Hausdülmen | Angesichts des baldigen Abzugs der britischen Rheinarmee aus dem Truppenübungsplatz Haltern am 31. Mai 2015 stellte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute vor Pressevertretern das Leitbild für die Zukunft des für den Naturschutz wichtigen Gebietes vor.
Seit Jahren bemüht sich der BUND um die Sicherung der Feucht- und Trockenheiden, Moore und Sumpfwälder, in denen Kraniche und Ziegenmelker, Heidelerchen und Bekassinen sowie zahlreiche extrem gefährdete Pflanzenarten wie Sonnentau, Bärlapp, Wacholder und verschiedene Heidearten vorkommen. „Vor dem Hintergrund der neuen Biodiversitätsstrategie des Landes kann man die Bedeutung des Truppenübungsplatzes Haltern für die nordrhein-westfälische Artenvielfalt und die angestrebte Wildnisentwicklung gar nicht hoch genug einschätzen", stellte Michael Harengerd, Sprecher des BUND für das Münsterland, fest.
Von daher begrüßt es der BUND auch ausdrücklich, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) in letzter Zeit mehrfach darauf hingewiesen habe, dass die beiden Teile des Truppenübungsplatzes Haltern gesperrt bleiben müssen; dies bezieht sich zwar auf den Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Munitionsresten, käme aber dem Schutz der dortigen Tier- und Pflanzenwelt ebenfalls zugute.
Das BUND-Leitbild richtet sich einerseits nach den europarechtlichen Vorschriften, wie sie sich aus der EU-FFH-Richtlinie ergeben. Dazu zählen neben den bei der Gebietsmeldung durch die Landesregierung 2004 hervorgehobenen Maßnahmen für die besonders zu schützenden Arten und Lebensräume auch die Vorgabe des Verschlechterungsverbots.
Dazu der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht: „Das strikt einzuhaltende Verschlechterungsverbot, das auch durch etliche Urteile des Europäischen Gerichtshofes bestätigt worden ist, bedeutet in der Praxis, dass in beiden Gebietsteilen weder Intensivlandwirtschaft noch störende Freizeitaktivitäten wie etwa Motocross stattfinden können." Auch die Quarzsandgewinnung, wie sie für das Weiße Venn offenbar angedacht ist, würde einen massiven Eingriff in die europäisch geschützten Lebensräume bedeuten.
Hauptteil des Leitbildes ist jedoch der Schutz der Arten mit ihren Lebensräumen. Um die ökologisch äußerst wertvollen Offenlandbereiche zu erhalten, sollen große Weidetiere angesiedelt werden. „Dies beträfe", so Holger Sticht, „vor allem Wisente und Wildpferde, bezieht aber auch andere Arten wie etwa Schafe mit ein."
Der BUND habe aber schon 2012 auf die besondere Bedeutung der wertvollen Areale für die Bevölkerung hervorgehoben: „Wir werden dafür Sorge tragen, dass das Naturerlebnis hier optimal ermöglicht wird – durch Wander- und Radwege, durch Beobachtungskanzeln und Aussichtstürme sowie ein Informationszentrum" verspricht der BUND-Landesvorsitzende.