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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

NRW-Waldbaukonzept: Klimaresistente Holzplantagen für NRW?

Naturnahe Waldökosysteme sind klimawandelresistent. [Foto: Dirk Jansen]

Das CDU-geführte Umweltministerium möchte die Wälder Nordrhein-Westfalens wegen der fortschreitenden Klimaveränderungen umrüsten. Deswegen hat sie im Zuge der Erstellung eines Waldbaukonzepts so genannte Waldentwicklungstypen erfunden, die dem zukünftigen Klima Stand halten sollen. Dabei geht es um Anbau statt um Waldgesellschaften und um amerikanische Problemarten anstelle von natürlicher Vielfalt.

Würde es beim Waldbaukonzept wirklich um Wälder gehen, böte die Pflanzensoziologie alle notwendigen Grundlagen. Doch tatsächlich werden hier die Naturwissenschaften ausgeklammert und geht es ausschließlich um den Anbau von Bäumen zwecks Holzproduktion. Deswegen wurden eigens so genannte Waldentwicklungsziele definiert, die sich tatsächlich in Baumartenempfehlungen erschöpfen. Das Ökosystem Wald mit all seinen Bewohnern aus der Tier-, Pflanzen- und Pilzwelt sowie seinen zahlreichen gesellschaftlichen Aufgaben spielt dabei eine bestenfalls untergeordnete Rolle.

Mit der „Erfahrung“ von mehreren Kalt- und Warmzeiten in den letzten Jahrmillionen wissen gerade wir in Mitteleuropa: insbesondere standortheimische Baumarten und -sippen in selbstständig gewachsenen Ökosystemen u.a. mit ihren im Laufe evolutionärer Prozesse entwickelten Symbionten werden die größte Flexibilität auf bereits zu beobachtende und noch zu erwartende Klimaveränderungen entwickeln. Aber manche Förster trauen der Natur nicht über den Weg: der Anbau soll es zukünftig besser machen. Dazu gehört, sich weiterer Baumarten des amerikanischen Kontinents zu bedienen.

Neue Lieblingsart: die Große Küstentanne (Abies grandis). Denn da die Sägeindustrie weiterhin Bedarf an Nadelhölzern anmeldet, bedarf es Ersatz für die in NRW nicht heimische und daher seit jeher häufig kränkelnde Fichte. Dabei gibt es vielfach schlechte Erfahrungen mit der Einführung gebietsfremder Baumarten. Bestes Beispiel ist die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), die nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein forstwirtschaftliches Problem geworden ist.

Dennoch sind – obwohl die „ökologische Verträglichkeit“ angeblich ein Waldbau-Grundsatz sein soll - auch unter den Baumartenkombinationen, die das neue Waldbaukonzept empfiehlt, Problemarten. Douglasie (Pseudotsuga menziesii) und Roteiche (Quercus rubra) hat das Bundesamt für Naturschutz in seiner Invasivitätsbewertung gebietsfremder Gefäßpflanzen auf die Managementliste gesetzt (BfN-Skripten 352). Damit ist aus naturschutzfachlicher Sicht kein gezieltes Einbringen zu verantworten, sondern sind vielmehr Maßnahmen zur Überwachung und lokalen Reduzierung geboten.

Fazit: wir brauchen kein Waldbaukonzept, sondern einen flächenhaften Umbau von der Forst- zur Waldwirtschaft. Das Land muss Waldökosysteme bewerben und im Sinne „öffentliches Geld für öffentliche Leistung“ honorieren. Dafür bietet beispielsweise die Biodiversitätsstrategie NRW eine handlungsfähige Grundlage.

 

BUND-Stellungnahme zum NRW-Waldbaukonzept, 2018

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