BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Heizpilze – klimaschädlich und unnötig

14. September 2020 | Energiewende, Klima & Energie, Klimawandel

Terrassenheizstrahler sind kleine Klimakiller

Heizpilze sind kleine Klimakiller.

In der Öffentlichkeit ist aktuell eine bizarre Debatte um die so genannten Heizpilze entbrannt. Teile der Gastronomie sehen darin ein Mittel, der Corona-Krise zu trotzen; einige Kommunen wollen bestehende Verbote lockern. In einem Gastbeitrag für die Rheinische Post kommentiert Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND, die Debatte:

"Auch in Zeiten von Corona macht die Klimakrise keine Pause. Und gerade in unseren Städten und Gemeinden wird sich entscheiden, ob wir mit dem Klimaschutz vorankommen oder es zu Rückschritten kommt. Die Heizpilze sind sicherlich nicht unser größtes Klimaproblem, aber sie haben Symbolkraft. Allen Versuchen, die Corona-Krise gegen die Klimakrise auszuspielen, muss eine klare Absage erteilt werden.

Bei allem Verständnis für die Nöte der Gastronomie ist eines klar: Terrassenheizstrahler – ob mit Gas oder Strom betrieben – sind richtige Energieverschwender und gelten damit zu Recht als kleine Klimakiller. Ein Gas-Heizpilz ist nach Angaben des Umweltbundesamtes für den Ausstoß von bis zu 3,2 Kilogramm des Treibhausgases Kohlendioxid verantwortlich. Bei einem Einsatz von wöchentlich 40 Stunden summiert sich das in drei Monaten auf CO2-Emissionen, die ein Kleinwagen bei einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern in einem Jahr verursacht. Infrarotstrahler, im Idealfall betrieben mit erneuerbarem Strom, stellen dabei nur  auf den ersten Blick eine Alternative dar. Auch sie sind richtige Stromfresser, höchst ineffektiv und obendrein teuer. Es ist schlichtweg widersinnig, die Straße beheizen zu wollen.

Deshalb haben etliche Kommunen die Terrassenheizstrahler verbannt oder sind dabei. Dies jetzt wieder zurückzuschrauben- und sei es nur zeitweise – wäre das völlig falsche Signal. Es passt einfach nicht zusammen, den Klimanotstand auszurufen, dann aber vor der kleinsten Herausforderung zu kapitulieren.

Die Heizpilze jetzt als Allheilmittel gegen die Corona-bedingten Umsatzeinbußen hochzujazzen, geht zudem am eigentlichen Problem vorbei. Die Frage muss doch lauten, wie der Indoor-Gastronomie geholfen werden kann. Denn auch unter einem Heizpilz wird es bei zwei Grad Außentemperatur und Nieselregen nicht unbedingt gemütlich. Und die Errichtung von beheizten Außenzelten ohne freie Luftzirkulation dürfte das Corona-Problem auch nicht mindern. Anstatt sich für Heizpilze stark zu machen, sollte die Landesregierung deshalb lieber die Anschaffung von Luftreinigern und andere Infektionsschutzmaßnahmen für die Innenräume fördern.

Und noch ein Argument spricht dagegen, die Heizpilze jetzt wieder salonfähig werden zu lassen. Politik und Verwaltungen propagieren seit langem, beim Beheizen von Innenräumen Energie zu sparen. Etliche Programme wurden aufgelegt, um zum Beispiel die Wärmedämmung finanziell zu fördern. Betreibt man einen Gas-Terrassenheizstrahler eine Stunde lang, so reicht diese Energie aus, um einen gleich großen Innenraum bis zu zehnmal so lange zu beheizen. Wo bleibt da die Vorbildfunktion des öffentlichen Raums, wenn Heizpilze wieder salonfähig werden?

Auch die Gastronomie muss ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das erwarten auch immer mehr klimabewusste Gäste. Für die kalte Jahreszeit sollte die Devise deshalb lauten: Mit warmer Kleidung und einer kuscheligen Decke trotzen wir gemeinsam der Corona-Krise und leisten dabei einen Beitrag zum Klimaschutz."

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