Die meisten Kommunen zwischen Rur und Weser haben es bisher nicht vermocht, der zunehmenden Verbauung, Verunreinigung und weiterer Fehlplanungen an ihren Gewässern wie vorgeschrieben Einhalt zu gebieten, um Hochwasserrisiken anzugehen und natürliche Trinkwasserquellen zu schützen. Dies ist das Ergebnis einer landesweiten Stichproben-Umfrage der Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und Naturschutzbund (NABU) zum Umsetzungsstand der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Nordrhein-Westfalen. Die Umweltverbände fordern die Kommunen auf, die Landesmittel endlich abzurufen und den erdrückenden Maßnahmenstau abzuarbeiten.
Nur noch acht Prozent der gesamten Flusslänge in NRW ist intakt. Besonders in den Flussgebieten Ems, Rhein, Rur und Sieg wächst die Unzufriedenheit der Naturschützer, dass zu wenig zum Schutz und zur Sanierung kleinerer Flüsse, Auen, Seen und Grundwasser getan werde. Die Wasserrahmenrichtlinie verlange den guten Zustand grundsätzlich aller Gewässer bis 2015, doch dringende Maßnahmen würden unerlaubt über 2024 hinausgeschoben.
„Obwohl Agrarfabriken Millionengeschenke auf Kosten der VerbraucherInnen erhalten und bereits 40 Prozent des Grundwassers in NRW mit Nitraten übermäßig verschmutzen, wird nichts unternommen, um etwa in der Emsaue die unrechtmäßige Gülleverklappung zu stoppen oder Pufferstreifen in den Agrarsteppen im Einzugsgebiet der Issel anzulegen“, kritisiert Holger Sticht, Vorsitzender der BUND NRW. „Wir erwarten aus jedem Rathaus Taten, statt den Kniefall vor der Agrarlobby.“
„Skandalös sind die nahezu 20 uns bekannten Fälle, bei denen Kommunen den Verlust der letzten Rückzugsräume für die Natur zulassen, obwohl sie damit gegen die Zielsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie verstoßen“, erklärt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. So wür-den immer noch Bäche leichtfertig verrohrt oder für Discounter verdrängt. Bestehende oder neue, für Wassertiere nicht sicher durchgängige Wasserkraftanlagen in Schutzgebieten für gefährdete Wanderfische wie an der Rur und der Sieg würden geduldet. „Obwohl ein gewässerverträglicher Hochwasserschutz einen bis zu siebenfach höheren Nutzen für die regionale Wirtschaft und Allge-meinheit erbringt, wird stattdessen auf riskante Planungen gesetzt“, mahnt Mark vom Hofe, Vorsitzender des LNU NRW. “ So soll zum Beispiel in den Vichtbach (Rur) ein Damm gebaut werden und Auenflächen am Hengsteysee (Ruhr) großflächig betoniert werden“.
Es gibt nach Ansicht der Naturschutzverbände aber auch ermutigende Ansätze z.B. in Arnsberg, Detmold und Soest, wo konkrete Maßnahmen entsprechend der WRRL geplant und umgesetzt wurden. Die Verbände unterstützen solche Planungen mit dem ‚Wassernetz NRW‘. Das Netzwerk wurde von BUND, NABU und LNU bereits 2004 als gemeinsames Projekt ins Leben gerufen und berät seine Mitglieder bei der Förderung der WRRL-Umsetzung vor Ort. Anlässlich einer Experten-Tagung am vergangenen Samstag bestätigten die Teilnehmenden ihr Engagement für die Gewässer vor ihrer Haustür.
Nähere Informationen: www.wassernetz-nrw.de