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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Pestizidfreie Kommunen in NRW voranbringen!

Städte und Gemeinden haben gegenüber Bürgerinnen und Bürgern eine Vorbildfunktion, auch wenn es um die naturnahe Gestaltung und Pflege von Grünflächen geht. Dieses gilt insbesondere für die Frage: Wie gehen wir dort mit unerwünschten Kräutern und Gräsern um? Der BUND wirbt für einen Verzicht auf Pestizide – auf Grünflächen und ebenso auf Äckern, die der Kommune gehören. Auch die Bienen werden es danken!

Stadtnatur, Feldflur und Bienen schützen

 (Ralf Bilke)

Viele Städte und Gemeinden setzen Pestizide ein – um zum Beispiel zu verhindern, dass Wildpflanzen durch ihr Spross- und Wurzelwachstum Wege beschädigen oder einen Parasitenbefall von Straßenbäumen einzudämmen oder aus ästhetischen Gründen.

Dabei gilt es zu unterscheiden: Während auf Kulturland – als solches gelten landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich genutzte Freilandflächen ebenso wie Beete, Rasenflächen in Parks, Sportflächen, Friedhöfe und Kleingärten - Pestizide grundsätzlich angewendet werden dürfen, bedarf es dazu auf sogenanntem 'Nicht-Kulturland', hierzu zählen Wege, Plätze, Parkplätze, Straßenbegleitgrün, Kinderspielplätze, Spiel- und Liegewiesen etc. gem. § 12 Absatz 2 Pflanzenschutzgesetz einer Ausnahmegenehmigung.


Es gibt Alternativen - nutzen wir sie!

Bundesweit arbeiten bereits mehr als 210 Städte ganz oder teilweise ohne Pestizide, in NRW zum Beispiel Bielefeld, Münster und Witten. Beim Freihalten von Wegen und Plätzen von Bewuchs verzichten sie weitgehend auf Chemie und nutzen stattdessen vielfältige mechanische und thermische Verfahren. Sie bepflanzen Flächen mit mehrjährigen Stauden, die Insekten ein ganzjähriges Blütenangebot und damit Nahrung und Lebensraum schaffen und bereichern damit auch das Stadtbild.

Der BUND unterstützt diese Aktivitäten und hat dazu den Ratgeber "Pestizidfreie Kommunen" erarbeitet.


Thermische und mechanische Methoden

Unerwünschte Pflanzen auf und an Wegen, Plätzen und Straßen können durch starke Hitzeeinwirkung abgetötet werden. Neben Abflamm- und Infrarot­ge­räten gibt es auch Maschinen, die mit heißem Schaum oder Dampf arbeiten. Thermische Lösungen haben allerdings einen hohen Energiebedarf, außerdem sind die Geräte teuer.

Auch deshalb verwenden mehr Kommunen mecha­nische Verfahren. Ob Kehrmaschinen mit speziellen Besen und Borsten, Fugenkratzer, Absaugsysteme, Mähgeräte oder Freischneider, generell gilt bei der mechanischen Bearbeitung: Je früher, desto besser. Eine weitsichtige Abstimmung zwischen Planung, Bau und Pflege birgt für Kommunen das größte Pestizid-Einsparpotenzial.

Einen Überblick über 'Nichtchemische Verfahren zur "Unkraut"bekämpfung auf befestigten Flächen' vermittelt u.a. die Landwirtschaftskammer NRW.


Unser Schönheitsideal: Wildkräuter zulassen

 (Ralf Bilke)

Verkehrssicherheit: Ja. Aber wie ‚ordentlich‘ muss eine Fläche aussehen? Wichtig ist die offene Kommunikation hierüber mit den Bürger*innen: Kann eine farbenfrohe Blühfläche vielleicht nicht schöner sein als eine grüne Rasenfläche? Muss jeder Löwenzahn auf dem Gehweg erbittert bekämpft werden? Fragen Sie mal Ihre Kinder nach deren Meinung. Wie viele Wildkräuter sind akzeptabel? Lassen Sie uns gemeinsam ein anderes Bewusstsein im Umgang mit der Natur finden.


