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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Klimaschutz heißt Braunkohlenausstieg

Die Braunkohle hat noch keinen Beitrag zum Erreichen der NRW-Klimaschutzziele geleistet.

Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger. Je Tonne verfeuerter Rohbraunkohle wird unabhängig vom Wirkungsgrad der Kraftwerke unweigerlich eine Tonne des Treibhausgases Kohlendioxid freigesetzt. In Nordrhein-Westfalen war die RWE Power AG in 2015 allein für den Ausstoß von etwa 90 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Der Großteil davon geht auf das Konto der vier Großkraftwerke Weisweiler, Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem. Neurath hat dabei nach der Inbetriebnahme von BoA 2/3 Niederaußem den Titel als "Deutschlands Klimakiller Nr. 1" abgejagt. Mehr als 32 Millionen Tonnen CO2 jährlich pustet das Kraftwerk in die Atmosphäre. Der Ausstoß an Treibhausgasen ließe sich nur durch eine CO2-Sequestrierung verringern. Das Projekt eines CCS-Kraftwerks hat RWE jedoch aufgegeben.

Auch im Hinblick auf die spezifischen CO2-Emissionen sind die rheinischen Braunkohlenkraftwerke negative Spitze. Bis zu 1.188 g CO2 pro Kilowattstunde Strom emittieren die zum Teil mehr als 50 Jahre alten Kraftwerke. Aber auch die angeblich "modernsten Braunkohlenkraftwerke der Welt", die so genannten Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Niederaußem und Neurath kommen noch immer auf etwa 950 g CO2/kWh. Das ist dreimal mehr, als bei moderne Gaskraftwerken. Diese neuen Kraftwerke werden bei Regelbetriebszeiten von 40 bis 50 Jahren noch die Klimabilanz der nachfolgenden Generationen belasten. Ist einmal die immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteilt, dürfen die Betreiber die Kraftwerke unbefristet betreiben.

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) findet bei Braunkohlekraftwerken so gut wie überhaupt nicht statt. Da die Rohbraunkohle zu etwa 55 % aus Wasser besteht und damit kaum transportfähig ist, stehen die Kraftwerke tagebaunah "auf der grünen Wiese". Abnehmer für die Prozesswärme gibt es kaum. Diese Kraftwerke sind damit extrem ineffizient. Während die Wirkungsgrade der Altkraftwerke bei etwa 30 % liegen, komme die BoA-Blöcke gerade einmal auf knapp über 40 %. Moderne, dezentrale Gaskraftwerke mit KWK erreichen dagegen Wirkungsgrade über 80 %.

In Nordhein-Westfalen werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Etwa ein Drittel davon geht auf das Konto der rheinischen Braunkohle. Allen Klimaschutz-Lippenbekenntnissen zum Trotz stiegen die braunkohlebedingten Treibhausgasemissionen seit 1990 um etwa 10 % an. Mit der Inbetriebnahme von neuen Kraftwerksblöcken wurden bislang weder Altkraftwerke gleicher Kapazität zeitnah abgeschaltet, noch die zur Verstromung eingesetzte Kohlemenge reduziert. Damit blieb es bei einem klimaschutzpolitischen Nullsummenspiel: Höhere Wirkungsgrade bei gleichen Kohleeinsatz bedeuten gleich hohe CO2-Emissionen bei höherer Stromausbeute.

Und diese, allen Klimaschutzzielen entgegen stehende, Form der Energiegewinnung wird auch noch finanziell belohnt. Bis 2012 wurden der RWE Power im Rahmen des Emissionshandels die notwendigen CO2-Zertifikate überwiegend kostenlos zugeteilt. Obwohl das RWE nichts dafür bezahlte, wurden die virtuellen Kosten eingepreist und der Stromkunde musste dafür bezahlen - ein Milliardengeschenk an das RWE zu Lasten von Verbraucher und Umwelt. Und auch von der EEG-Umlage wurden die Kraftwerke und Tagebaue bis heute befreit.

Seit 2013 muss endlich auch RWE alle CO2-Zertifikate kaufen. Und die rot-grüne Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag 2012 festgelegt, dass auch das Rheinische Braunkohlenrevier bis zur Mitte des Jahrhunderts seinen Anteil an der angestrebten CO2-Reduktion um mindestens 80 Prozent erbringen soll.

