Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe: BUND fordert mehr ökologischen Hochwasserschutz

14. Juli 2026 | Flüsse & Gewässer, Freiraumschutz, Klimawandel, Wasser

Kaum Fortschritte der Landesregierung zu erkennen

Gebt den Flüssen wieder mehr Raum! Intakte Auen und flussferne Deiche sind am Rhein angewandter Hochwasserschutz. [Foto: Dario Deilmann]

  • Ökologischer Hochwasserschutz muss Priorität vor technischen Bauwerken haben
  • Schwammlandschaft als Leitbild
  • BUND fordert konsequentes Bebauungsverbot für Vorsorge- und Risikoflächen

Fünf Jahre nach der katastrophalen Flut im Ahrtal zieht der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine ernüchternde Bilanz: Statt einer echten Trendwende hin zu einem vorsorgenden, ökologischen Hochwasserschutz gibt es in NRW bislang vor allem eine Fülle von Konzepten und Strategien, die jedoch das zentrale Problem – die Konkurrenz um die Flächennutzung – nicht angehen. Zwar hat die Landesregierung die finanziellen und personellen Mittel für den Hochwasserschutz deutlich erhöht und mit dem im Februar unterzeichneten „Pakt für Hochwasserschutz“ endlich einen verbindlicheren Rahmen für die dringend notwendige Zusammenarbeit in Flusseinzugsgebieten geschaffen. Doch einen konsequenten Vorrang für den Schutz von Überschwemmungsflächen in Risiko- und Vorsorgebereichen gibt es nach wie vor nicht.

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND NRW: „In Zeiten zunehmender und wenig kalkulierbarer Hochwasserkatastrophen braucht es einen ganzheitlichen Schutzansatz, der den Flüssen endlich den Raum in der freien Landschaft gibt, um sich ausbreiten und das Wasser für einen längeren Zeitraum speichern zu können. Nur so kann das Versagen von technischen Bauwerken wie Deichen und Hochwasserrückhaltebecken bei Extremsituationen verhindert werden. Dass eine Bebauung und Versiegelung von Risikobereichen noch immer möglich ist, ist skandalös.“

Wie schwierig die Umsetzung dieses Ansatzes ist, zeigt der jahrelange Streit um den Himmelgeister Rheindeich in Düsseldorf. Statt den dortigen, sanierungsbedürftigen Deich weiter ins Landesinnere zu verlegen, plant die Stadt Düsseldorf, ihn auf der alten Trasse neu zu bauen – und verschenkt damit bis zu 113 Hektar wertvollen Retentionsraums. Der BUND NRW klagte dagegen und bekam 2022 vor dem Oberverwaltungsgericht Münster recht: Die vom Verband geforderte Alternative einer Deichrückverlegung wurde nicht ausreichend geprüft. Diese würde Hochwasserspitzen abfangen, mehr Sicherheit für die Anwohnerschaft und zugleich deutliche ökologische Vorteile mit sich bringen. 

Simone von Kampen, politische Geschäftsführerin des BUND NRW: „Neben Starkregen und Hochwasser nehmen bei den Extremwetterereignissen auch Dürreperioden mit Wasserknappheit und Grundwasserstress zu. Überflutungsflächen sind die Antwort auf beides: Sie können das kostbare Wasser langfristig wie ein Schwamm in Boden und Pflanzen speichern. Durch die Verdunstung und Kühlung, die dadurch entsteht, können sie sogar die Hitze in unseren Städten mildern. Zudem schaffen wiederhergestellte Auen neuen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen und fördern damit den Erhalt der Artenvielfalt.“

Dass eine solche Rückverlegung auch in der Praxis funktionieren kann, zeigt Duisburg-Mündelheim: Dort erfolgte im Juni 2026 der Spatenstich für die Sanierung des Rheindeichs, der dabei um 500 Meter ins Landesinnere verlegt wird und dem Fluss rund 60 Hektar zusätzlichen Retentionsraum zurückgibt.  

Der BUND fordert von Bundes- und Landesregierung anlässlich des Jahrestags konkret:

  • Priorität für den ökologischen Hochwasserschutz und Leitbild Schwammlandschaft: Wasser in der Fläche zurückzuhalten, muss das bevorzugte Ziel sein.
  • Vorzeigeprojekte wie die Deichrückverlegung in Duisburg-Mündelheim müssen zum Regelfall werden – mit klaren, überprüfbaren Umsetzungsfristen für alle zehn Regionalpakte.
  • Flächenfraß stoppen: In Vorsorge- und Risikogebieten muss Bebauung und Neuversiegelung konsequent unterbunden werden.
  • Umsetzung der EU-Wasser-Rahmen-Richtlinie: NRW muss den guten ökologischen Zustand seiner Gewässer endlich ambitioniert vorantreiben.
  • Die EU-Wiederherstellungsverordnung zur Wiederherstellung von Ökosystemen als Hebel nutzen: Flüsse müssen frei fließen können und Auen renaturiert werden.
  • Synergien nutzen: Hochwasserschutz muss konsequent mit Klimaanpassung und -vorsorge, Biodiversitätsschutz und dem Landschaftswasserhaushalt verknüpft werden.

„Starkregen- und Hochwasserereignisse werden durch die Klimakrise häufiger und heftiger. Das Zeitfenster, in dem wir uns noch vorsorgend darauf einstellen können, wird kleiner. NRW muss nun schnell handeln und Maßnahmen ergreifen – nicht nur neue Pakte auf dem Papier schließen“, betont von Kampen.

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