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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

BUND kritisiert präventiven Biozid-Einsatz gegen Eichenprozessionsspinner

29. April 2019 | Naturschutz, Pestizide, Schmetterlinge, Tiere und Pflanzen

Raupen des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea). [Foto: CC_BY-SA_3.0]

Zahlreiche Kommunen in Nordrhein-Westfalen starten derzeit mit der präventiven Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Der BUND hingegen kritisiert den prophylaktischen Einsatz von Bioziden, ohne dass zuvor ein konkreter Befall festgestellt wurde.

Der Eichenprozessionsspinner ist eine in Deutschland seit mindestens Mitte des 18. Jahrhunderts  einheimische Schmetterlingsart. Die Raupen bilden ab dem 3. Entwicklungsstadium Brennhaare aus, die ein Nesselgift enthalten. Dieses kann beim Kontakt mit Menschen Hautausschläge verursachen. In seltenen Fällen können auch Reizungen der Augen oder der Bronchien auftreten. Von daher kann vom Eichenprozessionsspinner  temporär  eine gesundheitliche Gefahr, insbesondere im Umfeld von Kindergärten und Spielplätzen, ausgehen, die eine Bekämpfung rechtfertigen. Der Einsatz von Bioziden sollte dabei aber auf begründete Ausnahmefälle beschränkt bleiben.

Zuerst sollte aber immer versucht werden, ohne Umwelt-Gifte klar zu kommen. Bei einem geringen Befall sollten daher zunächst mechanische Bekämpfungsmaßnahmen - zum Beispiel das Absaugen, Abflämmen (Vorsicht: Brandgefahr!) oder Absammeln von Raupen und Gespinsten oder temporäre Sperrungen von betroffenen Gebieten -  in Betracht gezogen werden.

Der Einsatz von Bioziden ist immer mit weiteren Umweltschäden verbunden. Das gilt auch für Neem Protect, eines der noch am wenigsten umweltschädlichen Mittel. NeemProtect mit dem Wirkstoff  Margosa-Extrakt des indischen Neem-Baums ist ein Fraßgift und führt zum Fraßstopp. Es hat laut Umweltbundesamt eine hohe aquatische Toxizität und wirkt auch auf alle anderen Insekten. Es besteht auch das Risiko indirekter Wirkungen v.a. für Vogel- und Fledermausarten.

Das alternativ eingesetzte Mittel ‚Dipel ES (Foray ES)‘ mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis kurstaki (Btk) ist auch ein Fraßgift. Es führt zur Darmperforation bei Raupen.  Problem: Es wirkt spezifisch auf alle Raupen nicht nur des Eichenprozessionsspinners. V.a. für Vogel- und Fledermausarten mit spezifischem Beutespektrum kann das negative Auswirkungen haben.

Ein weiteres Problem dabei: Die für die Ausbringung eingesetzten Verfahren, wie das Sprühen mit Bodenkanonen oder das Spritzen mit Hubschraubern, sind vergleichsweise unpräzise und die Ausbringgenauigkeit ist zusätzlich von einer Vielzahl äußerer Faktoren wie Winddrift abhängig. Die eingesetzten Insektizide gelangen somit nicht nur auf die befallenen Eichen, sondern auch auf angrenzende Flächen, die eigentlich nicht behandelt werden sollten. Das Umweltbundesamt konstatiert deshalb, dass die Ausbringung von Biozidprodukten im Freiland damit zu einem zum Teil erheblichen Eingriff in den Naturhaushalt führen kann, verbunden mit dem Risiko unannehmbarer Auswirkungen auf die Umwelt, ohne dabei für den Gesundheitsschutz von ausreichendem Nutzen zu sein.

Was nach Ansicht des BUND gar nicht sein darf, ist, das Mittel präventiv, d.h. ohne Nachweis, dass überhaupt ein Befall vorliegt, einzusetzen. Das mag zwar unterm Strich preiswerter und bequemer sein, offenbart aber ein seltsames  Verständnis von Naturschutz und ist rechtlich fragwürdig.

Doch genau das tun derzeit Kommunen wie Oberhausen oder Wesel. Nachdem bereits im letzten Jahr regional eine Massenvermehrung beobachtet werden konnte, befürchten sie aufgrund der Witterungsverhältnisse ein erneutes Massenauftreten, dass sie durch den präventiven Biozid-Einsatz verhindern wollen.

Auf Phasen der Massenvermehrung in der Vergangenheit  folgten immer wieder Populationseinbrüche und danach Phasen, in denen die Art kaum in Erscheinung trat. Dennoch wird die derzeitige lokale oder regionale Vermehrung des Eichenprozessionsspinners mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht: Die Art gilt als wärmeliebend, deshalb als von der Klimaerwärmung begünstigt und wird damit als Indikator für den Klimawandel angeführt 

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