Ackerflächen in kommunalem Eigentum: Glyphosat und Co. ausschließen - biologische Vielfalt fördern

 (W. Hennebrüder)

Was manchem nicht bewusst ist: Städte und Gemeinden sind oft Eigentümer*innen von landwirtschaftlichen Flächen, die sie zumeist an Landwirte verpachten. Die Pachtverträge bieten damit Gestaltungsspielraum, den Pestizideinsatz im Gemeindebezirk zu reduzieren. Dieses gilt insbesondere für Glyphosat, das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt. Als Totalherbizid sind die Auswirkungen auf die Ackerflora und damit indirekt auch auf die Ackerfauna groß: Weniger Wildpflanzen auf und neben den Ackerflächen bieten weniger Lebensraum für Insekten, die wiederum Hauptnahrung für andere Tiere wie etwa Vögel sind. Der Pestizideinsatz ist hier maßgeblich mitverantwortlich für den dramatischen Artenrückgang in unserer Agrarlandschaft.


BUND-Abfrage bei 60 NRW-Kommunen - erste Ergebnisse

Der BUND NRW und viele seiner Gruppen haben rd. 60 nordrhein-westfälische Kommunen angeschrieben und nach dem Einsatz von Pestiziden / Herbiziden und explizit von Glyphosat im städtischen Grün sowie auf den landwirtschaftlichen Flächen gefragt, die Eigentum der Kommune sind. Auf Basis der bisher vorliegenden Antworten zeichnet sich Zweierlei ab:

1. Ein sehr großer Teil der Kommunen ist in Sachen ‚Pestizid- / Herbzideinsatz‘ im öffentlichen Grün sehr sensibel und verzichtet bis auf wenige Ausnahmesituationen weitgehend darauf und setzt vielmehr auf mechanische und thermische Verfahren. Der BUND begrüßt dieses Vorgehen ausdrücklich.

2. Gleichzeitig legt die BUND-Abfrage offen, dass – von Öffentlichkeit kaum wahrgenommen - die Kommunen Eigentümer von Grünland und Ackerflächen in erheblichem Umfang sind. Die Flächen werden zumeist an örtliche Landwirte verpachtet, ohne dass die Pachtverträge den Einsatz von Pestiziden / Herbiziden in irgendeiner Weise regeln noch andere ökologische Kriterien aufnehmen.

 

Bewertung

Der BUND meint: Kommunen sollten nicht tatenlos zuschauen, was auf ihren eigenen Flächen geschieht und diese vielmehr aktiv dafür nutzen, die Vielfalt an Pflanzen und Tieren in der Agrarlandschaft und deren Lebensräume wieder zu stärken und Böden und Gewässer zu schützen.

Der BUND regt an, anders als bisher üblich die Verpachtung landwirtschaftlichen Flächen künftig an ökologische Kriterien zu knüpfen, die als Vertragsbestandteile verbindlich in die Pachtverträge aufgenommen werden. Hierzu gehören aus BUND-Sicht der Ausschluss von Glyphosat und die Einleitung einer generellen, verbindlichen Pestizidreduktion auf den stadteigenen landwirtschaftlichen Flächen, die Festschreibung einer mindestens 3gliedrigen Fruchtfolge und die verbindliche Anlage von Blühstreifen oder –hecken in den Pachtverträgen.

Die Städte- und Gemeinderäte haben es in der Hand und können dieses beschließen.

BUND-Ratgeber "Pestizidfreie Kommunen"

Der BUND stellt ein Grundkonzept einer pestizidfreien Kommune vor – und zeigt anhand einiger Kommunen auf, was alles möglich ist, wenn man es denn möchte. 

Ratgeber "Pestizidfreie Kommunen"  


BUND-Aktion ‚Pestizidfreie Kommune‘: So geht’s!

 (Netzwerk Blühende Landschaft)

Von pestizidfreien und bienenfreundlichen kommunalen Grünflächen, Wiesen und Äckern profitieren Mensch und Natur.

Deshalb: Beteiligen Sie sich an der BUND-Aktion ‚Pestizidfreie Kommunen – blütenreich und ohne Gift“.

Flyer ‚Pestizidfreie Kommunen – blütenreich und ohne Gift“ 


Wir haben vielerlei Informationen zusammengestellt und einen Musterantrag an den Stadt- oder Gemeinderat vorbereitet. Werden Sie – gerne gemeinsam mit anderen und unseren BUND-Gruppen - vor Ort aktiv. Wir unterstützen Sie dabei!

Ansprechpartner:

Ralf Bilke, ralf.bilke@bund.net

 

 

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