Klimawandel und Biodiversität

Neben dem direkten Verlust an Artenvielfalt und Lebensräumen durch die Braunkohlentagebaue sind die mittelfristig zu erwartenden indirekten Effekte durch den Klimawandel von großer Bedeutung. Kohlendioxid ist das mit weitem Abstand wichtigste Treibhausgas und die Verstromung der Braunkohle leistet Deutschlands größten Beitrag zum menschgemachten Treibhauseffekt.

 

Um Aussagen zur möglichen zukünftigen Entwicklung des Klimas in Nordrhein-Westfalen zu treffen, wurde im Auftrag des NRW-Umweltministeriums ein statistisches regionales Klimaszenario für die Großlandschaften in Nordrhein-Westfalen für den Zeitraum bis 2046-2055 errechnet. Bei dem gewählten Szenario zeigt sich eine Erhöhung der landesweiten Jahresmitteltemperaturen um bis zu +1,9° C. Dabei tritt eine Erwärmung in den Wintermonaten um bis zu 3 Grad und in den Sommermonaten um bis zu 2,7 Grad gegenüber den Vergleichswerten des Zeitraums 1951–2000 ein.

 

Die erwarteten Veränderungen der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse sowie die zunehmende Häufigkeit von Extremereignissen haben einen direkten Einfluss auf die Biodiversität. Insbesondere Arten mit einem engen ökologischen Toleranzbereich, vor allem Kälte- und Feuchtigkeit liebende Arten sowie Arten mit eingeschränkter Migrationsfähigkeit, sind betroffen. Was Ökosysteme angeht, gelten Gewässerökosysteme, Feuchtgebiete und Waldökosysteme als besonders anfällig.

 

Nach Modellrechnungen können in Deutschland zwischen 5 und 30 % der vorhandenen Arten vom Aussterben betroffen sein. Mittel- bis Langfristig folgen dem Klimawandel erhebliche Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften und es wird mit einem Rückgang der Biodiversität gerechnet.

 

Was der Braunkohlentagebau an ökologischer Vielfalt übrig lässt, wird also mit einiger Sicherheit durch den Klimawandel weiter degradiert.

 

Wenn wir nicht den Raubbau durch die Braunkohlengewinnung einstellen und den Klimawandel durch einen radikalen Umbau der Energieerzeugungsstruktur abbremsen, wird unser Naturerbe weiter irreversibel geschädigt werden.

Info

Braunkohle ist ein fossiler Brennstoff, der im Tertiär aus organischer Substanz durch Vertorfung und Fäulnis entstand, wobei die organischen Stoffe zu braunen Humusstoffen umgewandelt wurden. Dieser erste Schritt der Inkohlung führt zu einer relativen Anreicherung von Kohlenstoff.
Die Braunkohle im Rheinland hat einen  Wassergehalt von über 50 %; der Anteil an unverbrennbarer Asche beträgt zwischen 3 und 6%. Ihr Heizwert gegenüber der Steinkohle ist um die Hälfte niedriger.

Brennstoff Heizwert KJ/kg
Braunkohle 7.860 – 15.000
Steinkohle 29.000

Am besten kann man fossile Energieträger vergleichen, wenn man eine gemeinsame Bezugsgröße wählt. Als Maßeinheit hierfür dient die Steinkohleneinheit (SKE). 1 kg SKE entspricht der Energiemenge, die beim Verbrennen von 1 kg Steinkohle frei wird. Die CO2-Emissionen pro verbrannter Tonne SKE liegen bei der Braunkohle bei 3,25 t, bei der Steinkohle bei 2,68 t, beim Erdöl bei 2,3 t und beim Erdgas bei 1,5 t.

Brennstoff CO2-Emissionen pro verbrannter Tonne SKE
Braunkohle 3,25 t
Steinkohle 2,68 t
Erdöl 2,30 t
Erdgas 1,50 t

Bezogen auf die Rohbraunkohle wird je verfeuerter Tonne etwa 1 t Kohlendioxid frei gesetzt. Braunkohle ist damit der klimaschädlichste aller fossilen Energieträger. Die eingesetzten Brennstoffmengen sind untrennbar mit den CO2-Emissionsmengen verbunden, und das völlig unabhängig vom Wirkungsgrad des Kraftwerks. Der Wirkungsgrad entscheidet nur über die erzeugten Kilowattstunden pro t SKE, also der spezifischen CO2- Emission pro kWh. Will man den Klimawandel verlangsamen, muss man letztendlich weniger Braunkohle
verfeuern.

Klimakiller Braunkohle

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