See- und Fischadler in NRW: Fachleute diskutieren über den Schutz der Populationen

10. Oktober 2026 | Tiere und Pflanzen, Seeadler, Naturschutz, Vogelschutz

Der BUND hat Expert*innen aus dem In- und Ausland zur Fachtagung geladen

 (Frank Marquardt)

Wie entwickeln sich die See- und Fischadler in Nordrhein-Westfalen, welchen Gefährdungen sind die Greifvögel ausgesetzt und welche Maßnahmen können ihren Bestand langfristig stärken? Mit diesen und weiteren Fragen rund um die Population der See- und Fischadler in NRW beschäftigte sich eine Fachtagung, zu welcher der Landesarbeitskreis (LAK) Seeadler des BUND NRW am 10. Oktober in die Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW nach Recklinghausen eingeladen hatte. Unter der Moderation von Michael Jöbges, stellv. Sprecher des LAK, beleuchteten zahlreiche Fachleute aus dem In- und Ausland beleuchteten die Situation der beiden Arten und stellten Erfahrungen aus verschiedenen Regionen vor.

Erfolgsgeschichte mit Schutzauftrag 

„Wir erleben die größte Biodiversitätskrise seit Menschengedenken. Umso wichtiger ist es, dass wir proaktiv werden“, sagte Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW, zur Eröffnung der Tagung und verwies auf die Bestandsentwicklung des Seeadlers als positives Beispiel, eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Auch Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, dankte in seinem Grußwort den Expert*innen für ihren Einsatz. „Die Tatsache, dass wir jetzt eine Handvoll Brutpaare haben, ist ein Riesenerfolg, aber noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Nordrhein-Westfalen bietet für See- und Fischadler noch mehr Lebensräume und hat noch viel Potenzial“, so Krischer, der sich einen regen Erfahrungsaustausch im Rahmen der Veranstaltung versprach. 

Gleichzeitig verwiesen sowohl der Minister als auch Birgitt Beckers, Vorsitzende der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), auf die Herausforderungen in dem dicht besiedelten Bundesland NRW, samt entsprechender Verkehrswege und vielfältiger Konfliktfelder. „Nun heißt es eben, diese langsamen Ansiedlungen zu stabilisieren und weitere zu ermöglichen“, betonte Beckers mit Verweis auf das Ergreifen entsprechender Schutzmaßnahmen.

Bestandsentwicklung und Gefährdungen im Fokus

Im Mittelpunkt des Vormittags standen die Bestandsentwicklung und die rechtlichen Grundlagen des Artenschutzes. Denn die Populationen von See- und Fischadlern in NRW sind noch klein und damit besonders schutzbedürftig. Ingbert Schwinum, Sprecher des LAK Seeadler, gab einen Überblick über die Entwicklung der Seeadlerpopulation in Nordrhein-Westfalen seit 2017. Dr. Josef Tumbrinck, Abteilungsleiter Naturschutz im NRW-Umweltministerium, beleuchtete wiederum den gesetzlichen Artenschutz für diese Arten.

Welche Gefahren den Greifvögeln drohen, zeigte der Vortrag von Dr. Oliver Krone vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Er widmete sich den Todesursachen bei Seeadlern in Deutschland und ging dabei insbesondere auf Bleivergiftungen ein.

Erfahrungen aus anderen Regionen nutzen

Wie sich Seeadlerpopulationen entwickeln und schützen lassen, wurde auch anhand internationaler und überregionaler Erfahrungen diskutiert. Günther Kalin und Rainer Harries von der Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein e. V. berichteten über die Entwicklung und den Schutz der Seeadler in Schleswig-Holstein. Stef van Rijn und Peter de Boer von der Arbeitsgruppe Seeadler in den Niederlanden ergänzten die Perspektive um Erfahrungen aus dem Nachbarland.

Auch konkrete Schutzmaßnahmen vor Ort waren Thema der Tagung. Dr. Randolph Kricke von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Duisburg stellte Schutzmaßnahmen an einem Seeadlerhorst in Duisburg-Walsum vor.

Neben dem Seeadler stand ein weiterer Vogel im Mittelpunkt der Tagung: der Fischadler. Kevin Vuagniaux von den Krickenbecker Seen berichtete anschließend über Erfahrungen nach der Installation mehrerer Nisthilfen für Fischadler. Dieses Projekt scheint sich vielversprechend zu entwickeln. 

Erfolgreicher Austausch

Die Tagung brachte Fachwissen aus Forschung, Naturschutzverwaltung und praktischer Schutzarbeit zusammen. Der Blick auf Nordrhein-Westfalen, andere Bundesländer und die Niederlande bot Gelegenheit, unterschiedliche Erfahrungen kennenzulernen und Ansätze für den Schutz der See- und Fischadler einzuordnen.

Für den BUND bleibt es ein wichtiges Anliegen, die Entwicklung der noch kleinen Populationen aufmerksam zu begleiten und sich für geeignete Schutzmaßnahmen einzusetzen. Der fachliche Austausch bildet dafür eine wichtige Grundlage. Deshalb möchten wir uns ganz herzlich bei allen Teilnehmer*innen bedanken.

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