Im Sommer 2026 erreicht der Rheinpegel ein neues Rekordtief.
- Rhein ist mehr als eine Wasserstraße
- Natur- und Trinkwasserschutz müssen Vorrang haben
- BUND fordert nationalen Plan für Wasserknappheit
Düsseldorf | Anlässlich der Niedrigwasserkonferenz des Bundes am Donnerstag, 6. August, fordert der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen grundlegenden Kurswechsel in der Wasserpolitik. Die historisch niedrigen Wasserstände am Rhein sind aus Sicht des Umweltverbandes kein vorübergehendes Wetterereignis, sondern eine Folge der Klimakrise. Die Konferenz dürfe sich deshalb nicht allein auf die wirtschaftlichen Folgen für die Schifffahrt konzentrieren, sondern müsse den Schutz der Flüsse, der Trinkwasserressourcen und der natürlichen Wasserreserven in den Mittelpunkt stellen.
Simone von Kampen, Geschäftsführerin des BUND NRW: „Der Rhein ist weit mehr als eine Wasserstraße. Er ist Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und die wichtigste Trinkwasserquelle für Millionen Menschen. Wenn Bundes- und Landesregierung beim Niedrigwasser vor allem an die Schifffahrt denken, greift das viel zu kurz. Die niedrigen Pegel sind kein kurzfristiges Wetterphänomen, sondern ein deutliches Warnsignal der Klimakrise. Wir müssen endlich mehr Wasser in der Landschaft halten und unsere Flüsse widerstandsfähiger machen.“
Am Pegel Köln werden in diesen Tagen Wasserstände erwartet, die den bisherigen historischen Tiefststand aus dem Jahr 2018 unterschreiten. Niedrige Wasserstände setzen das Ökosystem Rhein, aber auch kleinere Flüsse und Bäche massiv unter Stress. Mit sinkender Wasserführung steigen Wassertemperaturen und Schadstoffkonzentrationen, während der Sauerstoffgehalt abnimmt. Besonders empfindliche Fischarten wie Meerforelle und Äsche geraten dadurch zunehmend unter Druck. Die aufkonzentrierten Schadstoffe während Niedrigwasserphasen werden außerdem zur Herausforderung für die Trinkwassergewinnung aus Rheinuferfiltrat.
Dabei ist das Niedrigwasser im Rhein nur ein Teilaspekt einer deutlich umfassenderen Wasserkrise. Nach aktuellen Daten des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) weisen Ende Juli 46 Prozent der Grundwassermessstellen niedrige bis sehr niedrige Wasserstände auf. Gleichzeitig sind 94 Prozent der Landesfläche von ungewöhnlicher Trockenheit oder Dürre betroffen – Tendenz steigend. Und auch der Niederschlag pro Quadratmeter erreichte im Juli mit durchschnittlich lediglich 18 Litern landesweit – rund 79 Prozent weniger als im langjährigen Mittel – ein neues Tief. Diese Entwicklung hat bedrohliche Folgen für alle Ökosysteme.
„Diese Zahlen zeigen, dass wir nicht nur über den Rhein sprechen dürfen. Was wir brauchen, sind langfristige und nachhaltige Lösungen – für alle Gewässer und Flächen“, so von Kampen. „Wir können die Folgen der Trockenheit nur mit umfassenden Maßnahmen begrenzen. Dazu gehören mehr Schwammlandschaften, die Renaturierung unserer Flüsse und Auen, ein sparsamerer Umgang mit Wasser sowie ein nationaler Plan für Wasserknappheit. Bei Nutzungskonflikten müssen die Trinkwasserversorgung und der Erhalt unserer Natur Vorrang vor wirtschaftlichen Einzelinteressen haben.“ Der BUND fordert deshalb, die Wasserstrategien der Bundes- und Landesregierung konsequent umzusetzen.
Statt weitere Eingriffe für eine uneingeschränkte Schiffbarkeit vorzunehmen, muss der Gütertransport durch niedrigwassergängige Schiffstypen und eine stärkere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene klimaresilient aufgestellt werden. Die Binnenschifffahrt ist an die Flüsse anzupassen – nicht umgekehrt.