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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Erlebe dein grünes Wunder

30. Oktober 2017 | Nachhaltigkeit

Essen ist in diesem Jahr „Grüne Hauptstadt Europas“. Doch blickt man hinter die bunte Marketingfassade bleibt nichts außer einem grünen Deckmäntelchen.

(Gecko/pixelio.de)

von Holger Sticht, Vorsitzender BUND NRW

Eine Jury der Europäischen Kommission hatte den Titel mit Essen erstmals einer Stadt mit montanindustrieller Geschichte verliehen. In der Begründung zielte man auf die Vorreiterrolle Essens in der Metropolregion Ruhr und ihre Vorbildfunktion für Städte im Strukturwandel ab. „Lösungsvorstellungen“ des Bewerbers für den Weg von der Kohle- und Stahlstadt zur „grünsten Stadt Nordrhein-Westfalens“ sollen überzeugt haben. Doch ist in diesem Jahr dieser Weg tatsächlich bestritten und die Chance genutzt worden?

Passiert ist unter dem Slogan „Erlebe dein grünes Wunder“ viel: umfangreiche Veranstaltungsprogramme wie das Familien- und Upcyclingfest oder der „Tag der Bewegung“ mit teilweiser Sperrung des Innenstadtrings für Autos, Radtouren zu Gemeinschaftsgärten, ein paar neue Ladesäulen für E-Autos etc. Ein Steg an der Ruhr wurde gebaut, um das Baden im Fluss nach 40 Jahren wieder frei zu gegeben. Allerdings nur, wenn die Wasserwerke die „grüne Flagge“ hissen. Denn bei den aufgrund der menschlichen Klimaveränderungen häufiger werdenden Starkregenereignissen wird Niederschlagswasser ungeklärt in die Ruhr eingeleitet und das Baden schnell gesundheitsschädigend.

Nur aufgrund des Drucks durch die Klage der Deutschen Umwelthilfe stellt die Bezirksregierung Düsseldorf einen neuen Luftreinhalteplan für Essen auf. Auch in diesem Jahr wurden die Bürger*innen wieder weit über das zulässige Maß hinaus mit Stickoxiden gefährdet. Der Essener Norden soll auch weiterhin ohne Landschaftsplan bleiben. Neue Naturschutzgebiete? Pestizidverbot auf stadteigenen Flächen? Fehlanzeige! Es gibt nicht einen politischen Beschluss, der grüne Ideen in die Tat umsetzt und über 2017 hinaus wirken könnte. Stattdessen sieht die mitregierende SPD Essen als wachsende Stadt. Noch Ende Oktober sagte der Vorsitzende des städtischen Planungsausschusses, dass es klar sei, dass die eine oder andere Grünfläche, auch im Landschaftsschutzgebiet, noch Wohn- und Gewerbeflächen zum Opfer fallen wird.

„Grünste Stadt Nordrhein-Westfalens“? Nichts als heiße Luft und schwarze Farbe. In Zeiten des Insektensterbens dient die Hummel am Lavendel auf dem Werbebanner nur der Verpackung, aber keinem Inhalt. In Essen tut man noch nicht einmal so, als wolle man Nachhaltigkeit auf allen Politikfeldern implementieren. Es wird anderen Städten und der Eigeninitiative ihrer Bürger*innen vorbehalten sein, Vorbildfunktion zu entwickeln. Essen ist schon jetzt abgehängt.

 

 

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