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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Fachtagung 2016

Im Rahmen des Artenschutz-Projektes "Vermeidung von Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Bauelementen" des BUND NRW, welches von der Stiftung für Umwelt und Entwicklung NRW (SUE NRW) gefördert wird, wurde am 03. Juni 2016 eine Fachtagung ins Leben gerufen. Zielgruppen waren (Landschafts-)Architekt*innen, Vertreter*innen von Bau- und Umweltbehörden, der Glasindustrie sowie Naturschutzverbänden, Politiker*innen, Bauherr*innen und weitere Interessierte.

Im Laufe der ausgebuchten Veranstaltung wurden die Problematik, ihre Lösungsansätze und die derzeitigen Diskussionsfelder aufgezeigt. Nach einführenden Worten des Landesvorsitzenden des BUND NRW Holger Sticht, dem Projektreferenten der SUE NRW Herrn Budde-Iser und der Projektleiterin Dr. Judith Förster schlossen sich Fachvorträge und Diskussionen an.

Um zu den Vortragsdateien zu gelangen, klicken Sie bitte auf die jeweilige Überschrift.


Fachvorträge

Wissenschaftliche Grundlagen zu Vogelschlag an Glas und Flugtunnelversuchen für vogelfreundliche Muster

Referent: Martin Rössler, Universität für Bodenkultur, Zoologie, Wien

Herr Rössler erläuterte, nachdem er auf die immer größer werdende Nutzung von Glas an Außenfassaden eingegangen war, das Sehvermögen von Vögeln. Besonders berücksichtigte er dabei die Eigenschaften des Farb- und Bewegungssehens. Er erläuterte das eingeschränkte Farbsehen während des Fluges, welches auch das UV-Sehen beeinträchtigt, wobei es Vögel gibt, die generell kein UV-Licht wahrnehmen können. Für Vögel sichtbarer Schutz könne daher nicht für den Menschen unsichtbar sein, was Herausforderungen mit sich bringt: Lösungen müssen halbwegs ästhetisch, haltbar, bezahlbar und öffentlich akzeptiert sein. Im Namen des Vogelschutzes müssen dabei Kompromisse eingegangen werden.
Effiziente Markierungen werden in Flugtunneltests auf ihre Wirksamkeit geprüft. Dabei ging Herr Rössler genau auf die Eigenschaften und Möglichkeiten des Österreichischen Flugtunnels ein. Außerdem erläuterte er, welche Muster besonders gute wirken und welche nicht empfohlen werden können. Diese sind auch in der Broschüre "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" (2012) von der Vogelschutzwarte Sempach nachgelesen werden.


Mythen (?) und internationale Entwicklung

Referent: Heiko Haupt, Vogelschlag-Experte


18 Millionen Vögel sterben jährlich in Deutschland an Glas, so Heiko Haupt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist das Töten von geschützten Tieren, wie Vögeln, verboten. Für die Nachrüstung von Gebäuden ist jedoch ein "signifikant erhöhtes Tötungsrisiko" zu beweisen. Zur Entschärfung der Gefahr für Vögel sollten Muster gewählt werden, die nach der Broschüre "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" (2012) als hoch wirksam eingestuft wurden. Broschüre wurde unter anderem vom Bundesamt für Naturschutz mit veröffentlicht.
Nicht wirksam sind hingegen Greifvogelsilhouetten. Außerdem werden UV-reflektierende Muster als nicht ausreichend wirksam eingestuft.
Herr Haupt erläuterte außerdem, dass es derzeit neben den Flugtunneltests von Martin Rössler in Österreich auch die Etablierung eines neuen Flugtunnels in den USA gibt. Diese haben jedoch methodische Defizite. Der Vergleich zwischen den Methoden aus Österreich und den USA wurde vom Bundesamt für Naturschutz in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Sempach und der Wiener Umweltanwaltschaft hier zusammengefasst.


