BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Wölfe in NRW: BUND fordert mehr Unterstützung für Weidetierhalter und den Herdenschutz

Canis Lupus. Foto: Stefan Eschweiler Pfotenstudio.

Im Kreis Wesel und benachbarten Gemeinden wurde am 1. Oktober 2018 das erste Wolfsgebiet in Nordrhein-Westfalen ausgewiesen. Hier ist die Wölfin Gloria sesshaft geworden. In den vorherigen Jahren streiften zudem schon mehrfach wandernde Wölfe durch NRW. Seit Mitte 2020 gibt es vier ausgewiesene Wolfsgebiete mit einem Rudel im Wolfsgebiet Oberbergisches Land und im Wolfsgebiet Schermbeck, vereinzelte Wolfsnachweise in den Wolfgebieten Eifel - Hohes Venn, Haltern am See und Senne.

Nach Auffassung des BUND ist es ein Erfolg für den Natur- und Artenschutz, wenn der einstmals hier ausgerottete Wolf wieder sesshaft wird. Aber die Sorgen und Ängste vieler Menschen über die Rückkehr dieses Beutegreifers, der hier über 100 Jahre nicht mehr gesehen wurde, müssen ernst genommen werden! Die extensive, ökologisch sinnvolle Nutzung und Pflege von Grünlandbiotopen ist ohne Weidetiere vielfach nicht möglich. Hier müssen Landwirtschaft und Naturschutz, der als Tierhalter selbst betroffen ist, zusammenarbeiten, um den Schutz der Weidetiere zu verbessern. Ziel der Arbeit aller Behörden und Verbände muss es aus Sicht des BUND sein, ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wolf zu erreichen.

„Die Koexistenz von Wolf und Weidewirtschaft ist machbar, wenn der politische Rahmen stimmt.“, so der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in einer Presseerklärung vom 19. Oktober 2018.

„Deshalb ist es dringend geboten, nun die Ausbreitung des Wolfes mit effektiven Maßnahmen zu begleiten, die das Zusammenleben von Mensch und Wolf erleichtern und zur Konfliktminimierung beitragen“, ergänzt Günther Rinke von der BUND-Kreisgruppe Wesel. Der BUND setzt sich deshalb dafür ein, dass die Weidetierhalter stärker unterstützt werden. Die entsprechenden Regelungen im Wolfsmanagementplan des Landes, insbesondere die Richtlinie zur Gewährung von Entschädigungen und der Finanzierung von Maßnahmen für den Herdenschutz, müssen schnell und zuverlässig umgestzt werden.

Wolfsmanagement verbessern – Unbürokratische Hilfen für Weidetierhalte

Die Sorgen der Weidetierhalter müssen ernst genommen werden. Foto: Adalbert Niemeyer-Lüllwitz.

Der Wolf ist ein lernfähiges Tier und so ist es nicht verwunderlich, dass die Wölfin „GW954f“ am Niederrhein immer wieder Übergriffe auf Weidetiere unternimmt. Sie hat gelernt, dass es so besonders leicht ist, Beute zu machen, viel erfolgreicher, als nach Rehen und anderen Wildtieren zu jagen. Aber Menschen haben es auch zugelassen, dass die Wölfin diese Erfahrungen machen konnte. Damit Wolfsschutz und Wolfsmanagement funktionieren, reicht es nicht aus, nur im Schadensfall zu reagieren. Wichtig ist, vorausschauend zu handeln. Dies gilt besonders auch für die Regionen, in denen Wölfe derzeit nur sporadisch durchziehen und noch nicht sesshaft geworden sind.

In Regionen, in denen Wölfe neu heimisch werden, müssen Weidetiere schnellstmöglich geschützt werden. Bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz ihrer Tiere sind Weidetierhalter, hier besonders die Halter von Schafen, Ziegen und Gatterwild, weit umfassender zu unterstützen, als dies der Wolfsmanagementplan vorsieht. Die nachfolgenden konkreten Maßnahmen, die schon seit längerem u.a. vom den Verbänden der Nutztierhalter gefordert werden, unterstützt auch der BUND. 

