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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

BUND-Wildkatzenstudie belegt: Wildkatzen besiedeln die gesamten Villewälder bis Knapsack

16. November 2017 | Naturschutz, Wildkatze, Tiere und Pflanzen, Lebensräume

Der BUND NRW hat im nördlichen Bereich der Villewälder zwischen der Autobahn 553 und dem Industriegebiet Knapsack bei Hürth mit Hilfe von Lockstöcken eine weibliche Wildkatze und drei verschiedene Männchen nachgewiesen. Die Villewälder waren seit den 1960er Jahren nicht mehr von der Wildkatze besiedelt. Zusammen mit den Ergebnissen einer Erhebung durch den BUND aus dem Jahr 2012 ist eine Wiederbesiedlung der kompletten Villewälder nun belegt.

 (Foto: Achim Baumgartner)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Nordrhein-Westfalen hat im nördlichen Bereich der Villewälder zwischen der Autobahn 553 und dem Industriegebiet Knapsack bei Hürth mit Hilfe von Lockstöcken eine weibliche Wildkatze und drei verschiedene Männchen nachgewiesen. Die Villewälder waren seit den 1960er Jahren nicht mehr von der Wildkatze besiedelt. Zusammen mit den Ergebnissen einer Erhebung durch den BUND aus dem Jahr 2012, welche für den südlichen Teil, vor den Toren Bonns, elf verschiedene Wildkatzen bestätigte, ist eine Wiederbesiedlung der kompletten Villewälder nun belegt.

Die Untersuchungen zeigen, dass das Vorkommen nicht auf einzelnen verirrten Tieren beruht, sondern eine kleine beständige Population darstellt. Doch diese Tiere können langfristig nicht ohne den Anschluss an größere Wildkatzenvorkommen überleben. So liegt der nächste Verbreitungsschwerpunkt in der Eifel. Zwischen der Eifel und den Villewäldern befinden sich die Wälder um Bad Münstereifel und Rheinbach, welche nachweislich auch durch die Wildkatze genutzt werden. Zudem konnte der BUND in diesem Winter auch eine nördliche Verbindungsachse in die Eifel über Brühl nach Düren identifizieren. Dort dienen kleine Waldstücke als „Trittsteine“.

„Aus diesen Ergebnissen wird ersichtlich, wie wichtig „Trittsteine“ und andere Korridore in unseren ausgeräumten Kulturlandschaften sind.“, sagte Holger Sticht, Vorsitzender des BUND in Nordrhein-Westfalen. Er beschreibt die weitere Aufgabe des BUND so: „Die Eifel beherbergt mit etwa 1.000 Tieren eines der größten Wildkatzenvorkommen Deutschlands. Wir wollen diese Wildkatzenpopulation weiter stärken, damit Wildkatzen aus der Eifel in die umliegenden Wälder einwandern können und sich langfristig ausbreiten.“.

Aber auch innerhalb der Villewälder selbst sind die Wildkatzen keineswegs ungefährdet. Das Gebiet wird von vier Bundesautobahnen und drei großen Bundesstraßen durchschnitten. Unter der B 265 existiert zwar eine Unterführung; die Autobahn 553 und die B 264 stellen aber tödliche Barrieren dar. Schätzungsweise fallen jährlich etwa 10% der Wildkatzen deutschlandweit dem Straßenverkehr zum Opfer. Ein zusätzlicher trauriger Nachweis für diese Gefahr wurde auch im Januar 2017 im Untersuchungsgebiet geliefert – eine überfahrene Wildkatze direkt am Eingang des Chemieparks Knapsack.

Die Rückkehr dieser scheuen Tiere deuten an, dass es eine positive Entwicklung zu mehr Strukturreichtum im Wald gibt. Tote Bäume dürfen auch mal liegen bleiben, und alte Höhlenbäume werden teilweise erhalten. Wald und Holz NRW bewirtschaftet die Villewälder. Forstamtsleiter Uwe Schölmerich freut sich über die Ausbreitung der Wildkatzen in den Wäldern. „Wir sehen darin eine Bestätigung unserer naturgemäßen Waldwirtschaft, die Naturschutz, Erholung und Holzernte gut in Einklang bringt. Der Erhalt von Tot- und Altholz ist schon lange bei uns ein Thema.“.

Alle Untersuchungen des BUND wurden im Rahmen des Projekts „Rettungsnetz Wildkatze“ durchgeführt. In dem Großprojekt arbeitet der BUND an der Wiedervernetzung unserer Waldgebiete durch sogenannte grüne Korridore. So soll der genetische Austausch der Tier- und Pflanzenarten zwischen den Regionen ermöglicht werden. Um dem Bestreben der Tiere, neue Lebensräume zu besiedeln und langfristige Populationen aufzubauen, nachzukommen, müssen Hindernisse beseitigt und Verbindungen geschaffen werden. Das kommt auch anderen auf großräumige Laub- und Mischwälder angewiesenen Arten zugute. Langfristiges Ziel ist ein Waldverbund von insgesamt 20.000 Kilometern Länge.

Pressefotos: www.bund.net/wildkatzenfotos, © siehe Fotobeschreibung

Zusatzinformationen:

Lockstöcke sind Holzpflöcke, welche mit einer Katzen anlockenden Baldrianlösung besprüht werden. Die Tiere reiben sich am rauen Holz und hinterlassen dabei Haarproben, die abgesammelt und genetisch untersucht werden.

Die Chance, eines der Tiere zu sehen, ist gering, denn Wildkatzen leben sehr zurückgezogen. Ihre Beute sind vor allem Mäuse. Menschen müssen vor den kleinen Raubtieren keine Angst haben. Im Gegenteil, der Mensch stellt eine Gefahr für die Wildkatze dar. Störungen sollten vermieden werden: Hundebesitzer sollten ihre Tiere in den Villewäldern anleinen, und Spaziergänger sollten auf den vorgesehenen Wegen bleiben.

Die Wildkatze ist in NRW vor allem in der Eifel, im Eggegebirge und dem östlich angrenzenden Bereich zur Weser beheimatet. Vermehrte Meldungen gibt es aber auch für die Wälder des Rothaargebirges, um Arnsberg und Brilon sowie im Siebengebirge.

Eine druckfähige Karte zur Verbreitung der Wildkatze in Deutschland finden Sie unter wildkatze-nrw.de/2016/12/29/verbreitung und tinyurl.com/wildkatzenvorkommen

Die Forderungen des BUND an die Politik zur zukünftigen Umsetzung des „Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“ finden Sie hier: tinyurl.com/GrueneInfrastruktur

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