Herstellung vogelfreundlicher Gläser

Referent: Jan Baiker, Glas Trösch

Herr Baiker erklärte, dass Glas Trösch keine Gläser mit UV-Reflektionen mehr produziert und sich nun auf Gläser mit sichtbaren Mustern fokussieren wird. Derzeit wird ein Produkt mit dem Muster "Ortho" auf den Markt gebracht. Dabei arbeitet Glas Trösch eng mit der Vogelwarte in Sempach zusammen. In Zukunft können auch Sonderwünsche von Kunden unter Berücksichtigung der Kriterien für vogelfreundliche Muster, hergestellt werden.


Gesetzliche Grundlagen und deren Umsetzung

Referentin: Anne Koszela, Hochschule Geisenheim University

Leider musste der Vortrag kurzfristig abgesagt werden. Eine kurze Zusammenfassung der gesetzlichen Grundlagen finden Sie hier.

Außerdem hat das Umweltamt der Stadt Mainz eine ausführlichere Zusammenfassung der Rechtsgrundlagen, nach der dort im Bau- und Umweltamt gehandelt wird, herausgegeben. Die Behörden der Stadt Mainz haben so die Zusammenarbeit für das vogelfreundliche Bauen standardisiert.


Glasbau im Schutzgebiet

Referent: Achim Baumgartner, Vorsitzender BUND Rhein Sieg


Herr Baumgartner berichtete, dass im Rhein Sieg Kreis auf dem Drachenfelsplateau ein Glaskubus errichtet wurde. Dieser wurde ursprünglich mit Ornilux-Glas, welches UV-Licht reflektierende Muster hat, gebaut. Da der Glaskubus in einem FFH-Gebiet liegt (selbst aber bebauungsrechtlich ausgenommen ist), wo der höchste europäische Schutzstandart gilt und sich dort teilweise stark bedrohte Vogelpopulationen befinden, klagte die Kreisgruppe Rhein Sieg des BUND NRW.

Das Gericht entschied, dass für den höchsten europäischen Standard nur sichtbare Muster ausreichend sind, die daraufhin nachgerüstet wurden. 


Monitoring und Nachrüstung am NUA-Gebäude

Referent: Michael Jöbges, LANUV/Vogelschutzwarte


Herr Jöbges berichtete, dass am LANUV und NUA Gebäude ein Vogelschlag Monitoring durchgeführt wurde. Im Jahr 2014 wurden innerhalb von 250 Tagen 8 Totfunde, 10 Lebendfunde und 40 Vogelabdrücke gefunden. Im Februar 2016 wurden daraufhin horizontale Streifen auf die großen Glasflächen des NUA-Gebäudes geklebt. Ein Folgemonitoring läuft derzeit. Bisher gab es dabei keine Funde.


Abschlussdiskussion

Wie können Verantwortliche besser überzeugt werden?

  • für vogelfreundliche Bauten Öko-Bilanzpunkte anrechnen lassen
  • von Freiwilligkeit zur Verpflichtung von Bauherr*innen > Möglichkeiten der Umsetzung?
  • "Risikomatrix" für Neubauten, um Gefahr für Vögel definieren zu können.
  • mehr Öffentlichkeitsarbeit um einerseits den Druck auf verantwortliche zu erhöhen, andererseits aufzuklären, dass es auch möglich ist ästhetische Muster zu designen
  • Politiker müssen überzeugt werden
  • mehr Monitorings müssen durchgeführt werden
  • Funde können über den Fundmelder gemeldet werden
  • positive Beispiele produzieren und aufzeigen
  • Wie kann man Architekt*innen mehr in den Diskurs integrieren und sie motivieren?
  • Architekt*innen sollten ein Werkzeug an die Hand bekommen können > Leitfaden zum "Vogelfreundlichen Bauen mit Glas und Licht" (2012)
  • es müssten alternative hochwirksame und "schöne" Muster kreiert werden
  • Sensibilisierung bereits während der Architekt*innen-Ausbildung
  • Appell an die Glas-Produzent*innen, verstärkt weiter daran arbeiten
  • erstellen einer "Vogelschutzsatzung" (vgl. Baumschutzsatzung)

Kontakt

Dr. Judith Förster


E-Mail schreiben Tel.: 0211 / 30 2005 - 10

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