Delta Rhine Corridor: BUND kündigt Widerstand gegen CO₂-Pipelines durch NRW an

28. Oktober 2026 | CCS, Energiewende, Klima & Energie, Klimawandel

Umweltverband warnt vor den Risiken und fordert Landesregierung auf, die Unterstützung zu entziehen

Der BUND wehrt sich gegen den Bau von CO₂-Pipelines, die unter anderem durch wertvolle Wälder führen sollen.  (Dario Deilmann)

  • CO₂-Pipeline verlängert die Abhängigkeit von Öl und Gas
  • Teure Scheinlösung auf Kosten von Wäldern und europäischen Schutzgebieten
  • Fragen zur Sicherheit der Anwohner*innen bleiben offen


Düsseldorf | Mit dem Ende der Öffentlichkeitsbeteiligung bekräftigt der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sein Nein zur geplanten CO₂-Leitung „Delta Rhine Corridor“ und kündigt Widerstand gegen ein CO₂-Pipelinenetz in Nordrhein-Westfalen an. Die rund 200 Kilometer lange Leitung des Gasnetzbetreibers Open Grid Europe (OGE) soll Kohlendioxid von den Industriestandorten Gelsenkirchen-Scholven und Wesseling an die niederländische Grenze bringen. Anschließend soll es unter der Nordsee deponiert werden. Parallel plant OGE mit „Ruhbens“ eine zweite Leitung von Wesseling an die belgische Grenze. Zusammen kämen beide auf rund 280 Kilometer.

Thomas Krämerkämper, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND NRW: „Der Delta Rhine Corridor verzögert den Abschied von Öl und Gas noch weiter. Wie befürchtet wird CCS nicht für wirklich unvermeidliche Emissionen eingesetzt, sondern für Standorte, die seit Jahrzehnten von Erdöl und Erdgas leben. Ausgerechnet die Branchen, die das Klima mit angeheizt haben, sollen von der Landes- und Bundesregierung gefördert weiterhin CO₂ emittieren dürfen – denn CCS speichert nur einen Teil der Abgase. Das ist ein Geschenk für Klimaverschmutzer. Mehr als 1.400 Stellungnahmen in gut vier Wochen zeigen, wie sehr das Vorhaben die Menschen im Land bewegt. Wir werden diesen Plänen mit allen uns zur Verfügung stehenden politischen und rechtsstaatlichen Mitteln entgegentreten.“

CO₂-Netz droht fossile Abhängigkeiten zu verlängern

Beide Leitungen gehören zu einem deutschlandweiten geplanten CO₂-Netz, das nach Abschluss aller Ausbaustufen rund 120 Millionen Tonnen CO₂ im Jahr aufnehmen soll. OGE plant dafür Anschlüsse an Exporthäfen in Wilhelmshaven, Rotterdam und Belgien sowie an der dänischen Grenze. Welche Unternehmen in welchem Umfang einspeisen wollen, legt OGE nicht offen. Den Weg ebnet das Kohlendioxid-Speicherung-und-Transport-Gesetz (KSpTG) des Bundes: Seit November 2025 liegen CO₂-Leitungen im „überragenden öffentlichen Interesse“. Für den Bau dürfen Grundstückseigentümer*innen sogar enteignet werden. Ob sich die Emissionen grundsätzlich und zuallererst vermeiden ließen, prüft das Gesetz nicht.

Dario Deilmann, Referent für Klimaschutz beim BUND NRW: „Ein Netz dieser Größe rechnet sich nur, wenn über Jahrzehnte möglichst viel CO₂ hindurchfließt. So wird eine Scheinlösung zum klimaschädlichen Geschäftsmodell, und der Druck auf die Industrie, ihre Prozesse umzustellen, sinkt. Den Schaden richtet die Leitung schon vorher an: Durch gerodete Wälder, zerstörte Feuchtgebiete und die Materialproduktion würde allein ihr Bau Zehntausende Tonnen CO₂ freisetzen.“

Auf der von OGE bevorzugten Trasse wären rund 23 Kilometer Wald, zahlreiche Feuchtgebiete wie im Schwalm-Nette Raum und Moorlebensräume auf der Bergischen Heideterrasse betroffen.

Offene Sicherheitsfragen

Ungeklärt ist zudem, wie Bevölkerung und Umwelt bei einem Unfall geschützt werden sollen. CO₂ ist schwerer als Luft, sammelt sich in Mulden und Tälern und wirkt in hoher Konzentration erstickend. Nach dem Bruch einer CO₂-Leitung im US-Bundesstaat Mississippi mussten im Februar 2020 insgesamt 45 Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Im August 2008 wurden in Mönchengladbach 107 Menschen verletzt, als Kohlendioxid aus einer defekten Löschanlage strömte. Berechnungen, wie sich das Gas bei einem Bruch der geplanten Leitung ausbreiten würde, fehlen bislang. Über einen zehn Meter breiten Schutzstreifen hinaus sehen die Unterlagen keinen Sicherheitsabstand zu Wohnhäusern vor. Kreise und Kommunen müssten sich auf diese neuen Gefahren vorbereiten, indem sie Feuerwehren, Rettungsdienste und Katastrophenschutz schulen sowie mit Ausrüstung ausstatten. Wer das bezahlt, ist derzeit offen.

Emissionen vermeiden statt CO₂ verpressen

Für den BUND ist deshalb klar: Anstatt Emissionen zu transportieren und zu deponieren, müssen sie vermieden werden. Dazu gehören ein verbindlicher Ausstiegsplan aus Kohle, Öl und Gas, der rasche und naturverträgliche Ausbau der erneuerbaren Energien, eine echte Kreislaufwirtschaft und der Schutz von Mooren und Wäldern als natürlichen Kohlenstoffspeichern. Öffentliches Geld für CCS lehnt der Verband ab. Der BUND fordert die Landesregierung auf, ihre Unterstützung für diese Pipeline-Planungen zurückzuziehen.

Hintergrund:
Die eingegangenen Stellungnahmen werten die Bezirksregierungen Düsseldorf und Köln sowie die Regionalverband Ruhr aus. Sie prüfen, ob sich die Leitung mit Siedlungen, Natur und anderen Planungen vereinbaren lassen und welcher Korridor dafür infrage kommt. Ihr Ergebnis wird für 2027 erwartet. Hierbei handelt es sich noch nicht um eine Genehmigung, es gibt aber die Richtung für den weiteren Verlauf vor. Danach will OGE die Planfeststellung beantragen, das eigentliche Genehmigungsverfahren, in dem der genaue Verlauf der Leitung festgelegt wird. Zur zweiten Leitung „Ruhbens“ können alle Bürger*innen noch bis zum 6. November bei der Bezirksregierung Köln Stellung nehmen. Der BUND empfiehlt allen diese Möglichkeit zu nutzen.


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