Naturschutzverbände wehren sich gegen geplanten Hyperscaler im Rheinischen Revier

28. Juli 2026 | BUND, Energiewende, Freiraumschutz, Klima & Energie, Klimawandel, Netzausbau, Strukturwandel, Technischer Umweltschutz, Wärmewende, Wasser

Foto: D. Jansen

  • KI-Rechenzentrum versiegelt rund 24 Hektar wertvollen Freiraum
  • Zahlreiche ungelöste Fragen: Fehlende Abwärmenutzung, Wasserverbrauch und offener Grünstrom-Bedarf
  • Bis zu 107 000 Tonnen zusätzliche CO2-Emmissionen pro Jahr durch fossile Diesel-Generatoren

Düsseldorf | Seit Bekanntwerden der Microsoft-Pläne im Rheinischen Revier warnt der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor dem Flächenfraß auf der „grünen Wiese“: Jedes der Groß-Rechenzentren versiegelt eine Fläche so groß wie circa 29 Fußballfelder, überwiegend auf hochwertigem Ackerland. Die BUND-Petition „Stoppt den Flächenfraß im Rheinischen Revier – Microsoft muss umplanen" haben inzwischen über 79.000 Menschen unterzeichnet.

Zur geplanten Notstromversorgung des ersten KI-Rechenzentrums in Bergheim haben BUND NRW, NABU und LNU gemeinsam Einwendungen erhoben. Die Umweltverbände wurden dabei nur für einzelne Bestandteile (wie die genannte Notstromversorgung) beteiligt. Das Rechenzentrum selbst und die gemeinsame Betrachtung mit den weiteren Standorten sind nicht Teil des Verfahrens. Ihre gemeinsamen Auswirkungen entziehen sich weitgehend der öffentlichen Kontrolle. Der BUND hat diese intransparente Vorgehensweise mehrfach scharf kritisiert.

Fossile Absicherung statt klimagerechte Planung

Abgesichert werden soll das Rechenzentrum (NRW01) durch 36 Diesel-Notstromaggregate mit rund 300 Megawatt Feuerungswärmeleistung. Allein für dieses eine Rechenzentrum beziffert der Antrag die zusätzlichen jährlichen CO₂-Emissionen des Notstrombetriebs auf rund 40.000 Tonnen bei einem Betrieb von 400 Stunden pro Jahr (rund 107.000 Tonnen für den gesamten Campus in Bergheim). Damit steht die Planung im offenen Widerspruch zum gesetzlichen Ziel der Klimaneutralität bis 2045 und zu den selbst gesteckten Nachhaltigkeitszielen des Konzerns. Dass es anders geht, beweist Microsoft selbst: An Standorten in Schweden und Dublin ersetzt das Unternehmen Dieselgeneratoren bereits durch Batteriespeicher und netzinteraktive Systeme, die emissionsfrei arbeiten und das Stromnetz sogar stabilisieren.

Dario Deilmann, BUND NRW-Klimaschutzreferent: „2028 eine neue fossile Notstromversorgung zu errichten, während anderswo Batteriespeicher längst funktionieren, ist ein klimaschutzpolitisches Armutszeugnis. Anlagen dieser Größenordnung brauchen ein Konzept aus erneuerbaren Energiequellen und Speichern. Keine Dieselaggregate, die Klimaziele untergraben und das Umfeld mit Stickoxiden und Feinstaub belasten. Zugleich bleibt bislang offen, ob der enorme Dauerstrombedarf zu jeder Zeit überhaupt zu 100 Prozent durch Erneuerbare Energien gedeckt werden kann.“

Hinzu kommt, dass die erhebliche Abwärme des Rechenzentrums offenbar in weiten Teilen ungenutzt bleibt, obwohl das Energieeffizienzgesetz deren Nutzung inzwischen verbindlich vorschreibt. Bislang liegt der Öffentlichkeit weder von der Stadt Bergheim noch von Microsoft ein schlüssiges Konzept zur Nutzung der Abwärme vor.

Zwar sieht der BUND die Ansiedlung zukunftsträchtiger Unternehmen wie Microsoft grundsätzlich positiv. Wenn dadurch aber fruchtbare Böden verloren gehen, bedeute dies die unwiderrufliche Zerstörung von guten landwirtschaftlichen Nutzflächen. Diese Flächen sind nicht nur für die regionale Nahrungsmittelproduktion wichtig, sondern können auch zur Erhaltung der Biodiversität beitragen. Unversiegelte Böden sind zudem unersetzliche Wasserspeicher in Dürreperioden und zur Vorbeugung von Hochwasser.

Dirk Jansen, BUND-Beauftrager für das rheinische Revier: „Der knappe Freiraum im Rheinischen Revier ist in Gefahr, dabei gibt es bessere Standort-Alternativen. Die Microsoft-Hyperscaler stehen dabei stellvertretend für viele Fehlentwicklungen in der Region. Ein Strukturwandel, der wertvolles Ackerland unter Rechenzentren begräbt, verfehlt den eigenen Anspruch einer klimaneutralen, nachhaltigen Industrieregion.“

Die Naturschutzverbände fordern die Bezirksregierung Köln auf, die Genehmigung in der beantragten Form zu versagen und von Microsoft ein Konzept für eine fossilfreie Notstromversorgung anzufordern. Grundsätzlich fordert der BUND NRW, bei der Planung der Rechenzentren die vorrangige Nutzung der zahlreich vorhandenen Alternativen an vorbelasteten, bereits versiegelten Flächen verbindlich vorzugeben.


Hinweise:

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb