Für lebendige Wälder und Wildnisentwicklung!

In NRW sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr: 27 % der Landesfläche sind mit Bäumen bestanden, aber nur ein geringer Teil davon besteht aus Waldökosystemen. Politik und Wirtschaft haben Waldgebiete einseitig auf Holzproduktion ausgerichtet und den Anbau monotoner Forste gefördert. Ein Viertel der Waldarten ist inzwischen gefährdet, weil v.a. Lichtungen, ganz junge und ganz alte Stadien fehlen. Der BUND setzt sich für eine ökologische Waldwirtschaft und für Wildnisentwicklung ein.

Naturwald in der Egge.  (Dirk Jansen)

Wald dient längst nicht nur dazu, den Rohstoff Holz zu produzieren. Er erfüllt auch zahlreiche Gemeinwohlfunktionen, dient Zwecken der Erholung, der Umweltbildung, des Klimaschutzes sowie der Bewahrung von biologischer Vielfalt. Die nationale Biodiversitätsstrategie (NBS) von 2007 gibt daher vor, bis 2020 2 % der Landesfläche für Wildnisentwicklung sowie zusätzlich 5 % der Waldfläche Deutschlands für natürliche Waldentwicklung bereitzustellen.

Das Land NRW hat darauf aufbauend im Jahre 2011 sein „Wildnisgebietskonzept“ aufgestellt, mit welchem zumindest 10 % des landeseigenen Waldes und damit etwas mehr als 1 % der Landeswaldfläche für natürliche Waldentwicklung dauerhaft sichergestellt werden sollen. Ein guter Anfang, aber nicht wirklich ambitioniert. Denn zum Einen entspricht dies nur der nationalen Mindestanforderung, zum Anderen beschränkt sich dieses Konzept bisher auf eine teil- und stufenweise forstwirtschaftliche Stilllegung. Natürliche Waldentwicklung und Wildnisentwicklung werden miteinander vermengt, obwohl dies weder fachlich noch politisch zielführend ist. Die Anfang 2015 verabschiedete Biodiversitätsstrategie NRW enthält keine Vorgaben, um auf 5 % Naturwald bzw. 2 % Wildnisentwicklung zu kommen, obwohl bereits ein Viertel der Waldarten gefährdet oder ausgestorben ist.

Sicher ist dies in NRW eine besondere Herausforderung, denn etwa zwei Drittel der Waldfläche Nordrhein-Westfalens befinden sich in Privateigentum. Daher kommt privaten Waldbesitzern eine zentrale Rolle dabei zu, natürliche Waldentwicklung zu ermöglichen und die NBS in NRW umzusetzen.

Gleichzeitig gibt es einen wachsenden Anspruch an den Rohstoff Holz. Neben der Nutzungsaufgabe sind daher vor Allem integrative Standards für den fortlaufenden Betrieb erforderlich, um Biodiversität als Querschnittsaufgabe zu etablieren. Denn auch in einem genutzten Wald kann ausreichend Raum sein für Naturschutz.

Das Land NRW bietet mehrere Fördermöglichkeiten, damit Waldbesitzer die Übernahme von Gemeinwohlaufgaben honoriert bekommen. Allerdings mangelt es noch an umfassenden Naturschutz-Maßstäben sowie an der Kopplung der Förderkulisse an diese „Biodiversitätsstandards“. Dies ist aber erforderlich, um den Schwund der Biodiversität endlich zu stoppen und die Wälder dieses Landes für die Klimaveränderung bestmöglich zu rüsten.

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