Unbürokratische Bereitstellung von Fördermitten für den Herdenschutz

Die extensive Bewirtschaftung von Flächen muss unterstützt werden, leistet sie doch einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung einer artenreichen Kulturlandschaft im Gegensatz zu den landwirtschaftlichen Flächen, die konventionell bewirtschaftet werden. Der BUND begrüßt es deshalb, dass nach einer Entscheidung der Europäischen Kommission jetzt Investitionen in Vorsorgemaßnahmen gegen Risse von Weidetieren durch Wölfe zu 100 Prozent durch die Länder finanziert werden können. 

Das Errichten von wolfssicheren Zäunen ist schwere Arbeit, da sie fest im Boden verankert werden müssen. Bei dieser Arbeit werden die Nutztierhalter ebenfalls allein gelassen. Darüber hinaus müssen die Zäune streng genommen täglich kontrolliert werden. Deshalb fordert der BUND eine Finanzierung dieses zusätzlichen Arbeitsaufwandes durch das Land NRW. Zudem schlagen wir vor, die Bestimmung in den Förderrichtlinien, nach der Zuwendungen an Dritte auszuschließen sind, aufzuheben. Eine Aufhebung dieser Einschränkung würde den Weidetierhalter mehr Flexibilität und Handlungsspielraum bei der Durchführung von Maßnahmen geben. Der BUND wünscht sich zudem generell eine Stärkung der Hudehaltung (Behirtung), die extrem positive Effekte für den Naturschutz hat und insbesondere in Gebieten (z.B. Deiche), wo keine Zäune installiert werden können, eine Möglichkeit des Schutzes der Herden vor Wölfen bietet. 

Fördergelder auch rückwirkend auszahlen

Ein Problem der aktuellen Förderpraxis ist, dass erst nach der Bewilligung des Förderantrages mit dem Bau von Zäunen begonnen werden darf. Stattdessen muss eine Möglichkeit gefunden werden, bereits erbrachte Schutzmaßnahmen nachträglich zu entschädigen. Vom Verhalten eines Wolfes her gedacht hat ein Halter, der sich um den sofortigen Schutz seiner Tiere kümmert, alles richtig gemacht und darf dafür nicht bestraft werden. Der Wolfsmanagementplan und die Förderrichtlinie des Landes verlangen aber, dass die Tiere solange ungeschützt auf der Weide stehen, bis der Antrag bewilligt wurde. Eine solche Regelung ist kontraproduktiv, denn der Wolf wird geradezu zu einer einfach zu erreichenden Mahlzeit eingeladen, und er kann sich daran gewöhnen.

BUND-Ansprechpartner

Adalbert Niemeyer-Lüllwitz

BUND-Arbeitsgruppe Wolf
E-Mail schreiben

Vor Ort

BUND-Kreisgruppe Wesel, Angelika Eckel/Günther Rinke, Tel. 02853-693582, bundkgwesel@bund-wesel.de, www.bund-wesel.de 

Weitere Infos

Förderrichtlinien Wolf. Richtlinien über die Gewährung von Billigkeitsleistungen und Zuwendungen zur Minderung oder Vermeidung von durch den Wolf verursachten wirtschaftlichen Belastungen: hier

Wolfsmanagementplan für NRW. Handlungsleitfaden für das Auftauchen einzelner Wölfe. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen: Download

 

Wolfs-Seite des Landes NRW: www.wolf.nrw.de

Positionspaper des Deutschen Wanderverbands  "Mit dem Wolf leben - aber wie?": hier

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf: https://www.dbb-wolf.de/

Die Broschüre "Leben mit Wölfen" des BfN: hier

Konzeptpapier zum Kompetenzzentrum Weidetierhaltung und Wolf: Download

Einsatz von arbeitenden Herdenschutzhunden: hier

 

Ökologie des Wolfes

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