar. Die damals nachgewiesenen Giftstoffe, darunter das Insektizid Disulfoton, erreichten etwa ein Fünftel der Konzentrationen, die am Oberrhein festgestellt wurden.“

Die Katastrophe führte zu einem Wandel im Gewässerschutz: Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) mit Sitz in Koblenz gewann an Bedeutung, die Überwachung wurde ausgebaut und ein koordiniertes Frühwarnsystem entwickelt. Heute erfassen Messstationen zahlreiche Mikroverunreinigungen bis in den Nanogrammbereich. Ergänzend soll das Non-Target-Screening helfen, unbekannte Substanzen frühzeitig zu erkennen. 

„Die Überwachung des Rheins hat sich seit der Sandoz-Katastrophe deutlich verbessert. Trotzdem enthält das Wasser weiterhin einen komplexen Cocktail aus Mikroverunreinigungen. Das Ziel der Rheinanliegerstaaten, die Belastung bis 2040 um mindestens 30 Prozent zu senken, ist deshalb ein wichtiger Schritt. Angesichts des Klimawandels und häufiger extremer Niedrigwasserphasen müssen wir die Gewässer noch besser vor Schadstoffen schützen. Deshalb setzen wir uns in der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) für eine Reduzierung um 50 Prozent ein“, sagt Paul Kröfges.

Hintergrund: 
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) werden wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten eingesetzt – etwa in beschichteten Pfannen, Regenjacken oder Kosmetika. Das Problem: PFAS sind extrem langlebig und werden unter natürlichen Bedingungen kaum abgebaut. Einmal in die Umwelt gelangt, können sie sich über Jahrzehnte bis Jahrhunderte in Böden und Gewässern anreichern. Deshalb werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. Über Trinkwasser und Lebensmittel nehmen auch Menschen die Chemikalien auf. Und während einige PFAS im Verdacht stehen, die Gesundheit erheblich zu schädigen, sind andere bereits nachweislich gesundheitsschädlich.

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