12. August 2026 | Publikation
50.000 Menschen feierten am 6. Oktober 2018 den vom BUND erwirkten Rodungsstopp im Hambacher Wald.
Im Jahre 1978 wurde mit dem Aufschluss des Braunkohlentagebaus Hambach in der Niederrheinischen Bucht bei Köln begonnen. Seitdem entsteht zwischen Bergheim und Jülich das “größte Loch Europas”: Auf einer Fläche von ursprünglich bis zu 85 Quadratkilometern sollten die Bagger in Tiefen von über 450 Metern vordringen, um die Kohle zu fördern.
Die RWE Power AG plante in Hambach den Abbau von insgesamt 2,4 Milliarden Tonnen Braunkohle bis etwa zum Jahr 2040. Um die maximal 70 m-mächtigen Kohle-Flöze zu erschließen, hätten dafür insgesamt 15,4 Mrd. t Abraum (Kies, Sand, Ton) entfernt werden müssen. Durch den vom BUND und der Klimabewegung erkämpften vorgezogenen Braunkohlenausstieg endet die Braunkohlenförderung im Tagebau Hambach nunmehr zum 1. Januar 2030. Das bildet sich auch in den Fördermengen ab: Wurden im jahr 2015 noch 41 Millionen Tonnen Braunkohle aus Hambach gefördert, lag diese Menge in 2024 bei 14,9 Millionen Tonnen.
Bis heute wurden etwa 6.300 Hektar Landschaft für den Tagebau zerstört, darunter etwa 3.500 Hektar Wald. 1.720 Hektar wurden bislang wieder nutzbar gemacht, der Großteil davon forstwirtschaftlich (1.670 ha), der Rest für die Landwirtschaft (500 ha).
Der überwiegende Teil der in Hambach geförderten Kohle wird über die so gen. Hambach-Bahn zu den Kraftwerken Neurath und Niederaußem transportiert und dort zu Strom umgewandelt.
Für den Tagebau sollten ursprünglich bis 2040 insgesamt etwa 5.200 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden. Trotz des vorgezogenen Ausstiegs konnte letztlich nur der Ort Merzenich-Morschenich (neuer Name “Bürgewald”) vor den Baggern gerettet werden.
40 Jahre Widerstand
Seit Ende der 1970er Jahre kämpfen die damalige "Hambach Gruppe" und später auch der BUND gegen den Tagebau. Der BUND führte bislang Klagen gegen die Zulassung des 2. und 3. Rahmenbetriebsplanes, gegen die tagebaubedingte Verlegung der Autobahn A 4 und gegen verschiedene Hauptbetriebsplanzulassungen. Auch gegen die auf Antrag von RWE Power vom Land NRW verfügte Zwangsenteignung seines Grundstücks im Tagebau klagt der BUND.
Mit dem Erfolg des BUND im Eilverfahren trat am 5. Oktober 2018 ein Rodungsstopp in Kraft. Damit ist klar: Der Tagebau wird die 650 Hektar großen Restflächen der Bürgewälder verschonen, 1,1 Milliarden Tonnen Braunkohle bleiben im Boden. Ende 2029 soll jetzt Schluss mit der Kohlegewinnung sein. Allerdings plant RWE, noch weitere 600 Hektar Fläche östlich des Hambacher Waldes auf zwei Sohlen abzubaggern, um dort Materialien für den Böschungsaufbau im Restloch zu gewinnen. Damit wird die angestrebte Wiedervernetzung der Restwälder unterbunden und ein wichtiger Lebensraum seltener Vogel- und Fledermausarten geht verloren. Deshalb hatte der BUND am 12. März 2021 gegen die Hauptbetriebsplanzulassung 2012-2024 zur erneuten Erweiterung des Tagebaus Hambach Klage eingelegt. Auch gegen den Hauptbetriebsplan 2025-2027 zog der BUND vor Gericht.
Nach der Abweisung der Klage wurden das sogenannte “Sündenwäldchen” und weitere wichtige Grünstrukturen zerstört.
Dauerhafter Schutz des “Hambi” und Wiedervernetzung der Wälder
Seit 2024 laufen unter Beteiligung des BUND auf Landesebene Gespräche, um den Hambacher Wald dauerhaft zu schützen und die Wiedervernetzung der verinselten Waldflächen sicherzustellen. Im zentrum steht dabei der BUND-Vorschlag, den Hambacher Wald als Wildnisentwicklungsgebiet auszuweisen. Am 9. Juni 2026 wurden die entsprechenden Empfehlungen öffentlich vorgestellt.
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