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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Die Kraft des Wassers

Etwa 500 Wasserkraftanlagen stehen in NRW. Sie liefern pro Jahr etwa 600 Millionen Kilowattstunden Strom. Ein weiterer Ausbau der Wasserkraftnutzung unterliegt starken ökologischen Restriktionen.

Der Anteil der Wasserkraft an der Stromerzeugung in NRW ist marginal. Nur etwa 0,34 % entfallen auf diesen klassischen regenerativen Energieträger. Zwar sind technische Potenziale zum Ausbau der Wasserkraftnutzung vorhanden, doch deren Erschließung verbietet sich häufig aufgrund wasserrechtlicher und ökologischer Vorgaben. Dies gilt insbesondere für die so genannte "kleine Wasserkraft".

Der Wasserkraft wird zukünftig vermutlich allerdings vor allem als Energiespeicher eine wichtigere Rolle zukommen. Aufgrund der naturräumlichen Ausstattung NRWs kommen durchaus neue Pumpspeicherkraftwerke in NRW in Betracht, doch deren Realisierung scheitert derzeit an den energiepolitischen Rahmenbedingungen. 

Die Entwicklung neuer Technologien wie Unterflur-Speicherkraftwerken in den stillgelegten Steinkohlebergwerken bietet eine weitere interessante Möglichkeit zur Energiespeicherung.

Bewertung von Wasserkraftanlagen („kleine Wasserkraft“) ...

... bei der Erarbeitung von Stellungnahmen zu entsprechenden WHG-Verfahren.

Die Naturschutzverbände treten auf allen Ebenen für naturnahe Gewässer ein und begrüßen, dass dies mit der Forderung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie nach einem „guten ökologischen Zustand“ politisch und wasserwirtschaftlich umgesetzt werden soll. Nutzungen müssen nachhaltig und naturverträglich erfolgen. Dies dient gleichermaßen der Biodiversität und dem Klimaschutz.

Unser Ziel ist es, die Nutzung von „regenerativer Energie“ insgesamt erheblich zu erhöhen. Dazu kann auch die Wasserkraft einen Beitrag leisten. Allerdings sind ihre Möglichkeiten begrenzt und viele Potenziale sind bereits ausgeschöpft. Neue Anlagen entstehen meist nur noch als so genannte kleine Wasserkraft mit Anlagen von weniger als 1 MW Leistung. Der Anteil dieser Anlagen an der Stromerzeugung in Deutschland ist in der Summe nur marginal, mit regionalen Unterschieden.

Alle Wasserkraftanlagen greifen in die ökologischen Prozesse der Gewässer ein. Oftmals ist die Längsdurchgängigkeit unterbrochen, oberhalb der Anlage befindet sich ein gestauter Gewässerabschnitt, im Fließgewässer verbleibt oft eine zu geringe Restwassermenge. Sie sind daher aus Sicht der Naturschutzverbände nur unter bestimmten Voraussetzungen akzeptabel. Hierbei stellen wir für die aktuelle Situation in NRW fest:

Rückbau von Stauanlagen

Stauanlagen sollten dort, wo dies möglich ist, rückgebaut werden. Hierbei sind die Belange des Naturschutzes (Gewässer als Lebensraum), der Wasserwirtschaft und der WRRL zu beachten.

Nur wenn Stauanlagen anderen wichtigen Nutzungen dienen, die unter dem Vorbehalt der Verhältnismäßigkeit derzeit nicht anders zu gewährleisten sind (z.B. Erhalt von geschützten Arten und Ökosystemen, die sich als Folge und in Abhängigkeit von Stauanlagen entwickelt haben, Trinkwassergewinnung, Erhalt holzpfahlgegründeter bedeutender historischer Bauwerke u.a.), sollten sie erhalten bleiben.

