BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

BUND zum möglichen Datteln 4-Deal: „Trickserei zu Lasten des Klimaschutzes“

08. Januar 2020 | Energiewende, Klima & Energie, Klimawandel, Kohle, Kohlekraftwerk Datteln

Aufkündigung des Kohle-Konsens' befürchtet

Das umstrittene Kohlekraftwerk Datteln 4. [Foto: Thomas Krämerkämper]

Düsseldorf  | Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die heute bekannt gewordenen Überlegungen für einen Kohledeal zwischen dem Konzern Uniper und der Bundesregierung scharf. „Diese durchsichtige Trickserei zu Lasten des Klimaschutzes wäre eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Kohle-Konsens“, sagte der stellvertretende BUND-Landesvorsitzende Thomas Krämerkämper. Uniper hatte Presseberichten zufolge angeboten, alle eigenen Kohle-Kraftwerke stillzulegen, und dafür den seit Jahren umstrittenen Kohlemeiler Datteln 4 in Betrieb zu nehmen.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur und verschiedenen Fachdiensten kamen Unipers noch aktiven sieben große Stein- und Braunkohlenkraftwerksblöcke mit einer Gesamtkapazität von gut 3.700 Megawatt im vergangenen Jahr auf eine durchschnittliche Auslastung von etwa 25 Prozent. Im Jahresmittel waren real nur noch insgesamt 919 Megawatt am Markt.  Datteln 4 hat jedoch eine Nettoleistung von 1.055 Megawatt. Aufgrund der besonderen Situation alter Abnahmeverträge für den Kraftwerksneubau (RWE, Deutsche Bahn) wäre mit einer hohen Auslastung des Kraftwerkneubaus zu rechnen, obwohl die beiden Altkunden diesen Strom gar nicht mehr wollen und teilweise sogar gegen die Abnahmeverträge gerichtlich vorgehen. Hinzu kommt noch, dass die von Uniper vorgeschlagene Umrüstung der alten Kohle-Kraftwerke auf Gas wiederum mit zusätzlichen CO2-Emissionen verbunden wäre. „Dieser Vorschlag von Uniper entspräche also einer deutlichen Ausweitung der Energieerzeugung aus fossilen Quellen und damit sogar eine deutlichen Erhöhung der CO2-Emissionen“, so der BUND-Experte Krämerkämper. „Das wäre das Gegenteil des Kohle-Ausstiegskompromisses und einer Energiewende.“ 

Weitere zusätzliche Emissionen entstünden durch Unipers Vorstellungen von der Zeitschiene. Gemäß der Empfehlungen der Kohle-Kommission sollen bis Ende 2022 Steinkohlenkraftwerke einer Leistung von 7,7 Gigawatt vom Netz gehen. Datteln 4 soll 2020 gar nicht erst in Betrieb genommen werden.  Die Umrüstung der beiden Braunkohleblöcke in Schkopau hat Uniper nach Presseberichten jedoch erst für 2026 angekündigt. Für die sechs Jahre zwischen der Inbetriebnahme von Datteln 4  und der Umrüstung der Altkraftwerke sollen offenbar die Anlagen sogar parallel betrieben werden. „Mit dem von der Kohle-Kommission vorgeschlagenen Kohleausstieg und dem fein ausgehandelten Ausstiegspfad hat der Uniper-Vorschlag nichts mehr zu tun“, kritisiert BUND-Mann Krämerkämper. „Der Vorschlag Unipers zeigt einmal mehr, dass das Unternehmen massiven Druck von außen benötigt, um seine umweltzerstörerische Strategie zu ändern.“.

Gleichzeitig erinnert der BUND daran, dass noch verschiedene Klagen des Verbandes gegen das Kraftwerksprojekt anhängig sind. Der Betreiber verfüge deshalb über keine rechtskräftigen Genehmigungen.

 

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