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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Deutschland muss glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel verbieten

30. November 2017 | Landwirtschaft, Pestizide

BUND und SPD mit gemeinsamen Forderungen

(D. Jansen)

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Köln haben heute der Experte des BUND Landesverbandes NRW Dr. Helmut Röscheisen und der Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion Prof. Karl Lauterbach ein Verbot von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln in Deutschland verlangt. Die fünfjährige Verlängerung der EU-weiten Zulassung des Wirkstoffes Glyphosat selbst wurde erst dank der in der Bundesregierung nicht abgestimmten Unterstützung durch den deutschen Bundesagrarminister Schmidt ermöglicht. Deutschland kann nach der Zulassung des Wirkstoffes zwar Glyphosat selbst nicht verbieten, wohl aber das Inverkehrbringen von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln untersagen. Eine neue Regierung in Berlin müsse dem Beispiel Frankreichs folgen und innerhalb kurzer Zeit ein nationales Verbot erlassen.

Bereits im März 2015 hat die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat in die zweithöchste Gefahrenstufe und damit als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Glyphosat und sein Abbauprodukt AMPA beeinflussen die Fähigkeit der Zelle, ihr genetisches Material exakt zu kopieren und zu vervielfältigen. Dies führt zu einem erhöhten Krebsrisiko. Im wichtigen argentinischen Anbaugebiet von Soja mit einem massiven Einsatz von Glyphosat ,der Provinz Chaco, steigen die Krebsraten. Glyphosat steht zudem im Verdacht, Embryonen zu schädigen, wie eine argentinische Studie zeigt. Im Laborversuch wurden bei Frosch- und Hühner-Embryonen, die Glyphosat ausgesetzt wurden, Deformationen festgestellt. So stieg in der Provinz Chaco die Anzahl von Missbildungen bei Neugeborenen von 1997 bis 2009 auf das Vierfache. Studien an Zellkulturen und an Ratten zeigen zudem, dass Glyphosat Einfluss auf den weiblichen und männlichen Hormonhaushalt haben.

Glyphosat ist ein weltweit in großem Umfang eingesetztes Breitbandherbizid. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Einsatz von Herbiziden überlebt. In Deutschland kommt Glyphosat in der konventionellen Landwirtschaft auf etwa 40% der Ackerflächen sowie auf kommunalen und privaten Flächen zur Anwendung. Es soll die Felder frei von Wildkräutern halten. Weniger Wildpflanzen auf den Ackerflächen bieten aber Insekten, der Hauptnahrung von Vögeln, weniger Lebensraum. 30% aller Vögel der Agrarlandschaft stehen bereits auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten. Glyphosat ist zudem ein Wasserschadstoff. Hier sind besonders Amphibien betroffen, deren Embryonalentwicklung gestört wird.

BUND-Experte Röscheisen wies auf eine weniger bekannte Auswirkung von Glyphosat hin. Forscher der Wiener Universität für Bodenkultur haben in Feldversuchen bei Regenwürmern und dem Einsatz von Glyphosat nach sechs Wochen eine 60-prozentige Abnahme der Fortpflanzung und Aktivität festgestellt. „Regenwürmer sind aber für die Funktion und Fruchtbarkeit des Bodens unverzichtbar und spielen auch bei der Wasseraufnahmekapazität des Bodens bei Starkregen eine wichtige Rolle. So ist es nicht verwunderlich, dass nach langjährigem Einsatz von Glyphosat in Südamerika festgestellt wurde, dass die Krümelstruktur des Bodens und bodenfördernde Mikroorganismen zerstört werden“, sagte Röscheisen.  

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