Etablierung neuer oder Reaktivierung alter Wasserkraftanlagen

Jede Etablierung einer Wasserkraftanlage, sei es Neubau oder Reaktivierung, muss im Rahmen einer Gewässersystembetrachtung (Gesamtkonzept) geprüft werden. Hierbei sind die Anzahl vorhandener Wasserkraftanlagen und Querbauwerke im Gewässersystem, die jeweiligen Bewirtschaftungspläne, andere übergeordnete Planungen und vor allem die Durchwanderbarkeit für autochthone Organismen zu beachten. Vor allem wenn die WRRL-Ziele (guter ökologischer Zustand bzw. Potenzial) bereits verfehlt sind, dürfen Wasserkraftanlagen nur dann in Betrieb gehen, wenn geeignete Maßnahmen ergriffen werden, die die Erreichung des vorgesehen Ziels garantieren. Durch Wasserkraftanlagen darf der gute ökologische Zustand, bzw. das gute ökologische Potenzial oder dessen Erreichung nicht gefährdet sein.

Der Betreiber/Planer der Anlage muss stets die ökologische Unbedenklichkeit nachweisen, die dauerhaft der behördlichen Überwachung unterliegen muss.

Die Wasserkraftanlage ist technischen und ökologischen Anforderungen gemäß dem Stand der Technik unter Berücksichtigung neuester Erkenntnisse auszugestalten.

Ökologische Optimierung von Wasserkraftanlagen

Wasserkraftanlagen sind soweit möglich ökologisch zu optimieren. Hierbei sind insbesondere die Barrierewirkung der Stauanlage und des Rückstaus und die mortale Gefährdung der Fischfauna durch die Anlagen (Turbinen) zu berücksichtigen. Eine Gefährdung des Fischbestandes ist bzgl. aller zu passierenden Anlagen auszuschließen, dies muss über ein geeignetes Monitoring nachgewiesen werden.

Ein Schwallbetrieb von Wasserkraftanlagen ist bei Neuanlagen nicht mehr akzeptabel. Häufige Änderungen des Wasserstands oberhalb der Staubauwerke sind zu vermeiden.

Für Anlagen im Bergland bietet es sich an, nur einen Teil des Wassers zu nutzen und durch rückstaufreie Ausleitungsbauwerke abzuleiten. Durch entsprechende Obergräben kann dann das notwendige Gefälle bereitgestellt werden. Die Ausleitungsstrecke ist gegen die Einwanderung von Fischen zu schützen und es muss ausreichend Wasser im Mutterbett verbleiben.

Für alle anderen Querbauwerke von Wasserkraftanlagen müssen geeignete Umgehungsgerinne angelegt werden. Dabei sind “natürliche” Gerinne zu bevorzugen, unter beengten Verhältnissen sind auch “technische” Bauwerke akzeptabel. In jedem Fall muss die Funktionsfähigkeit nach dem Bau und stichprobenartig während der gesamten Betriebsdauer nachgewiesen werden.

Hinweise für eine ökologische Gestaltung der Anlagen finden sich vor allem im Handbuch Querbauwerke. Darüber hinaus ist immer der aktuelle Stand der Technik zu beachten. Des Weiteren wird auf das Handbuch Verbandsbeteiligung NRW der Naturschutzverbände verwiesen sowie dringend empfohlen, entsprechendes Expertenwissen der Verbände einzubeziehen.

BUND-Forderungen

  • Neubauten von Wasserkraftwerken nur noch in Ausnahmefällen zu genehmigen. Insbesondere sollen solche Anlagen nicht mehr nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert werden.
  • Bei allen laufenden Wasserkraftwerken zu prüfen, wie die Durchgängigkeit verbessert und andere ökologische Schäden vermindert werden können. Dazu ist schnellstmöglich ein bundesweites Kataster der Anlagen zu erstellen.
  • Bei der Modernisierung und Reaktivierung bestehender Anlagen zu prüfen, wie die Durchgängigkeit verbessert werden kann. Werden die ökologischen Ziele an diesen Anlagen nicht nachweisbar erreicht, fordert der BUND, die EEG-Vergütung zu streichen, bis die ökologischen Verbesserungen umgesetzt sind.
  • Bei allen Genehmigungsverfahren an Wasserkraftwerken die gewässerökologischen Anforderungen strikt zu prüfen und einzuhalten.
BUND-Position: Wasserkraftnutzung unter der Prämisse eines ökologischen Fließgewässerschutzes.

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