Chempark Leverkusen leitet gefährliche PFAS und verbotene Pestizide in den Rhein

11. Juli 2025 | Chemie, Flüsse & Gewässer, Technischer Umweltschutz, Umweltgifte, Wasser

BUND fordert Produktionsverbot für Ewigkeitschemikalie PFAS

Das Bild zeigt den Chempark Leverkusen. [Foto: Paul Kröfges] Vom Chempark Leverkusen werden noch immer giftige Substanzen in den Rhein eingeleitet. [Foto: Paul Kröfges]

  • Landesregierung muss handeln
  • Verursacherhaftung muss greifen
  • Grenzwerte für PFAS einführen
     

Düsseldorf | Noch immer belastet der Chempark der Firma Currenta über die Kläranlage Leverkusen-Bürrig den Rhein mit der Ewigkeitschemikalie PFAS und zahlreichen anderen Schadstoffen. So werden zum Beispiel auch erhebliche Mengen von Pestiziden eingeleitet, deren Anwendung EU-weit verboten ist. Das zeigt eine aktuelle Recherche des nordrhein-westfälischen Landesverbandes des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND: "Der andauernde Skandal um die PFAS-Vergiftung des Rheinwassers zeigt, dass wir endlich ein generelles Verbot der Produktion dieser Ewigkeitschemikalien brauchen. Jede Minute reichern sich mehr PFAS-Verbindungen in unserer Umwelt an und gefährden Menschenleben. Die EU-Kommission muss einen Plan aufstellen, wie bis 2030 aus Produktion und Verwendung der gesamten PFAS-Gruppe ausgestiegen werden kann.  Auch die Landesregierung muss jetzt Verantwortung übernehmen und sich für das Verbot von PFAS einsetzen. Dazu müssen die Verursacher dieser Kontamination finanziell in die Pflicht genommen werden – damit nicht weiter wir alle für Wasseraufbereitung und Sanierung zahlen müssen."

Ende 2023 hatte der Chemiekonzern LANXESS verkündet, die PFAS-Produktion am Standort Leverkusen einzustellen. Recherchen des BUND in der Wasserdatenbank des Landes Nordrhein-Westfalen ELWAS-Web belegen aber eine ganzjährig gleichbleibend hohe Abwasserbelastung in 2024. Diese hält an, der Orientierungswert für PFAS im Abwasser von 35 Gramm pro Tag wird um das Drei- bis Zehnfache überschritten. Im März 2025 überstieg ein Messwert den Level sogar um das Fünfzigfache - fast zwei Kilogramm PFAS pro Tag wurden dabei in den Rhein geleitet.

Zur Aufklärung des Abwasserskandals hat der BUND am 7. Juli 2025 eine offizielle Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz an die Bezirksregierung Köln gestellt. Auch der Westdeutsche Rundfunk hat die zuständige Genehmigungsbehörde mit den Vorfällen konfrontiert. Nach den vorliegenden Antworten erhärtet sich der Verdacht des BUND, dass in Leverkusen Spül- und Reinigungswässer der außer Betrieb genommenen Produktionsanlage „portioniert“ mit dem Abwasser entsorgt wurden. Es gibt auch weitere PFAS-Emittenten im Chempark. Weil es in Deutschland keine gesetzlich verbindlichen Grenzwerte gibt, wird weiter auf „freiwilliger Basis“ um Verringerungen verhandelt.

Verbotenes Pestizid nachgewiesen

Nach den BUND-Recherchen enthält das Abwasser zudem mehrere giftige Pestizide, die schon lange in der EU verboten sind. Besonders hoch dabei sind die Werte für Cyproconazol, einem seit 2022 in der EU verbotenem Fungizid, von dem das Currenta Abwasser seit Jahren mindestens ein Kilogramm pro Woche in den Rhein abgibt. Das wird möglich, weil zwar die Anwendung des Pestizids europaweit verboten ist, nicht aber dessen Produktion und Export in die übrige Welt. Ein generelles Produktionsverbot wird seit Jahren diskutiert, scheiterte aber in Zeiten der Ampel-Regierung an der FDP. Über die Produktion des Pestizids bei der Bayer AG am Standort Leverkusen geraten die Gifte dann ins Abwasser und damit in den Rhein, der indirekt für Millionen Menschen in NRW und den Niederlanden eine unverzichtbare Trinkwasserquelle ist.

Paul Kröfges, Gewässerschutzexperte des BUND: „Die Saumseligkeit des Gesetzgebers und die Zahnlosigkeit der Aufsichtsbehörde müssen ein Ende haben. Giftige Pestizide, die bereits verboten sind, dürfen hier auch nicht mehr produziert und exportiert werden und es müssen endlich klare Grenzwerte mit dem Ziel einer Nullemission bei den PFAS geben. Und am Standort Leverkusen muss die Reinigung der Industrieabwässer wesentlich verbessert und eine 4. Reinigungsstufe beschleunigt zum Einsatz kommen.“ 


Hintergrund PFAS:

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) werden wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten eingesetzt. Diesen technischen Vorteilen stehen außerordentlich gefährlichen Eigenschaften für den Menschen und die Umwelt gegenüber. Allen PFAS ist gemein, dass sie unter natürlichen Bedingungen kaum abgebaut werden und über Jahrhunderte in der Umwelt verbleiben.  Einige PFAS sind nachweislich gesundheitsgefährdend: Sie können unter anderem Organschäden, erhöhte Fehlgeburtenraten und Krebs verursachen. Sie können auch zu Schilddrüsenerkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen führen und die Wirksamkeit von Regelimpfungen mindern. Je mehr PFAS in die Umwelt gelangen, umso stärker können sie sich im menschlichen Körper anreichern. Menschen nehmen die Chemikalien zum Beispiel über Trinkwasser und Nahrung auf.

Neben der Langlebigkeit (Persistenz) ist der Umfang der Stoffgruppe mit inzwischen mehr als 10.000 Einzelverbindungen ein Problem. Die allermeisten PFAS-Verbindungen auf dem Markt sind kaum oder nur unzureichend untersucht.

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